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Zeit und Geschichte

Wie war es in der Nachwendezeit? Die Menschen wollen reden

Michaela Maria Müller
Autorin
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Michaela Maria MüllerMontag, 07.08.2017

Die Kollegin Meike Leopold hat den Text bereits gestern in Kanal "Zukunft der Arbeit" gepiqd. Aber ich finde, er hat auch einen Platz in "Zeit und Geschichte" und poste ihn deshalb noch einmal.

In ihrem Buch „Eisenkinder“ (2013) beschreibt die Journalistin Sabine Rennefanz, wie sie die Wendezeit als 1974 Geborene erlebt hat: Alles ändert sich über Nacht. Und das nicht nur zum Guten. Betriebe werden geschlossen, Nachbarn verlieren ihre Arbeit und werden auch keine mehr finden.

Sie versucht, sich mit der eigenen Geschichte kontroversen Fragen zu nähern: Warum gibt es im Osten Deutschlands eine größere Neonazi-Szene als im Westen? Die NSU? Die Gewalt gegen Flüchtlinge?

Es ist eine schwierige Debatte, bei der man Gefahr läuft, in Schuldzuweisungen steckenzubleiben. Die CDU in Sachsen würde sie am liebsten nicht führen. Der Generalsekretär Michael Kretschmer sagt: „Statt negative Stimmung zu verbreiten, sollten wir lieber sagen: Wir haben viel erreicht, und es ist heute besser als in der DDR.“

Nun scheint offenbar eine Zeit gekommen, in der die Sprachlosigkeit überwunden ist. Die Menschen wollen reden. Seit einer Rede von Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping im vergangenen Herbst, laden sie Menschen ein und wollen über die Wendezeit sprechen. Über ihre Erfahrungen, aber auch über Demütigungen, die sie lange stumm gemacht haben. Und die Dinge, die falsch gelaufen sind.

Wie war es in der Nachwendezeit? Die Menschen wollen reden

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Kommentare 3
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 4 Jahren

    Das ist wichtig.

    Allerdings gab es schon vorher Gesprächskreise, publizistische wie künstlerische Auseinandersetzungen. Einige erläutere ich in diesem Artikel aus dem Jahre 2012:
    https://www.hintergrun...

    Entscheidend für diesen Kanal erscheint mir dieser Abschnitt:

    "Darüber hinaus will sie jetzt auch an die Treuhand-Akten ran. Das schriftliche Erbe der Privatisierung der DDR-Wirtschaft ist bisher unzugänglich, 80 Prozent der „riesigen Bestände“ habe das Bundesfinanzministerium als Verschlusssache eingestuft und eine vorzeitige Öffnung abgelehnt. Wohl weniger, weil etwas vertuscht werden soll, sondern vielmehr aus „mangelndem Interesse und Verständnis“, vermutet Köpping. Aufarbeitung aber brauche Informationen, und auch Westdeutsche sollten verstehen, was im Osten passiert ist."

    Hier verhält sich Petra Köpping entweder taktisch oder naiv. Nach der Vielzahl der Versuchen von Zeithistorikern, an die Akten ranzukommen, nach mehreren Bestsellern zum Thema (ich stelle in meinem verlinkten Artikel u. a. DER DEUTSCHE GOLDRAUSCH vor) kann man von mangelndem Interesse nicht mehr reden.

    1. Michaela Maria Müller
      Michaela Maria Müller · vor 4 Jahren

      Vielen herzlichen Dank für den aufschlussreichen Text! Das Interesse soll von dieser Seite auch wohl klein gehalten werden, und wenn es nur Einzelkämpfer wie Köpping gibt, wird es auch schwierig werden. Wie verhält es sich denn mit den Sperrfristen für die Treuhand-Akten? Eigentlich wären sie ja bald zugänglich, ab 2020.

      Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem mittelständischen westdeutschen Unternehmer, der von einem bekannten deutschen Familienunternehmer dazu gedrängt wurde, ein branchengleiches Unternehmen zu übernehmen. Die Würfel waren da quasi eine Etage höher gefallen, die Treuhand und das große Familienunternehmen.

    2. Achim Engelberg
      Achim Engelberg · vor 4 Jahren

      @Michaela Maria Müller Die ersten Akten werden 2020 zugänglich und jedes Jahr kommen andere dazu.
      Aber: Etliche haben Sondersperrfristen, die nicht vor 2050 einzusehen sind.

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