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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Sonntag, 05.06.2016

"No vietcong has called me no nigger!"

Radikal. Kein Wort passt besser, um das Leben von Cassius Clay zu beschreiben: Olympiasieger, Wehrdienstverweigerer, Verurteilter, Boxweltmeister, Reimedichter, Islamkonvertit, Großmaul, Bürgerrechtler, Prediger. Und er selbst nannte sich stets "der Größte". 

Im Alter von 74 Jahren ist Clay verstorben. In den meisten Nachrufen geht es vor allem um seine Spitzenleistungen als Athlet. Doch seine Geschichte handelt nicht nur vom Sport. Sie ist hoch politisch. Zu seinem 70. Geburtstag hat Stefan Osterhaus im Deutschlandfunk ein Porträt über Cassius Clay als politische Figur veröffentlicht, es handelt auch von der "vollkommenen Verklärung" des Boxers "als Menschenfreund aus Louisville".

Mit Zwölf begann Cassius Clay zu boxen. Schon bald wurden Fachleute auf den schnellen Kämpfer aufmerksam. Ersten Siegen folgte die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Doch der junge Boxer litt unter der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten. Er durfte Medaillen für sein Land gewinnen, wurde im Süden der USA aber nicht im Restaurant bedient. 

1964 begann er, gegen die Diskriminierung der Schwarzen zu kämpfen. Damals lernte Clay den schwarzen Bürgerrechtler Malcolm X kennen - und wie dieser schloss sich der Boxer der Nation of Islam an, einer radikalen muslimischen Vereinigung, die vom Prediger Elijah Muhammad kontrolliert wurde. 

Im selben Jahr kämpfte Clay erstmals um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht. Sein Gegner war Sonny Liston. Malcolm X schrieb zu dem Fight martialische Sätze: "Kreuz und Halbmond kämpfen im Ring zum ersten Mal. Das ist ein moderner Kreuzzug - ein Christ und ein Moslem stehen einander gegenüber. Glaubst du, Allah würde all das bewirkt haben, wenn er nicht wollte, dass du den Ring als Champion verlässt?" Nach seinem Sieg konvertierte Clay zum Islam und nannte sich nun "Muhammad Ali".

Er weigerte sich 1967 wegen seines Glaubens und aus politischen Gründen, im Vietnam-Krieg zu kämpfen. "Ich habe keinen Streit mit den Vietcong", sagte er, "kein Vietcong hat mich jemals Nigger genannt". Er wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, die Haftstrafe wurde aber zur Bewährung ausgesetzt. Seine Titel als Box-Champion verlor er dennoch. Doch einige Jahre später holte er sie sich zurück, in bis heute legendären Kämpfen wie dem "Rumble in the Jungle". 

Ali erkrankte an Parkinson. Als seine Leiden immer schlimmer wurden, zog er sich mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Er blieb eine Ikone der Friedensbewegung und vieler Afroamerikaner. Erst spät versöhnte sich das ganze Land mit dem unbequemen, radikalen Sportler. Zu seinem 60. Geburtstag wurde er bereits als sportliche Legende gefeiert – über seinen politisch-radikalen Kampf wurde ein Weichzeichner gelegt. 2012 erhielt er die Freiheitsmedaille, eine der höchsten zivilen Auszeichnungen der USA.

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Kommentare 1
  1. Leopold Ploner
    Leopold Ploner · vor mehr als einem Jahr

    Ein schöner Beitrag, der auch das Widesprüchliche an Ali nicht ausblendet. Er war sicher kein Dalai Lama in Boxershorts, er musste einstecken und er wusste auch, wie man austeilt. Auch ohne Weichzeichner bleibt er The Greatest.