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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Donnerstag, 13.04.2017

Millionen standen hinter ihm? Was musste Adolf Hitler befehlen?

Nach 1945 hatte keiner etwas gewusst: Konzentrationslager? Holocaust? Gaskammern? Niemand wollte Mitwisser an millionenfachen Verbrechen, am Völkermord sein. Die Schuld an den Untaten der Nationalsozialisten trug der „Führer" allein, Adolf Hitler so schien es, hatte alle Deutschen gezwungen, seinen Befehlen zu folgen. Selbst hochrangige Nationalsozialisten, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Anklagebänken in den Nürnberger Prozessen landeten, verteidigten sich damit, den Mordbefehlen Hitlers gefolgt zu sein. Sie beriefen sich auf den Befehlsnotstand.

Frank Bajohr, Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte in München und Professor an der Universität München, geht in einem Artikel für ZEIT Geschichte den Fragen nach: Was befahl Hitler? Oder musste er nichts befehlen?

Bajohr sieht einen Zwischenweg: „Viel spricht heute dafür, den Weg in den Völkermord nicht durch eindeutige Befehle, sondern als Kommunikationsfeld zu definieren, in dem die Zentrale der Macht und die Peripherie intensiv miteinander verbunden waren. Es war kein Zufall, dass Goebbels in seinem Tagebuch die Rolle Hitlers in der „Judenfrage" als die eines Kommunikators definierte. Hitler sei „der unentwegte Vorkämpfer und Wortführer einer radikalen Lösung", notierte er am 27. März 1942."

Und auch die Zahl der Täter war größer als die deutsche Öffentlichkeit der Nachkriegszeit es wahr haben wollte. Von bis zu 250.000 deutschen und österreichischen Tätern gehen Forscher wie Bajohr heute aus: „Die Mordaktionen wurden nicht allein durch die SS in den Vernichtungslagern verübt; vielmehr war der weitverzweigte SS- und Polizeiapparat als Ganzes daran beteiligt, darunter Gestapo und Ordnungspolizei, die das Gros des Personals in den Polizeibataillonen und mobilen Mordeinheiten im Osten stellte." Und am Holocaust waren noch weitaus mehr Menschen in verschiedenen Ministerien, Verwaltungen oder der Reichsbahn beteiligt. Auch das wurde nach 1945 rasch vergessen – oder verdrängt.

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