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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Sonntag, 06.11.2016

Die erste Kandidatin für das Weiße Haus

Hillary Clinton kämpft nicht als erste Frau um eines der wichtigsten Ämter der Welt. Bereits vor 144 Jahren wollte Victoria Claflin Woodhull ins Weiße Haus einziehen. Obwohl Frauen damals in den Vereinigten Staaten noch kein aktives Wahlrecht hatten, kämpfte sie für den Einzug ins das Oval Office. 1872 konnte sich die Kandidatin nicht einmal selbst wählen.

"Woodhull war eine Pionierin der Frauenrechte, ihre Kandidatur der Höhepunkt eines unkonventionellen bis exzentrischen Lebens. Nach eigener Aussage hatte sie keinerlei Schulbildung genossen und mit Anfang 30 schon multiple Karrieren hinter sich: als Wahrsagerin, Heilerin, Tänzerin und New Yorks erste Aktienhändlerin, als Verlegerin und Frauenrechtlerin", schreibt einestages von Spiegel Online, in einem unterhaltsamen Stück. "Sie war zum zweiten Mal verheiratet und zog ihre Tochter und den behinderten Sohn aus erster Ehe groß." 

Den Wahltag musste die damals 34-Jährige im Gefängnis verbringen: Ihr wurde das Verbreiten obszönen Materials vorgeworfen. Der Verhaftung war ein publizistischer Streit vorausgegangen: Woodhull kämpfte mit Artikeln gegen ihre zahlreichen politischen Gegner, zu denen auch Harriet Beecher Stowe zählte, Autorin des Anti-Sklaverei-Buchs 'Onkel Toms Hütte'. Diese war die Schwester von Priester Henry Ward Beecher, der eine Affäre mit einer verheirateten Frau hatte. Woodhull berichtete in ihrem Journal über diesen Skandal – ein Text, der die Zensurbehörde alarmierte. Der Artikel wurde als obszön eingestuft und die Präsidentschaftskandidatin drei Tage vor der Wahl verhaft, wegen illegaler Verbreitung von Pornografie auf dem Postweg. Eine Chance zu gewinnen, hatte sie ohnehin nie – ganz anders als Hillary Clinton heute, 144 Jahre später.

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