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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Dienstag, 02.08.2016

Der Zar der amerikanischen Rüstungsindustrie

Er arbeitete als Koordinator des Manhattan Projekts und half beim Erfinden der Atombombe. Er baute einen den größten Rüstungskonzerne der Welt auf. Und er entdeckte das Potenzial des Computers für die Welt der Waffen. Dennoch ist Vannevar Bush in Deutschland kaum bekannt.

Während Robert Oppenheimer später bedauerte, eine Massenvernichtungswaffe geschaffen zu haben, kennt Bush keine Reue. "Mit seiner schnarrenden Stimme, die grenzenlose Selbstgewissheit und Arroganz verriet, wurde er nicht müde, der Welt auch weiterhin Lehren zu erteilen", schreibt Martin Burkhard in der FAZ. "So mag es naheliegen, im 'General der Physik' (wie ihn die 'Times' tituliert hat) eine Art Dr. Seltsam der Technokratie zu sehen: den Mann, in dem sich die Bombe, der Computer, aber auch der militärisch-industrielle Komplex zu einer tödlichen Einheit verdichten."

Bushs Karriere führte ihn zu den Großen der amerikanischen Rüstungsbranche. Bei General Electrics sammelte er erste Erfahrungen. Dann beteiligte er sich am Radiopionier AMRAD. Und mit 32 Jahren gründete er sein eigenes Unternehmen, das er "göttlicher Strahl" nannte: Raytheon. Nach Angaben des schwedischen Friedensforschungsinstituts SIPRI ist Bushs Schöpfung heute das viertgrößte Rüstungsunternehmen der Welt. 

Es stellt unter anderem Luft-Luft-Raketen wie die AMRAAM her, lasergelenkte Bomben, Torpedos und Nachtsichtgeräte. Zudem hat Raytheon die Cyber-Security als wichtiges Marktsegment entdeckt. Computer als Waffen, davon hatte Vannevar Bush nur geträumt.

Der Zar der amerikanischen Rüstungsindustrie
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Kommentare 4
  1. Georg Wallwitz
    Georg Wallwitz · vor etwa einem Jahr

    Johann von Neumann, Bushs genialischer Mitarbeiter, Erfinder der Spieltheorie, Mutschöpfer von Atombombe und Computer, hat bereits 1944 vom Computer als Waffe geträumt.
    Das war eine ganz erstaunliche Zeit, in der es für alles eine technische Lösung zu geben schien, mit den neuen Methoden der Physik und Mathematik. Insbesondere das amerikanische Militär hat damals begriffen, dass dies die Fächer sind, in die sich zu investieren lohnt. Diese Verknüpfung garantiert den USA bis heute ihre militärische Dominanz.

    1. Hauke Friederichs
      Hauke Friederichs · vor etwa einem Jahr

      Vielen Dank für den Hinweis - dem gehe ich gern nach!

  2. Dirk Liesemer
    Dirk Liesemer · vor etwa einem Jahr

    Interessant, vielleicht ist die Geschichtsschreibung immer noch zu sehr mit Feldherren und großen Politikern beschäftigt. Und solche Technokraten, die nicht weniger die Geschichte vorantreiben, werden dann einfach zu leicht übersehen.

    1. Hauke Friederichs
      Hauke Friederichs · vor etwa einem Jahr

      Als ehemaliger Student der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte in Hamburg, wo einst die Technikgeschichte eine große Rolle spielte, stimme ich Dir sofort zu: Zwar wurden in Deutschland die Rolle von Krupp oder Blohm für die Rüstungswirtschaft und für den NS-Staat untersucht – kritische Studien zu bedeutenden Ingenieuren und einflussreichen Technokraten gibt es allerdings zu wenige