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Zeit und Geschichte

Moritz Hoffmann
Freier Historiker. Zeitgeschichte, Digitale Public History. Verantwortlich für @digitalpast und @9Nov38.
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piqer: Moritz Hoffmann
Freitag, 29.04.2016

Der Henker von Warschau: Wie NS-Täter die Bundesrepublik aufbauten

Der Fall Heinz Reinefarth war schon bekannt, sein ganzes Ausmaß aber ist neu: Reinefarth war als SS-Gruppenführer für den Tod zehntausender Menschen bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes 1944 verantwortlich. Dass er dennoch nicht in der Ahnenreihe der deutschen Kriegsverbrecher auftaucht, verwundert nur jene, die im Angesicht der juristischen Aufarbeitung des "Dritten Reiches" noch nicht zynisch geworden sind.

Reinefarth hatte noch ein zweites Leben - als Bürgermeister von Westerland auf Sylt und Abgeordneter im Landtag Schleswig-Holsteins. Und dort war er nicht alleine: Zwischen 1950 und 1971 war nahezu jeder zweite Landtagsabgeordnete im nördlichsten Bundesland ehemaliges NSDAP-Parteimitglied, in den Regierungskabinetten waren es bis zu 76%.

All dies ist nun dankenswerterweise im Auftrag des Landtages von einem Team um den Flensburger Historiker Uwe Danker aufgearbeitet worden. Und doch beginnt damit nur die Arbeit, wie Sven Felix Kellerhoff hier argumentiert: Denn mit dem reinen "Nazis zählen" ist es nicht getan. Die viel spannenderen Fragen sind die, wie es diese Menschen bis in höchste Ämter schafften, ohne zumindest von den Besatzungsmächten argwöhnisch betrachtet zu werden. Und vor allem: Wie sie es schafften, zu hochfunktionalen Zahnrädern der Demokratisierung Deutschlands zu werden. Denn dort wird es eigentlich erst beängstigend. Viel beunruhigender, als die Verbrechen der NationalsozialistInnen nur auf Verrückte und Monster zu schieben, ist die Tatsache, dass offenbar viel zu viele ziemlich normale, sittsame Menschen bereit waren, als Teil eines Funktionsapparates Unmenschliches zu tun.

Der Henker von Warschau: Wie NS-Täter die Bundesrepublik aufbauten
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