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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Mittwoch, 28.06.2017

Der Bad Boy der Machttheorie – wie Niccolò Machiavelli die Kunst der Täuschung lernte

Sein Werk bleibt umstritten – bis heute. Sein Name wurde ein Synonym für skrupellose Machtpolitik, für den Einsatz aller Mittel und Methoden. Niccolò Machiavelli schrieb 1513 mit "Il Principe" ("Der Fürst") ein Standardwerk der Politiktheorie. Für ihn geht es in der Politik nicht um Moral – ganz im Gegenteil. Ein starker Politiker, der im Interesse seiner Nation und seiner Mitbürger handelt, müsse bereit sein, auch Böses zu tun. 

"Vielleicht ist Machiavelli ein so radikaler Theoretiker, weil er seine Karriere als Praktiker beginnt", schreibt Hanno Scheerer für GeoEpoche. 1498 übernimmt Machiavelli wichtige Aufgaben für den Rat der Stadt Florenz, bekommt einen Posten in der Außenpolitik.  Er bricht zu diplomatischen Missionen auf, reist zum französischen König. Dabei erlangt Machiavelli die Einsicht, dass Politik aus Taktik und Verstellung besteht. "Ein Spiel, das er auch selbst lernt und perfektioniert: Denn er ist ein meisterlicher Psychologe, der genau weiß, mit welchen Worten er sein Gegenüber beeindrucken kann", schreibt Scheerer. Selbst hartgesottene Söldnerführer manipuliert er – und täuscht die eigene Regierung.

1512 ist seine Zeit in der Politik vorbei. Spanisch-päpstliche Soldaten erobern Florenz, die Medici kehren an die Macht zurück. Machiavelli verliert sein Amt, dann gilt er als Verschwörer, kommt in Haft, wird gefoltert. Als er Dank einer Amnestie in die Freiheit zurückkehrt, zieht er sich aufs Land zurück. Nun hat er genug über die Politik gelernt, um seine Theorie aufs Papier zu bringen.

Erst 1531 wird sein Werk im größeren Stil gedruckt. Vor allem "Der Fürst", der gegen den Geist des Humanismus verstößt, wird heftig attackiert. Verteidigen kann Machiavelli sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Er ist seit vier Jahren tot - gestorben an einer Bauchfellentzündung.

Der Bad Boy der Machttheorie – wie Niccolò Machiavelli die Kunst der Täuschung lernte
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Kommentare 3
  1. Dirk Liesemer
    Dirk Liesemer · vor 7 Monaten

    Ich bin mir nicht sicher, ob man sein Werk "Der Fürst" als Theorie bezeichnen kann. Zumindest stellt Machiavelli darin keine normativen Forderungen auf. Es geht ihm nicht um Gut und Böse. Vielmehr beschreibt er Techniken, wie sich die Macht ergreifen und behaupten lässt. Gerade diese wertneutrale, nüchterne Betrachtungsweise war damals revolutionär und wurde lange Zeit nicht verstanden.

    1. Hauke Friederichs
      Hauke Friederichs · vor 7 Monaten

      Doch, würde ich schon sagen. Zumindest begegnete mir Machiavelli im Grundkurs Politische Theorien... Machiavellis erstes Kapitel heißt: "Verschiedene Arten der Herrschaft, und Wege, zu ihr zu gelangen" und zeigt ganz gut, dass er Theorie und Praxis mischt. Echte Handlungsanleitung erteilt er nicht und Passagen wie die folgende über den Umgang mit eroberten Provinzen sind Gedankenspiele, keine To-Do-Liste für werdende Potentaten: "Um sie mit Sicherheit zu beherrschen, ist es hinreichend, die Familie ihrer vorigen Beherrscher auszurotten (...)."
      Wer mag kann das Werk unter dieser Adresse kostenlos downloaden: www.gutenberg.org/files/398...

    2. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 7 Monaten

      @Hauke Friederichs Ja, stimmt, und besten Dank für den Link.