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Zeit und Geschichte

Torsten Schubert
Journalist, Autor
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Torsten Schubert
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Mittwoch, 27.05.2020

1968 - Die globale Revolte

Eine Gesellschaft im Umbruch. Das erste Aufbegehren in einer globalen Welt. Die Revolte von 1968 war eine Bewegung, die von Frankreich bis Japan reichte und das damalige Establishment erschütterte. Entsprechend hart reagierten sie mit staatlicher Gewalt auf die Unruhen der meist jugendlichen Protestierer. Arte beleuchtet in einer zweiteiligen Dokumentation die Hintergründe der Protestwellen und ihre Auswirkungen bis in die heutige Zeit.

Die Dokumentation beginnt mit einem Blick in die wirtschaftlich boomende, gesellschaftlich aber erstarrte US-amerikanische Gesellschaft der 60er Jahre und spürt der keimenden Unzufriedenheit in Teilen der Jugend nach. An der University of Berkeley in Kalifornien finden die Spannungen zuerst eine Form: Hier wird der Grundstein für die amerikanischen Antikriegsbewegung, das Free Speech and Civil Rights Movement, gelegt. Während der Krieg in Vietnam an Fahrt und gleichzeitig an Kritikern gewinnt, unterdrückt die Militärdiktatur in Brasilien die linke Opposition. In Westeuropa und Japan formieren sich lokale Studentenbewegungen, die die traditionellen Lehr- und Machtinstrumente boykottieren und auf der Suche nach alternativen linken Gesellschaftsmodellen sind. Deutsche Studenten lehnen sich gegen alte NS-Kader an den Spitzen ihrer Universitäten auf. Allerorts kommt es zu gewaltvollen Auseinandersetzungen mit den staatlichen Autoritäten. Die flächendeckende Berichterstattung über die Grausamkeiten des Vietnamkriegs macht die USA zur Zielscheibe einer kritischen linken Jugend weltweit, die sich in Protesten organisiert und die Welt mit ihren Slogans und Protestsongs überflutet. Während in Europa die Studentenproteste und Streiks ihre zahlenmäßigen Höhepunkte erreichen, läuten dramatische Ereignisse anderorts die Kehrtwende ein: Die Morde an Martin Luther King und Bobby Kennedy, die blutig niedergeschlagenen Proteste vor den Olympischen Sommerspielen 1968 in Mexiko mit über 500 Toten, der sich zuspitzende Vietnamkrieg oder die sogenannte Attacke auf Tokio, bei der Studenten den größten Bahnhof der Welt besetzen, zeigen die zunehmenden gewalttätige Eskalation der Proteste. Das Bild vom Planeten Erde, das die „Apollo 8“ im Dezember 1968 aus dem Weltraum aufzeichnet, täuscht: Der vermeintlich friedliche Planet ist in fundamentalem Aufruhr.

Der zweite Teil beschäftigt sich vor allem mit den Auswirkungen des Aufruhrs der sogenannten 68er-Bewegung. Zwar scheitert die Revolution allerorts, aber es entwickeln sich daraus andere Formen des Protestes. Aufgrund staatlicher Repressalien zum Teil auch gewalttätige Gruppen, wie die Rote Armee Fraktion (RAF) in Deutschland. Doch auch NGO's wie Greenpeace und Ärzte ohne Grenzen gründen sich zu dieser Zeit. Manche durch die Revolte politisierte Menschen treten den langen Marsch durch die Instanzen an. Der Einfluss der Bewegungen von 1968 sind bis heute deutlich spürbar.

Der anhaltende brutale Krieg in Vietnam führt bei vielen Protestakteuren zu Verbitterung und der utopische Traum einer anderen Gesellschaft droht zu platzen. Gleichzeitig nehmen die staatlichen Repressionen in vielen Ländern wie Japan, Frankreich oder Italien zu und führen zu einer weiteren Radikalisierung in Teilen der Linken. Der Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) erschüttert Deutschland, und Italien droht im Würgegriff zwischen dem staatlich organisierten Terror und der Gewalt der Roten Brigaden zu zerbrechen. Andere Teile der 68er-Bewegung machen sich nach der gescheiterten Revolution auf den langen Weg durch die Institutionen. Der Kampf für Frauen- und Homosexuellenrechte wird maßgeblich vorangetrieben, das wachsende Bewusstsein für Umweltschutz und die negativen Folgen der Konsumgesellschaft führen zur Bildung von NGOs wie Greenpeace oder Ärzte ohne Grenzen. Auch die Grundlagen der Globalisierung und des Internets werden im Geiste der 68er gelegt. Mit der Einnahme Saigons 1975 und dem Rückzug der Amerikaner aus Vietnam endet der Krieg, der als maßgeblicher Faktor die 68er-Bewegungen rund um den Globus angefeuert hat. Die Revolution ist zwar gescheitert, aber innerhalb nur eines Jahrzehnts haben die 68er fast alle Gesellschaften der Welt grundlegend verändert, und die Wellenbewegungen der Revolte beeinflussen unser Leben bis heute.

Die zweiteilige Dokumentation ist noch bis zum 17. Juli 2020 in der Arte-Mediathek zu sehen.

1968 - Die globale Revolte

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