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Volk und Wirtschaft

Rico Grimm
Journalist
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piqer: Rico Grimm
Freitag, 13.05.2016

Die EZB erlässt allen Euro-Staaten die Schulden - außer Griechenland

Eine hoch interessante These legt der Leidener Euro-Spezialist Paul de Grauwe in diesem Text dar: Die Europäische Zentralbank (EZB) verringert aktiv die Schuldenlast aller Euro-Staaten, aller Staaten außer Griechenland.

Wie kommt de Grauwe darauf?

Seit dem März 2015 kauft die EZB gezielt Staatsanleihen der Euro-Länder auf d.h. sie leiht den Regierungen der Länder Geld, allerdings ohne dafür Zinsen zu verlangen. Darin unterscheidet sie sich von anderen Geldgebern, die die Euro-Regierungen nun nicht mehr um Geld bitten müssen. Sie können einen Teil ihres Bedarfs ja bei der EZB decken. Ganz konkret bedeutet das, dass alle Euro-Länder insgesamt weniger Zinsen auf ihre Schulden zahlen müssen. Alle außer Griechenland, außer jenem Land, das das am Meisten nötig hätte. Denn Griechenland zahlt gerade 7,4 % Zinsen auf 10-Jährige Staatsanleihen. Deutschland zahlt 0,14 %. 

Während sich die deutsche Regierung gegen griechische Schuldenerleichterung in jeglicher Form sperrt, profitiert sie von der Schuldenerleichterung durch die EZB. 

Wenn das nicht unfair ist - was dann? 

Die EZB erlässt allen Euro-Staaten die Schulden - außer Griechenland
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Kommentare 3
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · vor 4 Jahren

    Den Vorgang verstehe ich nicht ganz. Wieso verschwinden Government Bonds wenn die ECB sie aufkauft? Sie behalten doch weiterhin ein Fälligkeitsdatum, nach dem eine Zahlung zu erfolgen hat. In dem Artikel wird beschrieben, dass die EZB auf dem Sekundärmarkt die gleiche Summe an (neuen?) Bonds aufkauft. Wenn es neue Bonds sind, haben auch diese wieder ein Fälligkeitsdatum (und auf dem Sekundärmarkt eigentlich nichts verloren) wenn es dieselben Bonds sind, verstehe ich nicht, warum diese nach Fälligkeit (und damit Wertlosigkeit) noch gehandelt werden dürfen. Kannst du mir auf die Sprünge helfen?

    1. Fritz Iversen
      Fritz Iversen · vor 4 Jahren

      "Als ob sie aufhören zu existieren" hängt wohl damit zusammen: "The ECB has announced that when these bonds come to maturity, it will buy an equivalent amount of bonds in the secondary market." Die Rückzahlungen finden ja über die Ausgabe neuer Bonds statt (auch die Investoren wollen ja das Geld wieder neu anlegen, daher gibt es auch schon die Idee "ewiger" Bonds"). Das Risiko besteht darin, dass zum Umschuldungszeitpunkt die Zinsen höher liegen. Das grenzt die EZB ein, indem sie weiter für künstliche Erhöhung der Nachfrage sorgt. Nominell bleiben die Schulden also erhalten. Die Erleichterung besteht im Drücken der Zinssätze Richtung null. Schäuble bekommt inzwischen Geld gut geschrieben, wenn er sich auf 5 Jahre Geld leiht. Dass Griechenland nicht einbezogen ist, soll vermutlich finanzpolitisches Wohlverhalten begünstigen. Das ist nachvollziehbar. Ohne den Druck, sich ein gutes Rating zu erhalten, würden die Regierungen zum "moral hazard" eingeladen werden. Es muss noch einen Tritt in den Hintern geben für Reformen und Sparsamkeit. Griechenland ist das warnende Beispiel, das auch das geschenkte Geld nicht geschenkt ist. Trotzdem natürlich ungerecht und dysfunktional.

    2. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor 4 Jahren

      @Fritz Iversen Jetzt hab ich es verstanden. Dank dir vielmals!

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