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Volk und Wirtschaft

Christian Odendahl
Wirtschaftspiqster
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piqer: Christian Odendahl
Mittwoch, 14.12.2016

Das Investitionsproblem Deutschland

Über die Investitionsschwäche Deutschlands ist schon viel geschrieben worden, aber selten so kompakt und anschaulich. Und dieser Text zeigt, wie breit der Konsens mittlerweile ist: sowohl Marcel Fratzscher als auch Christoph Schmidt werden zitiert, wobei Fratzscher das Problem schon immer gesehen hat, während der Sachverständigenrat in der Vergangenheit eher beschwichtigt hatte.

Sollte Deutschland für Investitionen mehr Schulden aufnehmen? Schmidt ist dagegen. Ich sehe das entspannter, aus zwei Gründen: Erstens sind die Zinsen (auch langfristige) so gering, dass es sich lohnen dürfte, schuldenfinanziert in z.B. Bildung, Integration, Forschung, digitale Infrastruktur etc. zu investieren, wo die Renditen deutlich über den gegenwärtigen Zinsen liegen dürften. Wie Schmidt richtig sagt, ist für eine alternde Gesellschaft nichts wichtiger als Investitionen in die wenigen Köpfe, die nachkommen. 

Zweitens fehlt bei Schmidt die politische Dimension. Denn sein Ruf nach mehr Investitionen verhallt zu leicht, ist es doch politisch viel ergiebiger, Geld in Rentengeschenke zu stecken, wie bei der GroKo geschehen, als in langfristige Investitionen. Unter anderem deshalb erlauben schlaue Schuldenregeln, dass produktive staatliche Investitionen aus Schulden finanziert werden dürfen, andere Ausgabenprogramme aber nicht. Leider steht in der deutschen Verfassung dank der Schuldenbremse etwas anderes. Weshalb wir auf Investitionen in Deutschland weiter warten müssen bzw. über Privatisierungen clevere Wege finden müssen, um uns an den Regeln vorbeizumogeln. Beides nicht optimal.

Das Investitionsproblem Deutschland
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Kommentare 1
  1. Sebastian Strub
    Sebastian Strub · vor etwa einem Jahr

    wurde eventuell ein wichtiger Grund für den Investitionsstau nicht genannt? Nämlich die zunehmende Monopolisierung der deutschen Wirtschaft. Viele erfolgreiche deutsche Konzerne sind quasi-Monopolisten oder -Oligopolisten auf ihrem Gebiet. Da sind Preiserhöhungen der sicherere und einfachere Weg zu mehr Profit als Investitionen. In Deutschland sind prozentual mehr Unternehmen in der Hand von Erben und Familien als in den USA oder GB. Vielleicht müsste man deren Marktmacht zerschlagen (auch ihren Einfluss auf die Gesetzgebung, siehe EEG), um Luft für investierfreudige junge Unternehmen zu schaffen