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Pop und Kultur

100 Jahre Joseph Beuys – ein Grund zum Feiern?

Oskar Piegsa
Redakteur DIE ZEIT
Zum piqer-Profil
Oskar PiegsaSonntag, 14.02.2021

Am 12. Mai 1921 wurde in Krefeld Joseph Beuys geboren. Vor 100 Jahren also, weshalb für 2021 schon das »Beuys-Jahr« ausgerufen wurde, mit diversen Ausstellungen und einem städteübergreifenden Festival in NRW.

Beuys, Beuys, Beuys. An sich ist das »business as usual« im Ausstellungs- und Kulturbetrieb. Allerdings ist Joseph Beuys nicht nur der wohl bekannteste deutsche Künstler der Nachkriegszeit, sondern auch einer der schwierigeren, wie Niklas Maak in einem langen Text im Feuilleton der FAS auseinanderdröselt (hier gepiqd ist die Fassung bei Blendle).

Denn Beuys, der in Jugendjahren ein begeisterter Nationalsozialist gewesen war, sich dann der Anthroposophie zuwandte und später Mitbegründer der Grünen wurde (und gemeinsam mit Mitgliedern von BAP den Protestsong Sonne statt Reagan auf- und damit das Genre »German Reggae« vorwegnahm, was die Karriere von Gentleman überhaupt erst möglich machte und vielleicht sein größtes Vergehen ist – OK, Scherz), dieser Beuys hatte neben seinen fortschrittlichen, demokratischen und ökologischen Elementen oft auch etwas dunkel Dräuendes an sich, in seiner Selbstinszenierung als Schamane und seinen Beschwörungen des Mystischen und Vormodernen.

Andernorts würde das vielleicht als harmloser Künstlerspleen durchgehen, in Deutschland – aus guten Gründen – nicht. 

Man könnte es sich jetzt leicht machen und sagen: So ist das eben mit den deutschen Künstlern, sie sind belastet oder verdächtig, so wie ALLES in den letzten ca. 200 Jahren deutscher Geschichte belastet oder verdächtig ist.

Tatsächlich ist Maak auch nicht der erste Kunstkritiker, der ein Jubiläum problematisiert — vor ziemlich genau zwei Jahren schrieb Hanno Rauterberg in der ZEIT einen ganz ähnlichen Text zur Frage, ob man denn 100 Jahre Bauhaus bedenkenlos feiern könne.

Damals zeigte sich: Man konnte. Niemand, der schicke Bauhaus-Uhren (die mit Bauhaus nicht viel zu tun haben) oder andere Memorabilia verkaufen wollte, ließ sich dabei von den Misstönen in der Bauhaus-Geschichte abhalten. 

Ob das Beuys-Jahr ein ähnlich ungebrochenes Fest wird, scheint mir aber noch nicht ausgemacht zu sein. Meine Vermutung ist, dass das Label »Beuys« weniger als das Label »Bauhaus« als glattgeschliffener zeitloser Klassiker über die Kategorien von Politik und Geschichte erhaben ist – und dass Beuys deshalb als ambivalent, kompliziert und auch kritikwürdig erinnert werden wird, so wie es im Text von Maak schon anklingt.

Wie die Museen und Ausstellungshäuser mit dem Beuys'schen Erbe und Andenken umgehen, wird selbstverständlich erst zu erkennen sein, wenn sie wieder Besucher*innen empfangen dürfen – und wann das der Fall ist, wissen wir nicht.

Ausgerechnet in Corona sieht Niklas Maak nun aber die Aktualität und Anschlussfähigkeit von Beuys begründet. Denn dunkles Dräuen, vormodern argumentierend und antroposophisch angereichert, das hat ja gerade Konjunktur in Deutschlands Szene der Coronaskeptiker und Imfgegner. 

[UPDATE] Unten verlinkt habe ich den Text auf Blendle, kostenpflichtig und leider wohl auch mit einem Bug. Kostenlos und voll intakt kann man ihn auch hier lesen. 

100 Jahre Joseph Beuys – ein Grund zum Feiern?
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Kommentare 5
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 8 Monaten

    Ja, auch Beuys wie auch andere Künstler sollte man vielschichtig betrachten.

    Ich weiß nicht, ob es an mir liegt, aber ich kam nicht direkt auf die zweite Seite des Beitrags:
    https://blendle.com/i/...

    1. Oskar Piegsa
      Oskar Piegsa · vor 8 Monaten

      Huch, wie blöd. Ich musste mich bei Blendle einmal weiterklicken, hatte aber angenommen, das klappe bei allen problemlos. Hier gibt es den Text auch auf faz.net (vielleicht eh besser, nämlich ohne Paywall): https://m.faz.net/aktu...

    2. Yvonne Franke
      Yvonne Franke · vor 8 Monaten

      @Oskar Piegsa Ach, super. Magst du den FAZ-Link noch in einem Nachsatz in deinen piq einfügen, damit alle ihn gleich finden, Oskar? Wir haben uns vorhin hier übrigens sehr amüsiert über deinen herrlich geschriebenen Text.

    3. Oskar Piegsa
      Oskar Piegsa · vor 8 Monaten

      @Yvonne Franke Jupp, habe ich gerade gemacht – und gleich auch noch ein paar weitere Links im Text nachgetragen.

    4. Jan Paersch
      Jan Paersch · vor 8 Monaten · bearbeitet vor 8 Monaten

      @Oskar Piegsa Leider gibt's blendle ja fast nie ohne Bug. Aber daran bin ich schon gewöhnt. Danke für den piq! Du meinst wahrscheinlich "dräuend"?

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