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Journalistischer Toast Hawaii: Ein öder Gruß aus den 80ern

Daniel Erk
Stv. Redaktionsleiter Tagesspiegel Berliner, freier Journalist und Autor
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Daniel ErkSonntag, 03.03.2019

Vorneweg: Ich bin ein großer Freund des lustvollen Verrisses.

Denn der ist quasi der überdrehte Popsong des Journalismus: Er erzwingt eine emotionale Reaktion. Entweder ein herzliches "Hell yeah!" oder entsetztes "WTF!?", tertium non datur. Der, naja, "Essay" des NTV-Chefmoderators Christoph Teuner bei Falstaff müsste mir also eigentlich gefallen.

Dort nämlich zerlegt Teuner die Eigenheiten junger Köche und Köchinnen sowie die Gepflogenheiten in den derzeit angesagten Etablissements:

Jeder Teller ist ja Teil eines einzigartigen »Events« und wird ausführlich kommentiert. Ich habe schon Albträume. In denen schwärmen ­Kellner, die nur aus Mündern bestehen, ­von handgetauchten Hawaii-Garnelen und erläutern den Hauptgang samt Zubereitungstechniken mit Worten, die in ein Physik- oder Chemie-Seminar passen würden.

Und weiter:

Aufgeblasen wird alles durch pseudointellektuelle Journalisten-Schwurbler wie den FAZ-Dollase, die ein Handwerk zu Kunst, sich selbst zu Kunstkritikern und Esser zu Teilnehmern an Kunstprojekten erklären. Puh! Am Ende ist alles so aufgeladen mit Bedeutung und Erwartungen, dass ich Angst habe, einen Schlag zu kriegen.

Bloß: Wie plump, wie öde und selbstgefällig und ohne jede interessante Beobachtung kann eine solche Beschwerde sein?

Sprachliche Eleganz findet man in diesem Lamento überhaupt nicht, intellektuell bewegt sich Teuner ohnehin auf dem Niveau einer CDU-Vorsitzenden beim schwäbischen Karneval. Heraus kommt journalistischer Toast Hawaii: Wäre gerne kreativ, ist aber nur absurd und trotzdem öde.

Wenn Teuner am Ende deklamiert, er "weigere sich, zum Einheitsmenü-Fresser degradiert zu werden und nach dem Essen hungrig zu sein" und "werde kein Trendrestaurant mehr betreten! Ich werde nur noch entspannt, konservativ und üppig essen", dann ist das ein Gewinn für alle Beteiligten: Für die jungen Köche, die ja ausreichend Wertschätzung erfahren. Und für all die anderen, interessierten Gäste, die auf überforderte Miesepeter am Nebentisch gut verzichten können.

Journalistischer Toast Hawaii: Ein öder Gruß aus den 80ern

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Kommentare 5
  1. Theresa Bäuerlein
    Theresa Bäuerlein · vor fast 3 Jahre

    Als ich den Artikel zu lesen begann, dachte ich noch, naja, so schlimm ist der ja nicht. Aber er steigert sich, je weiter man kommt, desto blödsinniger wird es, bis zu diesem Satz im letzten Absatz: "Nein, ich will keine aus entfetteter Brühe wiedergeborene Öko-Aphrodite mit haarigen Achseln." Ufff. Spätestens hier wird er zum Old-White-Male-Gezeter. Aber! Mit dem Gezeter über Essen als Kunst hat er recht. Das ist ein Unding und etwas, das anscheinend auch in Deutschland weit verbreitet ist: Präsentation wichtiger als Zutaten und Handwerk.

  2. Daniela Becker
    Daniela Becker · vor fast 3 Jahre

    Bin empört wie hier Toast Hawai geringgeschätzt wird.

    1. Daniel Erk
      Daniel Erk · vor fast 3 Jahre

      Es tut mir schrecklich leid! Bei genauerer Betrachtung ist der Toast Hawaii mit Sicherheit ein komplexes Gericht und mein Vergleich übler Klassizismus!

  3. Ralph Diermann
    Ralph Diermann · vor fast 3 Jahre

    Vielen Dank für die klaren Worte. Wenn sich Herr Teuner von einer zeitgemäßen Fine-Dining-Küche überfordert fühlt, ist er in der "Post" in Kyritz an der Knatter in der Tat besser aufgehoben. Redzepi auf den zitierten Satz zu gesundem Essen zu reduzieren? Puh, da hat er wohl wirklich was nicht verstanden.

    1. Daniel Erk
      Daniel Erk · vor fast 3 Jahre

      Das wäre am Rande auch das nächste, wichtige Argument: Es gibt ja beides. Es gibt ja die opulente, gutbürgerliche Küche zu Spitzenpreisen, die ihren Gästen immer und immer wieder das selbe vorsetzt. Es geht hier um Deutungshoheit und darum, was als fein gilt – und das wird dem Althergebrachten eben vollkommen zurecht streitig gemacht. Es geht ja auch niemand zur Atonale und beschwert sich, dass dort weder "Herzilein" noch "Satisfaction" liefen.

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