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Technologie und Gesellschaft

Die rechtlichen Fallstricke von AI-Bildgeneratoren

René Walter
Grafik-Designer, Blogger, Memetiker | goodinternet.substack.com

Irgendwas mit Medien seit 1996, Typograph, Grafiker, Blogger. Ask me anything.

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René WalterDienstag, 23.08.2022

Gestern wurde mit Stable Diffusion eins der ersten Open Source KI-Modelle für automatisierte Produktion von synthetischen Bildern veröffentlicht. Stable Diffusion ist genau wie das von mir hier vorgestellte Dall-E 2 von OpenAI, ein Image Generator, der auf Texteingabe in der Lage ist, eine Illustration jeglicher Inhalte zu produzieren. 

(Transparenz: Ich war Teil der Beta-Phase von Stable Diffusion und habe fleißig Bilder gezaubert. Ein paar meiner Entdeckungen im Latent Space: the giant head of Stanislaw Lem hovering above the futurological congressMonty Python doing the Silly Spacewalka gentleman navigator in a steampunk airship flying above a vast ocean of a very large language modelmad max and tina turner singing we don't need another heroThe Velvet Underground and Nico playing live on stage at a night clubThe Moomins in space suits flying around in jetpacks discovering the Mushroom Planet)

Kurz nach Dall-E 2 präsentierte Google mit Imagen und Parti gleich zwei Spielarten dieser Technologie, die auf unterschiedlichen AI-Architekturen basierten und noch bessere und genauere Ergebnisse erzielten. Die Konsequenzen dieser Technologien auf den Kreativmarkt sind absehbar und folgerichtig laufen Kreative auf aller Welt mittlerweile Sturm gegen die neuen Illustrations-Maschinen.

Charlie Warzel, der in seinem Newsletter bereits vor drei Wochen auf Fragen der Ethik und des geistigen Eigentums im Kontext von AI-Systemen wie Dall-E oder Stable Diffusion hinwies, wurde jüngst selbst zum Ziel eines Shitstorms von Künstlern und Illustratoren. Der von mir hier exemplarisch gepiqdte Text von Alexander Wales spricht in seiner dramatischen Überschrift von einer "AI-Art Apocalypse" und beschäftigt sich in einem langen Addendum alleine mit Fragen des Copyrights und Fair Use.

Mir selbst ist die Legalität dieser Bildgeneratoren nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Zwar sind die mit Webscraping erstellten Datensätze, mit denen die künstlichen AI-Systeme trainiert wurden, als solche legal und dürfen für Forschung und Bildung angewendet werden, aber sowohl Dall-E als auf Midjourney als auch Stable Diffusion sind mittlerweile kommerzialisierte Projekte, was die Anwendung von Fair Use-Gesetzen erschwert. Deutsche Urheberrechte kennen zwar ebenfalls Ausnahmen für die Anwendung für Forschungszwecke, aber hierzulande gibt es keine Fair Use-Regelungen. Die neuen Kreativbüchsen der Pandora operieren also offensichtlich in einem gesetzlichen Graubereich und es zeichnen sich jetzt bereits eine Menge rechtlicher Auseinandersetzungen zwischen den Haltern der Rechte geistigen Eigentums und den Herstellern von Maschinen ab, die auf den Arbeiten von Millionen von Künstlern trainiert wurden. Hilfreich ist ebenfalls ein Blick auf die rechtliche Situation von Fan-Art im Netz, die von den Rechteinhabern oftmals lediglich toleriert wird, deren Veröffentlichung im Netz aber nicht legal ist. Der rechtliche Status einer Maschine, die Bilder von Batman produzieren kann, und auf jeder Menge Bilder von Bob Kane trainiert wurde, ist offensichtlich.

Deshalb ist die Veröffentlichung des Open Source-Modells Stable Diffusion das Äquivalent zur Öffnung von Pandoras Büchse für den Kreativmarkt: Die Singularität der AI-Kunst.

Mich erinnert diese Situation sehr an Napster im Jahr 2000. Der zentralisierte Filesharing-Dienst wurde 1999 vorgestellt und musste bereits zwei Jahre später seinen Dienst einstellen. Aber bis heute erfreut sich Filesharing als Prinzip größter Beliebtheit. (Transparenz: Ich arbeitete 3 Jahre lang als Art Director für den legalisierten Musikservice Napster Europe.)

Auch synthetische Medien, die mithilfe von Kreativmaschinen, open source oder nicht, kommerziell oder frei zugänglich, werden nicht wieder verschwinden und es ist ein kurioses Faszinosum, dass Systeme künstlicher Intelligenz zuerst in Bereichen Fuß fassen, die vor zehn Jahren noch als sicher vor Automation galten: Kunst, Kreativität und spielerisches Entdecken.

Dall-E und Stable Diffusion und Midjourney werfen heute bereits Fragen auf, die genau in das Herz menschlichen Daseins zielen: Was genau ist Kreativität und Kunst? Wie genau funktionieren Bewusstsein und freie Entscheidungen? Was ist das Wesen von Innovation und welche Bedeutung haben die von uns entwickelten Schutzrechte in einer Welt, in der Maschinen kreative Aufgaben übernehmen können? Und ist das alles überhaupt legal?

Die rechtlichen Fallstricke von AI-Bildgeneratoren

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Kommentare 1
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 3 Monaten

    Um nur auf einen Aspekt einzugehen: ist es mir als Empfänger / Leser / Zuschauer nicht egal, wer das kreative Werk produzierte?

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