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Medien und Gesellschaft

Europameisterschaft: Warum viele in Deutschland nicht jubeln

Mohamed Amjahid
Buchautor und Journalist

Reporter, Kurator, Autor für deutsche und internationale Medien. Studium der Politikwissenschaft/Anthropologie. Themen: Weiße Mehrheitsgesellschaft, MENA, Autokratien, Kapitalismuskritik, Feminismus und kritische Theorie.

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Mohamed AmjahidSonntag, 20.06.2021

Fußball-Turniere sind zugleich irrelevante und hoch emotionale Angelegenheiten. Der Fußball ist überall, kostet viel viel Geld, wird politisiert, man kann ihm nicht entgehen. Deswegen fand ich diesen Text von Canberk Köktürk spannend. Er handelt von jungen Menschen, die die alltäglichen Mikroagressionen (im Fußball) auf Turniere wie die aktuelle Europameisterschaft übertragen. 

Ich dokumentiere auf meinem Twitter-Profil seit Jahren rassistische Vorfälle in ganz Deutschland, beim Thema Rassismus und Fußball habe ich allerdings kapituliert. So häufig werden Schwarze Menschen und People of Color bei diesem Sport von Spielern, Fans oder Kommentator*innen diskriminiert, erniedrigt, entmenschlicht. Bei den Betroffenen löst dies wiederum etwas aus: 

In all den Jahren gab es viele sol­cher Situa­tionen, in denen ich deut­lich wahr­ge­nommen habe, dass viele deut­sche Fans den Her­kunfts­län­dern der deut­schen Migra­ti­ons­ge­sell­schaft sport­lich alles Schlechte wün­schen. Diese Aus­gren­zung, die Mikro­ag­gres­sionen und die damit ver­bun­denen ras­sis­ti­schen Äuße­rungen haben dazu geführt, dass ich eben­diesen Ländern die Daumen drücke. Eine Soli­da­ri­sie­rung mit allen Mit­glie­dern der Migra­ti­ons­ge­sell­schaft. 

Ich habe den Vorteil, dass mir dieser Sport nichts bedeutet. Für viele junge, nichtweiße Menschen (vor allem Männer) in diesem Land stellt Rassismus im Kontext des Fußballs aber eine große Belastung dar. Ausgerechnet bei einer Disziplin, bei der Herkunft keine Rolle spielen sollte (zumindest behaupten dies viele der korrupten Fußballfunktionäre) wird doch und manchmal sogar verstärkt nach Name oder Hautfarbe aussortiert. Wie die ganze (teils vertrackte) Diskussion rund um Mesut Özil zeigt: Machst du ein Tor, bist du ein Held, verliert "unsere" Mannschaft, bist du daran schuld.  

Ich habe mich neulich (beim Nachrichtenlesen) ertappt, wie ich den Gedanken hatte: Wem gönne ich mehr eine Niederlage? Deutschland oder Frankreich? Für beide Szenarien hätte ich gute Gründe. Ich habe dann entschieden, dass es mir egal ist (weil eben irrelevant). Aber der Gedanke an sich rührt natürlich aus einem Alltag, der voll mit diesem unangenehmen Party-Patriotismus ist. Ich saß neulich auf dem Fahrrad und neben mir an der Ampel hielt ein Car-Sharing-Cabriolet mit fünf grölenden, sichtlich angetrunkenen, Fahnen schwingenden Männern, die "DEUTSCHLAAAAND DEUTSCHLAAAAAND" riefen und mich beim Beschleunigen lediglich um wenige Zentimeter verfehlten: Eure Meisterschaft ist unser Albtraum. Im Kontext der besagten Turniere schminkt sich Deutschland ab, das ist vielen Menschen zumindest unangenehm.

Europameisterschaft: Warum viele in Deutschland nicht jubeln

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Kommentare 11
  1. Stefan Dierkes
    Stefan Dierkes · vor einem Monat

    Ich finde die Argumentation nicht ganz schlüssig. Weil wir den Party-Patriotismus und den darunter versteckten Nationalismus (zurecht) ablehnen, solidarisieren wir uns mit Nationen, die von ultra-nationalistischen Regierungen geführt werden (Türkei, Ungarn, Polen) oder mit Mannschaften, deren Nähe zu faschistischen Kreisen wiederholt bewiesen worden ist (Kroatien).

    Wenn eine "Soli­da­ri­sie­rung mit allen Mit­glie­dern der Migra­ti­ons­ge­sell­schaft" das Ziel ist, könnte es dann nicht ein Weg sein, konsequent das deutsche Team zu unterstützen, da so viele Spieler Migrationsgeschichten haben? Zudem unterstellt der Artikel, dass Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, automatisch die Länder unterstützen aus denen sie gekommen sind, was ebenfalls eine falsche Prämisse ist.

    Zu denken, Fußball auf nationaler Ebene käme ohne Nationalismen aus, ist dazu reichlich naiv gedacht. Was da alles in die Nationalmannschaften hineinprojiziert wird ist allerdings schon abscheulich.

  2. Jan Paersch
    Jan Paersch · vor einem Monat

    Ich möchte die Erfahrungen des Autors bestimmt nicht in Frage stellen, aber: „Ich esse nie wieder Pizza!“ oder Schlimmeres habe ich im Jahr 2006 zumindest in Hamburg in keiner Kneipe, Bar oder an meinen sonstigen zahlreichen Ausgeh-Orten gehört. (und ich hoffe und glaube doch, dass der rassistische Vorfall aus dem Jahr 2005 eben das ist: ein 16 Jahre alter Vorfall, der heute genau so nicht mehr durchgehen würde). Ja, es gibt Rassisten unter Fußball-Fans. Aber die gibt's auch unter Nudisten und Online Gamern.

    1. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor einem Monat

      sicher richtig. Aber nudisten und gamer haben keine Millionen Euro Bühne im TV etc.

    2. Stella Weißmann
      Stella Weißmann · vor einem Monat · bearbeitet vor einem Monat

      Ich empfehle Dir das Buch "Der weiße Fleck" von Mohamed Amjahid oder vielleicht "Exit Racisem" von Tupoka Ogette... es gibt noch einige andere gut Bücher zu dem Thema und das 2. sogar als Hörbuch und wenn dir das lesen zu anstrengend ist, weil du mit Fußballgucken beschäftigt bist dann wäre ein Hautfarbenwechsel vielleicht was für Dich. Ja ok das geht nicht aber es drückt genau das aus was ich meine Perspektivenwechsel!!!!!!!!!!!!

    3. Hristio Boytchev
      Hristio Boytchev · vor einem Monat

      "Ich möchte die Erfahrungen des Autors bestimmt nicht in Frage stellen, aber" – aber irgendwie schon doch oder?

    4. Jan Paersch
      Jan Paersch · vor einem Monat

      @Hristio Boytchev Nein, wieso? Ich zweifle das kein bisschen an. Ich glaube nur nicht, dass Rassismus vor allem ein Problem des Fußballs ist.

    5. Jan Paersch
      Jan Paersch · vor einem Monat · bearbeitet vor einem Monat

      @Hristio Boytchev natürlich habe ich nicht die Erfahrungen einer POC. Aber rassistische Sprüche etc fallen doch auch in einem Umfeld, in dem sich gar keine POCs aufhalten! Will sagen: hätte ich es nicht mitkriegen müssen, wenn die anti-italien-haltung 2006 so ausgeprägt gewesen wäre? Oder ist da ein Denkfehler?

    6. Julia Schwam
      Julia Schwam · vor einem Monat

      @Jan Paersch Ja da liegt ein massiver Denkfehler vor. Du kriegst weder mit, was für Fremdenfeindlichkeit in einer Situation stattfände, wenn statt deiner eine nicht als weiß/ deutsch gelesene Person da wäre, noch wirst du im gleichen Maße sensibilisiert dafür sein, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit überhaupt zu bemerken.

    7. Jan Paersch
      Jan Paersch · vor einem Monat

      @Julia Schwam Klar, das bezweifele ich ja nicht. Was mir aber keiner beantworten kann: ob es wirklich im Rahmen von Fußballspielen verstärkten Rassismus gibt. Kök­türk schreibt, dass die „Wir sind gegen Ita­lien!“-Einstellung eine Mikroaggression sei. Das mag so sein, Fußball ist nicht unaggressiv. Aber rassistisch ist so ein Satz noch lange nicht. Man kann durchaus gegen ein Team halten; ich fand den ultradefensiven italienischen Fußball auch furchtbar und habe ihnen Niederlagen gewünscht - und liebe meine italienischen Freunde und die Kultur dennoch über alles. Man darf nicht Fußball-Vorlieben mit Ländervorlieben verwechseln.

  3. Jan Paersch
    Jan Paersch · vor einem Monat

    Ach, der Fußball. Auch ich hasse die dumpf-nationalistische Seite, bei der die anderen zu - im harmlosesten Falle - "Schauspielern" und "Tretern" werden. Schlimmer ist die Korruption der Verbände, und die Ausbeutung in WM-Ländern wie Katar, die tausende zumindest fahrlässig hat sterben lassen. https://www.piqd.de/re...
    Aber - es bleibt ein Spiel - das einfach zu verstehen ist, sehr langweilig sein kann - aber auch sehr aufregend. Und wer so schaut, wie es auf und direkt neben dem Platz zugeht, muss doch erkennen, dass da für patriotistisches Gehabe wenig Platz ist. Ganze Mannschaften knien, um gegen Rassismus zu protestieren und applaudieren einem herzkranken Spieler. Das sind junge Männer, die einen Job machen - und denen Nationalitäten sowas von wurscht sind.
    Schöne Tore schießen sie obendrein:
    https://www.zdf.de/spo...

    1. Der Barde Ralph
      Der Barde Ralph · vor einem Monat

      Eine Sichtweise, die ich gerne teile

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