Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kuratoren aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen
und kommentieren die besten Inhalte im Netz.

Du befindest dich im Kanal:

Liebe, Sex und Wir

Katrin Rönicke
Autorin und Podcasterin
Zum piqer-Profil
piqer: Katrin Rönicke
Mittwoch, 20.04.2016

Oxytocin – kuscheln nach innen, beißen nach außen?

Oxytocin – ein hochinteressanter Stoff! Er erlangte Bekanntheit durch seine verbindende Rolle in unseren Beziehungen: Zwischen Eltern und Kind, zwischen Partnern und zwischen Freunden wird der als "Kuschelhormon" verniedlichte, körpereigene Stoff für all das verantwortlich gezeichnet, was wir mögen: Zuneigung, wohlige Nähe und vor allem Vertrauen.

In ihrem Longread geht die ZEIT-Autorin Stefanie Kara auf eine spannende Reise: Vom Universitätsklinikum Heidelberg aus verfolgt sie die verschiedenen Einsatzbereiche von C43H66N12O12S2, wie das Oxytocin chemisch heißt. Der Psychologe Markus Heinrichs zum Beispiel überprüft ob Probanden damit Häuser oder Gesichter interessanter finden. Heinrichs war es auch, der 2005 herausfand, dass Testpersonen, die mit Oxytocin behandelt worden waren, anderen mehr Geld anvertrauten als üblich – ein irres Ergebnis! 

Vertrauen hält Staaten zusammen, lässt Gesellschaften funktionieren.

In einem schönen kleinen Exkurs zur Rolle des Vertrauens in der Gesellschaft, inklusive einer kurzen Luhmann-Abhandlung, deutet Stefanie Kara die mögliche Sprengkraft eines solchen Stoffes an: politisch, wirtschaftlich und im Kleinen – in unseren Beziehungen.

Manchmal wünscht sich die Psychologin Beate Ditzen, dass sie dem Vertrauen mit ein bisschen Nasenspray auf die Sprünge helfen könnte.

– eine verlockende Vorstellung für viele Paare, denen Vertrauen und Nähe schwer fallen – ein häufiger Grund, bei Paartherapeuten aufzuschlagen. Doch was implizieren solche neuen Möglichkeiten? In den USA wird der Stoff bereits als "Liquid Trust" bei Kuschelparties eingesetzt – warum nicht auch im Beziehungsalltag darauf zurückgreifen, wenn es einmal nicht so gut läuft?

Schon länger bekannt sind die Schattenseiten des Oxytocins: Menschen, die damit behandelt wurden, zeigen nicht nur mehr Zuneigung in ihrer eigenen Gruppe, es entsteht gleichzeitig mehr Aggression nach außen und gegen Konkurrenzgruppen. Meine Prognose: Wir werden in Zukunft noch viel von diesem Zeug hören.

Oxytocin – kuscheln nach innen, beißen nach außen?
8,6
5 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied!