Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kuratoren aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen
und kommentieren die besten Inhalte im Netz.

Du befindest dich im Kanal:

Liebe, Sex und Wir

Nils Pickert
Freier Journalist. Autor. Aktivist. Internetmeme. Feminismus und so. Turngerät von vier Kindern.
Zum piqer-Profil
piqer: Nils Pickert
Samstag, 19.11.2016

Die Vermessung des Begehrens

Begehren - Erregung mit Plateauphase - Höhepunkt - Abklang. Dieses vierstufige Modell, das die sexualwissenschaftlichen Pionier*innen William Masters und Virginia Johnson in den 60igern entwickelten und das von Helen Singer Kaplan in den 70igern um die Phase des Begehrens ergänzt wurde, galt lange Zeit als gesetzt. Die Ergebnisse ihrer Forschung waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung  revolutionär, werden aber auch immer wieder kritisiert. Insbesondere bei den Punkten Begehren und Erregung herrscht Uneinigkeit. Auf der Basis dieses Modells wurde seit den späten 70igern zunächst in den USA das vorgeblich mangelnde Begehren von Frauen pathologisiert. Diagnose: Lustlosigkeit. Und die sollte dann durch diverse Maßnahmen behoben werden. In letzter Konsequenz hat das zur Entwicklung des Mittels Filibanserin geführt, das auch als "Viagra für die Frau" bezeichnet wird -

und damit wurde genau der Denkfehler gemacht, den Emily Nagoski für die New York Times umreißt. Männer, die Viagra nehmen, haben kein Problem mit ihrem Begehren. Filibanserin zielt aber auf Frauen ab, die unter einem "Mangel an sexuellem Verlangen leiden". Nagoski erläutert diesbezüglich unter Zuhilfenahme eines Modells der kanadische Sexualforscherin Rosemary Basson die Möglichkeit einer sehr viel komplexeren Begehrensstruktur. Laut Basson gibt es Menschen, die primär spontanes Begehren empfinde, und andere, die responsives Begehren empfinden. Mit dem Hinweis darauf, dass es keinen Grund zur Annahme besteht, diese Muster seien angeboren, stellt sie darüber hinaus klar, dass männlich sozialisierte Menschen eher zu spontanem und weiblich sozialisierte Menschen eher zu responsivem Begehren neigen. Das klingt zunächst unspektakulär, ist aber ein Paukenschlag.

Er will immer nur das eine versus Sie hat nie Lust auf Sex wird damit nicht zu einem pathologischen sondern zu einem Kommunikationsproblem. Kann man drüber reden. Lässt sich mit umgehen. Wenn das keine gute Nachricht ist.

Die Vermessung des Begehrens
5
0 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied!