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Klima und Wandel

Alexandra Endres
Journalistin und Volkswirtin
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piqer: Alexandra Endres
Sonntag, 17.02.2019

Wie unser Klimaschutz anderswo zu Gewalt und Elend führt

Rohstoffreichtum bringt den Ländern, in denen sich die Bodenschätze befinden, oft keine Entwicklung. Ganz im Gegenteil: In politisch instabilen Staaten, in denen Korruption alltäglich ist, wo Regeln und Kontrollen fehlen, verursacht der Bergbau oft noch zusätzliche Konflikte und Gewalt. Nur wenige werden an den Rohstoffen reich. Viele andere rutschen noch tiefer ins Elend.

Neu ist das nicht, aber das Problem könnte sich noch vergrößern – und zwar ausgerechnet durch den Übergang zu sauberer Energie. Denn um die ganzen Windturbinen, Solarpanels und Batterien herzustellen, braucht man Rohstoffe. Der Bedarf wird steigen.

In a recent report, the World Bank estimated that demand for the minerals required for solar panels—including copper, iron, lead, molybdenum, nickel and zinc—could increase by 300 per cent through 2050 should the international community stay on track to meet its 2°C goal. Similarly, demand for minerals like cobalt, lithium and rare earths is expected to grow at unprecedented rates...

Es gibt bereits Hinweise, dass der Rohstoffabbau für Öko-Energie die Gewalt in den Bergbauländern vergrößern könnte. Beispiele gefällig? Um die 60 Prozent des weltweiten Kobalts kommen aus dem Kongo. Sein Abbau geht dort mit Menschenrechtsverletzungen und schweren Umweltschäden einher. In Guatemala hat der Abbau von Nickel Berichten zufolge  zu Mord, sexueller Gewalt und Vertreibungen geführt.  

In anderen Bergbauländern könnte Ähnliches passieren. Das International Institute for Sustainable Development hat jetzt einen Report vorgelegt, um abzuschätzen, wie groß die Gefahr ist – und in welchen Regionen besonders groß.

Es ist ein zentrales Thema für alle, die eine gerechtere, umweltfreundliche Welt wollen. Die Lösungsvorschläge des Reports – u. a. Transparenz, Kontrolle entlang der Lieferketten, Beteiligung der Anwohner – bleiben ein wenig abstrakt. Aber alleine die Bestandsaufnahme ist ein Verdienst.

Wie unser Klimaschutz anderswo zu Gewalt und Elend führt
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Kommentare 18
  1. Daniela Becker
    Daniela Becker · Erstellt vor 10 Monaten ·

    Finde das Framing ein bisschen schwierig. Es geht ja nicht nur um Rohstoffe für Öko-Energien, sondern insgesamt um den ausbeuterischen und rücksichtslosen Abbau von Rohstoffen, sei es jetzt Sand, Wasser, Öl, Kohle, Wald, Metalle, seltene Erden etc. Das hat nicht mit Öko-Energien angefangen und leider damit auch nicht aufgehört.
    Und es geht auch nicht nur für Solarmodule für „uns“. Photovoltaik ist allen Teilen der Welt eine hoffnungsbringende Technologie, insbesondere dort, wo Menschen noch überhaupt keinen Zugang zu Strom haben.

    1. Alexandra Endres
      Alexandra Endres · Erstellt vor 10 Monaten ·

      Stimmt alles. Meiner Ansicht nach darf man aber die Augen nicht davor verschließen, dass auch Öko-Energien Rohstoffe brauchen, dass der Bedarf steigt, und dass diese Rohstoffe eben genau im gleichen ausbeuterischen, korrupten, Bad-Governance-Kontext gefördert werden. Meine Erfahrung ist, dass sowas gerne verdrängt wird. Deshalb scheint es mir wichtig, darauf hinzuweisen. "Unser" Klimaschutz in der Überschrift ist vielleicht etwas zu pointiert - aber die größte Nachfrage kommt doch aus Industrieländern, China einmal eingeschlossen, oder vertue ich mich da?

    2. Daniela Becker
      Daniela Becker · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Alexandra Endres Meine Erfahrung ist eher, dass bspw. beim Thema E-Mobilität (durchaus zurecht) unentwegt über seltene Erden gesprochen und im Gegenzug ausgelendet wird, dass traditionelle Benziner und Diesel ebenfalls extrem viel Rohstoffe (Öl, Stahl, Blei) verbrauchen. Mein Punkt ist aber, dass genau dieser Mechanismus sehr oft genutzt wird, um Technologien zur regenerativen Energiegewinnung zu diskreditieren. Müssen für Wind-, Solar-, Wasserkraft und Bioenergie gleiche Standards gelten wie für andere Technologien: Ja! Brauchen Sie Ressourcen: Ja. Stellen Sie Einschnitte in die Umwelt da: Ja. Gibt es eine Alternative, um die Energieerzeugung defossil zu gestalten: Nein. (Stünde in der Überschrift Handys statt Klimaschutz, hätte vielleicht nicht ich kommentiert, sondern jemand aus dem IT-Bereich. Dort gilt aber der gleiche Mechanismus: einige Ländern stehlen die Ressourcen anderer Länder.)

    3. Alexandra Endres
      Alexandra Endres · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Daniela Becker Falls dem so ist: Die mag überspitzt sein. Ich finde sie dennoch gerechtfertigt, denn mir ging es hier darum, auf "unsere" (noch so ein pauschalisierendes Wort) Verantwortung für das, was da passiert, hinzuweisen, gerade auch durch die Energiewende.

      Im übrigen trägt der verlinkte Report einfach nur die bestehenden Daten und Informationen zum Thema zusammen und schätzt das Risiko ab - weitgehend wertungsfrei, soweit das möglich ist. Das finde ich durchaus bemerkenswert, und darauf wollte ich hinweisen.

    4. Alexandra Endres
      Alexandra Endres · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Daniela Becker Ich glaube, wir sind uns in allem einig - außer in meiner Wortwahl für die Überschrift?

    5. Daniela Becker
      Daniela Becker · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Alexandra Endres Sieht so aus :)

    6. Alexandra Endres
      Alexandra Endres · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Daniela Becker Alternativvorschlag? Im verlinkten Report geht es ja genau darum, die Folgen der Energiewende abzuschätzen.

    7. Daniela Becker
      Daniela Becker · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Alexandra Endres Nur noch mal zu Abschluß warum ich da so empfindlich reagieren. Die Wiwo hat hier gerade wieder ein Prachexemplar veröffentlicht, was zeigt welchen Spin das oft gibt. Das Bundesamt für Naturschutzt mahnt mehr Beachtung ökologischer Gesichtspunkte an, die Wiwo dreht es so hin als seien Windräder der Untergang. (Natürlich steht dann nirgends, wie es ohne Windkraft gehen soll.) https://www.wiwo.de/po...

    8. Alexandra Endres
      Alexandra Endres · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Daniela Becker Verstehe ich. Ich finde aber, dass mein Text nirgendwo sagt, Windräder seien der Untergang, im Gegenteil. Ich verstehe auch, dass die Überschrift provoziert. Möchte aber gern an dieser Stelle den Lesern zumuten, selbst darüber nachzudenken, und würde das deshalb an dieser Stelle gerne so stehen lassen. Danke aber jedenfalls sehr für die Debatte!

    9. Christoph Z
      Christoph Z · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Alexandra Endres Vielleicht so "Wie unser Energiewende anderswo zu Gewalt und Elend führt"

      Andererseits finde ich die Überschrift auch so schon in Ordnung. Es ist wichtig die Dinge zu berichten, gerade wenn sie einen Zielkonflikt auslösen. Inwiefern es der "anderen Seite" nützt, ist egal. Die finden oder erfinden die zugehörigen Argumente sowieso. "Unsere Seite" wird aber attraktiver, wenn sie sich nicht hermetisch gegen ungemütliche Infos abschirmt.

    10. Alexandra Endres
      Alexandra Endres · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Christoph Z Danke :-). Diese Überschrift würde dann vermutlich die Energiewende diskreditieren...

      Ich persönlich bin auch eher dafür, Zielkonflikte offensiv zu benennen, um dann angemessen mit ihnen umgehen zu können. Dass Argumente instrumentalisiert werden, daran müssen wir uns wohl leider gewöhnen. Ich denke, dagegen hilft nur Offenheit in der Debatte.

      Aber die Reaktionen (auch auf Twitter nebenan) zeigen mir auch, dass viele Leute sich an der Überschrift reiben, oder sich eine stärkere Einordnung des Themas wünschen. Wobei ich ja immer finde, dass man den LeserInnen ruhig auch selbst überlassen sollte, welche Schlüsse sie ziehen.

    11. Daniela Becker
      Daniela Becker · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Christoph Z Ich will mich hier auf gar keine Seite schlagen. Ich finde, das Problem ist falsch benannt. Das Problem ist nicht Klimaschutz oder Energiewende, sondern unkontrollierter und unsozialer Ressourcenabbau von dem die Menschen vor Ort nichts/wenig haben. Das wird auch aus den Empfehlungen der Studie noch mal deutlich. All die Empfehlungen kann man 1:1 auf Kohle-, Uran- Sandabbau oder Edelsteine übertragen.

      Hier mein Vorschlag. "Studie: Eine wirklich saubere Energiewende braucht verantwortungsvolle Lieferketten." (Ich weiß, ist nicht catchy. Deswegen werden meine Überschriften auch immer zu 100% gestrichen ;)

    12. Christoph Z
      Christoph Z · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Daniela Becker Ich habe den Artikel so verstanden, dass durch den größeren Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix der Bedarf an seltenen Erden steigt.

      Das nenne ich einen Zielkonflikt.

      Oder habe ich das falsch verstanden?

    13. Alexandra Endres
      Alexandra Endres · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Christoph Z So steht das zumindest im Report, auf den mein piq verlinkt. Es geht nicht nur um seltene Erden, sondern auch um z.B. Kobalt und Lithium.

    14. Daniela Becker
      Daniela Becker · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Christoph Z Und erneut: warum auf Erneuerbare beschränken? Seltenen Metalle werden auch für LCD/LED-Bildschirme, Smartphones, Notebooks benötigt.

    15. Christoph Z
      Christoph Z · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Daniela Becker Na, weils ne andere Quelle von Ressourcenverbrauch ist. Das kann man doch separat darstellen.

      Stellen Sie es sich doch mal anderes herum vor. Ein Bericht über seltene Erde in Handys. Dann stehen Sie doch auch nicht auf und sagen:

      "Warum auf Handys beschränken? Seltenen Metalle werden auch für erneuerbare Energien benötigt."

    16. Alexandra Endres
      Alexandra Endres · Erstellt vor 10 Monaten ·

      @Daniela Becker Verzeihung, hier sind offenbar meine Antworten in der Reihenfolge verrutscht. Bitte andersherum lesen ;)

  2. Dominique Lenné
    Dominique Lenné · Erstellt vor 10 Monaten ·

    Es gibt nicht "unseren" Klimaschutz. Er wird gerade auch den Ländern des Südens nutzen.
    Die Frage, die sich aufdrängt, ist: was tun?
    Die erste Antwort ist: Klimaschutz durch Verzicht in den entwickelten Ländern, weniger Ressourcenverbrauch durch weniger Konsum an allem. Wie die Lage aussieht müssen wir das so oder so tun. Das Konsumtionsniveau wird sich auch mit den äußersten Investitionen in regenerative Energien nicht ganz halten lassen.
    Die zweite Antwort ist die schon genannte Übernahme der Verantwortung in der Lieferkette. Das ist gar nicht abstrakt. So etwas wird anderen Bereichen (Textil, faire Nahrungsmittel..) bereits mit Erfolg umgesetzt. In failed states wie der Republik Kongo ist das natürlich nicht so einfach.

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