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Klima und Wandel

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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piqer: Nick Reimer
Mittwoch, 14.06.2017

Warum die Atomkraft nicht "weltweit auf dem Vormarsch" ist

Im Mai haben die in Deutschland installierten Photovoltaikanlagen rund 5,57 Terawattstunden Strom produziert. Dies entspricht einem Anteil von 12,3 Prozent an der Nettostromerzeugung. Damit lagen sie mit den Atomkraftwerken (5,65 Terawattstunden, 12,5 Prozent) nahezu gleichauf.

Interessant ist vor diesem Hintergrund eine Meldung des Deutschlandfunks: „Die Atomkraft ist weltweit auf dem Vormarsch". Echt jetzt?

Wer Zweifel an solchen Meldungen hegt, der kann sich an den Klima-Lügendetektor wenden: Ein Team von erfahrenen Energie- und Umweltjournalisten (auch ich beteilige mich von Zeit zu Zeit) überprüft jene Aussagen, die dem mündigen Zeitgenossen komisch vorkommen. Fake-News jetzt auch beim Deutschlandfunk?

In diesem Fall eindeutig ja: Der Deutschlandfunk vermeldete in seinen Hauptnachrichten, was der Chef der Internationalen Atom-Energie-Organisation in einer Rede behauptete, ohne das gegen zu recherchieren. Tatsächlich nämlich geht es der Atomwirtschaft schlecht: Westinghouse, einer der weltgrößten Hersteller von Atomreaktoren, musste Ende März Insolvenz anmelden. Um wenigstens das derzeitige Niveau der Atomenergie in der EU zu halten, müssten die Mitgliedsstaaten in den nächsten Jahren zwischen 660 und 770 Milliarden Euro in die Atomkraftwerke investieren. Beim 1.600-Megawatt-Neubau im finnischen Olkiluoto – ursprüngliche Planung: drei Milliarden Euro teuer, Inbetriebnahme 2009 – haben sich die Kosten inzwischen verdoppelt, aber der Reaktor wird und wird einfach nicht fertig.

Der Lügendetektor zitiert den World Nuclear Energy Status Report, der als „operating reactors" nur jene zählt, die tatsächlich laufen. Auch dort ist von 20 neu angefahrenen Reaktoren 2015 und 2016 die Rede (darunter das US-AKW Watts Bar 2, das mit 43 Jahren die längste je verzeichnete Bauzeit aufweist). Wegen diverser Stilllegungen ist die Zahl der weltweit laufenden Reaktoren aber weit unter dem historischen Maximum im Jahr 2002. So gesehen ist die Atomkraft also weltweit auf dem Rückzug.

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