Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kuratoren aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen
und kommentieren die besten Inhalte im Netz.

Du befindest dich im Kanal:

Klima und Wandel

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
Zum piqer-Profil
piqer: Nick Reimer
Samstag, 29.10.2016

Rogun: Startschuss zu einem neuen (regionalen) Klimaproblem

Startschuss für den höchsten Wasserdamm der Welt: Tadschikistans autoritärer Präsident Emomali Rachmon (im Foto) hat heute persönlich den Bulldozer gesteuert. Mit 335 Metern soll die Staumauer des umstrittenen Wasserkraftwerks Rogun die höchste Talsperre der Welt werden. Das bereits zu Sowjetzeiten geplante Projekt wird den Fluss Wachsch stauen, der in seinem Unterlauf in Usbegistan in den Amurdaria mündet - und Lebensgrundlage für 30 Millionen Menschen mit ihren Baumwoll- und Reisfeldern ist.

Tadschikistan ist eines der ärmsten Länder der Welt, Stromabschaltungen sind in der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik vor allem im Winter Normalität. Weil es aber nur wenige Länder auf der Erde gibt, die von einem Ozean weiter entfernt liegen, sind die klimatischen Bedingungen hier besonders krass: lange Winter dieses extrem kontinentalen Klimas lassen die Temperaturen auf bis zu minus 45 Grad sinken. Zu Sowjetzeiten wurde Tadschikistan mit Erdgas aus den Nachbar-Republiken Turkmenistan und Usbegistan beheizt. Seitdem aber auch hier "Weltmarkt" gilt, kann sich das Tadschikistan nicht mehr leisten. Statt dessen wird mit Strom aus Wasserkraft (fast 100 Prozent) geheizt. Falls er denn verfügbar ist

Präsident Rachmon bezeichnete den heutigen Baubeginn deshalb auch als "Erfolg des Jahres". Ein Meilenstein gegen das Frieren. Vor allem in Usbekistan klingeln dagegen die Alarmglocken: Es dauert mindestens fünf Jahre, bis sich das Staubecken gefüllt haben wird. Schon heute leiden die Usbeken unter Wassermangel, der Amudaria - einst größter Strom Zentralasiens - versiegt heute lange, bevor er den zusammengebrochenen Aralsee erreicht. Über dem Aralsee entstand noch vor 40 Jahren aber ein Viertel jenes Niederschlages, der in den zentralasiatischen Bergen die Flüsse füllte.

So treibt eine Fehlentwicklung die nächste an: Die Erderwärmung ist hier in Zentralasien besonders extrem. Vielerorts sind die Gletscher bereits heute zusammengebrochen, der Kampf um Wasser spitzt sich zu.

Rogun: Startschuss zu einem neuen (regionalen) Klimaproblem
8
3 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied!