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Klima und Wandel

Klimaerhitzung: Stirbt nur jeder zehnte Mensch – oder wir alle?

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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Nick ReimerDienstag, 02.08.2022

Kann der von Menschen verursachte Klimawandel zu einem weltweiten Zusammenbruch der Gesellschaften oder sogar zum Aussterben der Menschheit führen? Diese Frage ist zu wenig erforscht, urteilen renommierte Forscher unter anderem des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Die aktuellen IPCC-Berichte gehen davon aus, dass bei einer Verdoppelung des atmosphärischen Kohlendioxidgehalts gegenüber dem vorindustriellen Niveau die Wahrscheinlichkeit eines Temperaturanstiegs von mehr als 4,5 Grad bei etwa 18 Prozent liegt. Die Hälfte dieses Werts sei grob bereits heute erreicht. Dennoch würden die Folgen extremer Temperaturerhöhungen um mehr als drei Grad zu wenig beachtet, schreibt die Gruppe. Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und einer der Autoren der Studie:

"Unumkehrbare und potenziell katastrophale Risiken, die durch den vom Menschen verursachten Klimawandel verursacht werden, müssen in unsere Planung und unser Handeln einfließen. Wenn es einen roten Faden in der Wissenschaft der letzten 30 Jahre gibt, dann ist es dieser: Je mehr wir darüber lernen, wie unser Planet funktioniert, desto mehr Grund zur Sorge gibt es."

Die Kipp-Punkte würden immer näher rücken, nicht nur, weil die Menschheit immer mehr klimaschädliche Treibhausgase ausstößt, sondern auch, weil wir zunehmend verstehen, dass unser Planet anfälliger ist. Das Absterben des Amazonas und das beschleunigte Abschmelzen des Grönlandeises seien Beispiele für Systeme, die schnell von kühlenden Kohlenstoffsenken zu Quellen weiterer Erwärmung werden können. Rockström:

"Das bedeutet, dass wir uns nicht damit begnügen können, nur Mittelwerte zu betrachten, sondern, dass wir nichtlineare extreme Risiken einkalkulieren müssen. Die Mathematik der Katastrophe durchzurechnen könnte der Schlüssel dazu sein, sie zu vermeiden."

Die Spanne dessen, was von den Autorinnen und Autoren als wirklich katastrophale Szenarien angenommen wird, reicht vom Tod jedes zehnten Menschen auf dem Planeten bis hin zum Aussterben der Menschheit. Ihre Kritik: Statt sich eingehend mit den schlimmsten Szenarien zu befassen, haben die Berichte des Klimarates IPCC in den vergangenen Jahren ihren Schwerpunkt immer stärker in Richtung eines Temperaturanstiegs von zwei Grad Celsius und darunter verschoben. Wie viele Menschen künftig von Extremen betroffen sein könnten, modellieren die Experten an einem Beispiel. Gegenwärtig seien rund 30 Millionen Menschen in der Sahara und an der Golfküste Extremtemperaturen mit einem jährlichen Durchschnitt von 29 Grad Celsius ausgesetzt. Berechnungen des Teams zufolge könnten es in den kommenden Jahrzehnten zwei Milliarden sein.

Die Autorinnen und Autoren plädieren dafür, sich stärker als bislang auf die Erforschung von Kipppunkten zu konzentrieren, der IPCC solle einen "Endspiel"-Sonderbericht vorlegen.

Klimaerhitzung: Stirbt nur jeder zehnte Mensch – oder wir alle?

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Kommentare 6
  1. Jan Runge
    Jan Runge · vor 7 Tagen

    Wenn jedes Land so viel Ressourcen verbrauchen würde wie Deutschland, bräuchte es 3 Planeten, habe ich mal gelesen. MMn ist das Hauptproblem, dass kaum Bereitschaft vorhanden ist, weniger zu konsumieren. Deswegen steuern wir mit Vollgas auf die Katastrophe zu. Es bräuchte vor allem dringend politische Vorgaben wie z. B. in Spanien um den Energieverbrauch zu senken. Appelle von seiten der Politik den Verbrauch zu senken reichen nicht aus. Leider gibt es keine einzige Partei im Bundestag, die ernsthaft daran interessiert ist etwas zu ändern. Der politische Wille reicht ja noch nicht mal aus um ein Tempolimit einzuführen, und das wäre eine Maßnahme, die noch nicht mal etwas kosten würde. Stattdessen werden Kohle- u. Atomkraftwerke reaktiviert um den Lebensstandard aufrechtzuerhalten.

  2. Till Till
    Till Till · vor 12 Tagen · bearbeitet vor 12 Tagen

    Wenn ich diese Kommentare lese (n muss) - dann denke ich jedes Mal - viel BlaBla, um das Offensichtliche nicht zu realisieren bzw. zu verdrängen, mit Geplänkel ("Lust zur Apokalypse"), Nebenkriegsschauplätzen ("mein Lebensgenuss", "Kommunikationsoptimierung") und Relativierungen ("Narrativ") - ihr wollt es einfach nicht begreifen, weil es dann unangenehm wird!

  3. Sebastian Wolf
    Sebastian Wolf · vor 16 Tagen

    Woher kommt unsere Lust zur Apokalypse? Sogar unser 6-jähriger Sohn spricht von ihr. Wem nutzt(e) dieses Narrativ bisher? Warum lesen wir nicht einfach alle den Bericht von Donella Meadows an die Balaton Gruppe und finden Schwellenwerte, die Menschen auch verstehen/nachvollziehen/erfahren/ … können - auch dieser Artikel ist gespickt von einer Indikatorik, die auch für mich weiter wenig anschlussfähig ist. Übrigens, die bekannten Schwellen/Kipppunkte machen mir fast weniger sorgen als die, die für uns unwissend, scheinbar verborgen, gerade passieren. Dazu müssten wir einmal innehalten, beobachten. Hierzu fehlen Möglichkeiten, Einladungen. Oder es ist schlicht ein Privileg in der Ordnung, in der wir gewählt haben zu leben.

    1. Nick Reimer
      Nick Reimer · vor 16 Tagen

      Naja, lesen reicht eben nicht. Aber vielleicht beginnen wir zu Handeln, wenn uns klar wird, dass es sich nicht um die "Lust zur Apokalypse" handelt. Die Artenkrise ist zum Beispiel viel schlimmer als das Klimaproblem. Egal, was wir jetzt noch tun: 70 bis 80 Prozent der weltweiten Korallen sind Mitte des Jahrhunderts tot, bei 2 Grad Erderwärmung sind es 99 Prozent. Apokalypse eben, für die wir von den Söhnen unserer Söhne zur Rechenschaft gezogen werden.

  4. Michael Praschma
    Michael Praschma · vor 16 Tagen

    Dass diese Worstcase-Szenarien unterbelichtet sind, finde ich auch. Algorithmenbedingt kommt bei mir wirklich viel an Meldungen zur Klimakatastrophe herein, und ich reime mir aus den Vergeblichkeitsbotschaften à la "immer noch steigt …" selbst zusammen, dass solche Szenarien immer wahrscheinlicher werden. Ich glaube auch, dass das vielen Menschen dämmert. Aber Mainstream in den Veröffentlichungen ist es nicht.

  5. Dominik Lenné
    Dominik Lenné · vor 17 Tagen · bearbeitet vor 17 Tagen

    Wichtiger Punkt. Macht es aber noch schwieriger, mindestens für mich, die Fähigkeit zum Lebensgenuss nicht zu verlieren. Diese Botschaft "Wir gehen in 25 Jahren auf Null Emissionen runter und denken alle unsere Entscheidungen ab jetzt von da her." kraucht erst langsam in den Mainstream rein. Die Katastrophenberichterstattung kann nur die Vorbereitung sein - das realisierbare Paradigma zu entwickeln ist die Hauptarbeit.
    Außerdem müssen wir an unserer gesellschaftlichen Kommunikation arbeiten. Gute Kommunikation in der Gruppe ist wesentliche Voraussetzung dafür, Krisen überstehen zu können. Damit meine ich, dass mehr und mehr jede|r Kommunizierende aus der Verantwortung für die Gesamtsituation heraus kommuniziert und nicht nur nach Lust und Laune. Ich denke dabei z.B. an die Kommunikation im Cockpit eines Airliners, besonders bei einer Krise. Befindlichkeitsäußerungen, persönliche Animositäten, Machtspielchen und dergleichen können in die Katastrophe führen. D.h. es ist nicht nur gutes staatbürgerliches Miteinander, Macht- und Interessenkonflikte gut zu lösen, sondern wohl auch in gewissem Sinne überlebensnotwendig.

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