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Klima und Wandel

Grönland kippt

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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Nick ReimerMittwoch, 19.05.2021

"Im Jahr 2019 betrug die jährliche Eisschmelze allein auf Grönland rund 600 Kubikkilometer", sagt Boris Koch, Ozeanograf am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Koch, zugleich Professor an der dortigen Hochschule, zeigt mit einem anschaulichen Vergleich, wie gigantisch diese Menge verlorenen Eises ist: "Wenn Sie von Hamburg nach München fahren – Luftlinie rund 600 Kilometer – und sich einen Eisblock vorstellen, der auf dieser Strecke 100 Meter breit ist, so lang wie ein Fußballfeld, dann wäre dieser Block zehn Kilometer hoch." So hoch, wie Flugzeuge fliegen. Und was auf Grönland verschwindet, schwappt irgendwann auch an unsere Küsten.

Das Problem an dieser Schmelze ist: Sie gewinnt immer weiter an Tempo. 2016 brachte Prof. Boris Koch schonmal den Vergleich mit der Luftlinie, allerdings war die damals von Hamburg nach Dortmund lang – die Schmelze betrug mit 300 Kubikkilometern halb so viel wie aktuell. Das Grönlandeis schmilzt immer schneller, und weil es in der Spitze 3.100 Meter hoch ist, ist das ein Kipp-Punkt: Von oben schmilzt der Gletscher nach unten in immer wärmere Schichten, was das Schmelzen beschleunigt und unaufhaltsam macht.

Schon jetzt überholt der Eisverlust in Grönland alle bisherigen Prognosen. Arbeiten des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) legen nun nahe, dass die steigenden Temperaturen die Destabilisierung zentral-westlicher Gebiete des Grönlandeispanzers bereits begonnen haben. Das könnte den gesamten Eisschild über hunderte oder tausende von Jahren vollständig abschmelzen, was zu einem globalen Meeresspiegelanstieg von mehr als sieben Metern und einem Zusammenbruch der atlantischen meridionalen Umwälzzirkulation (AMOC) führen wird. Aufhalten lässt sich das nicht mehr.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben im Detail simuliert, was steigende Meeresspiegel für einzelne Regionen bedeuten. Die US-Organisation Climate Central zum Beispiel hat sich darauf spezialisiert, Forschungserkenntnisse allgemeinverständlich aufzubereiten. Sie hat eine Vielzahl von Daten und Modellergebnissen zum Meeresspiegel zusammengetragen; auf ihrer Website kann man sich zum Beispiel die deutsche Nord- und Ostseeküste im Jahr 2050 anschauen, flutgefährdete Gebiete sind dort rot markiert: die Perlenkette der ostfriesischen Inseln, Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog, Wangerooge, Mellum – fast komplett rot. Betroffen wären auch die nordfriesischen Inseln, also etwa Pellworm, Nordmarsch, Föhr, weite Teile von Amrum und Sylt.

Grönland ist nicht der einzige Eispanzer, der zu schmelzen beginnt: Würden alle Gletscher der Welt abtauen, stiege der Meeresspiegel um mehr als 50 Meter. Weite Teile Berlins wären dann überschwemmt, Düsseldorf versunken, Magdeburg Küstenstadt. "Wir Menschen verändern gerade die nächsten hunderttausend Jahre Erdklima", formulierte David Archer, Geophysik-Professor an der Universität Chicago, in seinem Buch "Das lange Tauen". Aufhalten ließe sich das nur durch eine neue Eiszeit. Düsseldorf, Berlin, Hannover oder Magdeburg unter einem kilometerdicken Eispanzer – ist das echt unser Ziel?

Grönland kippt

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Kommentare 1
  1. Michael Salbeck
    Michael Salbeck · vor 5 Monaten

    Die Seite https://www.climatecen... scheint nicht richtig zu funktionieren.
    Es werden immer die gleichen Gebiete als flutgefährdet angezeigt, egal welche Jahre (2030 - 2100) und Entwicklung (Projection Type) ich einstelle.

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