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Kopf und Körper

Silke Jäger
Freie Journalistin und Texterin für Gesundheitsinfos
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piqer: Silke Jäger
Donnerstag, 16.02.2017

Was wirkt da eigentlich? Von der Homöopathie und den Placebos.

"Wer heilt, hat Recht!" Ein Satz, der zuhauf als Tranquilizer eingesetzt wird, um die eigene kritische Stimme zu beruhigen oder die von anderen. Dieser Satz fällt so sicher wie das Amen in der Kirche, wenn die Wirkung von homöopathischen Globuli in kleinen oder großen Runden angezweifelt wird. Ihm folgen in der Regel zahlreiche Erfolgsgeschichten: Von der Nachbarin und dem Onkel 3. Grades, die alle ohne die homöopathischen Wunderwaffen nicht in der Verfassung wären, in der sie heute sind, natürlich in einer guten.

Wer heilt, hat jedoch nicht immer Recht. Zumindest dann nicht, wenn er nicht belegen kann, wie diese Heilung eigentlich zustande kommt. Das ist nicht nur die Meinung derer, die angeblich oder tatsächlich "von der Pharmaindustrie gesponsert" werden, sondern vor allem derer, die auf gute wissenschaftliche Praxis setzen. Zahlreiche Studien konnten keine Wirksamkeit bei homöopathischen Globuli belegen. Im November 2016 hat deshalb die us-amerikanische Wettbewerbsbehörde FTC verfügt, dass Homöopathika einen entsprechenden Hinweis tragen müssen.

Doch damit sind die zahlreichen Erfolgsgeschichten der Homöopathie nicht aus der Welt. Die Erkenntnis, dass sich die Wirkung von Homöopathika höchstens auf den Placeboeffekt zurückführen lässt, scheint der Überzeugungskraft der Homöopathie nichts anhaben zu können. Andererseits scheint die "Schulmedizin" nicht von der Erkenntis zu profitieren, dass sogar die Wirkung vieler der von ihr verabreichten Medikamente dem Placeboeffekt zuzuschreiben sind. Dabei wirken Placebos sogar dann, wenn die Patienten vorher darüber aufgeklärt werden, dass sie welche erhalten.

Um zu verstehen, was die Homöopathie so beliebt macht, finde ich dieses Interview mit der mittlerweile recht bekannten Homöopathiekritikerin Nathalie Grams sehr hörenswert. Denn eigentlich hat das weniger mit Hokuspokus zu tun als manche behaupten, dafür aber viel mit der sprechenden Medizin, die sich leider für Kassenärzte kaum lohnt.

Was wirkt da eigentlich? Von der Homöopathie und den Placebos.
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Kommentare 4
  1. Silke Jäger
    Silke Jäger · vor 10 Monaten

    Schulmedizin ist übrigens ein Hilfsausdruck. Denn die Unterscheidung müsste korrekt zwischen evidenzbasierter Medizin = beweisgestützte Medizin (www.ebm-netzwerk.de/was-ist-e...) und nicht belegten Heilmethoden getroffen werden.

    1. Monika Kienle
      Monika Kienle · vor 10 Monaten

      Schulmedizin ist ein eher abschätzig Begriff. Aber nicht alles in unsrer westlichen Medizin scheint mir evidenzbasiert, z.B der inflationäre Einsatz von Antibiotikum bei viralen Erkrankungen.
      Neben TCM (traditioneller chinesischen Medizin), Naturheilkundliche Medizin - beide entbehren nicht unbedingt Evidenz - könnte herkömmlich, westliche Medizin ein besserer Begriff sein.
      Gibt es noch andere medizinische Theorien, denen wir Aufmerksamkeit schenken sollten?

    2. Silke Jäger
      Silke Jäger · vor 10 Monaten

      @Monika Kienle Zurzeit ist noch einiges, was in Diagnostik und Therapie etabliert ist, nicht evidenzbasiert. Und manches hat eine niedrige Evidenz, wird aber aus Mangeln an Alternativen oder aufgrund von sich nur langsam ändernden Prozessen weiter so gehandhabt.
      Der Begriff evidenzbasierte Medizin sagt auch nicht, dass alles super wirkt, sondern nur, dass die Methode ausreichend wissenschaftlich untersucht wurde. Er sagt nichts über die Qualität der Studien an sich aus. Die Evidenz einzuschätzen ist nicht leicht, da es meist eine Reihe von Studien gibt, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Eine einzelne Studie hilft unter Umständen deshalb nicht wahnsinnig viel weiter. Sogenannte Metaanalysen geben bessere Auskunft, weil sie viele Studien einbeziehen. Bei noch recht vielen Fragestellungen fehlen aber Metaanalysen.
      Hat man Metaanalysen und kann die Evidenz einschätzen, heißt das nicht, dass die untersuchte Methode angewandt werden muss. Man ist nur in der Lage, die Patienten umfassend aufzuklären, damit sie selbst entscheiden können, ob sie die Untersuchung/Therapie in Anspruch nehmen wollen. Das ist der große Unterschied zwischen evidenzbasierter Medizin und anderen Verfahren.

    3. Silke Jäger
      Silke Jäger · vor 10 Monaten

      @Silke Jäger Kleine Korrektur: Evidenzbasierte Medizin, sagt nicht dass die Methode ausreichend wissenschaftlich untersucht wurde, sondern dass sie untersucht wurde und man deshalb eine Einschätzung zur Evidenzlage vornehmen kann. Ob die Methode demnach empfehlenswert ist und für wen, muss im Einzelfall beurteilt werden.