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Theresa Bäuerlein
Journalistin. Autorin. Seit (gefühlt) schon immer.
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piqer: Theresa Bäuerlein
Montag, 10.02.2020

Goop-und-Gwyneth-Hater aufgepasst: Wir könnten Unrecht haben

Als Gwyneth Paltrows Show "The Goop Lab" auf Netflix erschien, gehörte ich zu den vielen Menschen, die innerlich aufjaulten und kritisches Denken und vielleicht die Zivilisation an sich bröckeln sahen. Dann las ich den Artikel, den ich hier empfehle. Denn er hat mich zum Nachdenken gebracht. Die Autorinnen haben ein paar ziemlich gute Argumente.

  • Gerade Frauen wurden im Laufe der Geschichte immer wieder lächerlich gemacht und auch dafür verfolgt, dass sie Wissen und Praktiken weitergegeben haben, die den jeweiligen etablierten Autoritäten nicht gefielen oder widersprachen (erst die Kirche, später die Medizin). "Criticism of Goop is founded, at least in part, upon deeply ingrained reserves of fear, loathing, and ignorance about things we cannot see, touch, authenticate, prove, own or quantify. It is emblematic of a cultural insistence that we quash intuitive measures and “other” ways of knowing — the sort handed down via oral tradition, which, for most women throughout history, was the only way of knowing. In other words, it’s classic patriarchal devaluation."
  • Ja, kontrollierte, randomisierte, doppelblinde etc. Evidenz ist der Goldstandard. Doch gibt es Maßnahmen, die wissenschaftlich unsinnig sind, aber trotzdem erwiesenermaßen wirken. "We kiss our children’s boo-boos even though there’s no gold standard evidence that it will make them feel better. We just know that it does. Which in turn makes us feel better. That’s “wellness.”
  • Die Angst davor, dass ein krebskranker Mensch sich für Ayurveda statt Chemotherapie entscheidet, ist verbreitet und berechtigt. Doch spricht nichts dagegen, dass ein:e Erkrankte:r in einer integrativen Therapie auch Methoden wie Achtsamkeit, Yoga und sogar Reiki nutzen kann.
  • Nicht jede Person, die Interesse an den in Goop gezeigten Methoden und Gedanken, an Körperwissen jenseits von Arztpraxen und alternativen Heilmethoden hat, ist deshalb automatisch ein:e Verschwörungstheoretiker:in mit zu viel Geld und Privilegien, die es verdient hat, belächelt zu werden.
Goop-und-Gwyneth-Hater aufgepasst: Wir könnten Unrecht haben
8,3
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Kommentare 10
  1. Du Irrelevant
    Du Irrelevant · Erstellt vor 7 Tagen ·

    Interessant wofür Goop/Gwyneth kritisiert wird. Habe mich nicht ausführlich darüber informiert, aber mich hat eher irritiert, dass eigentlich alle (oder mindestens sehr viele) Ideen/Produkte "geklaut" sind... Aber vielleicht ist das ja so normal, dass es niemanden stört.

  2. egge freygang
    egge freygang · Erstellt vor 7 Tagen ·

    Der Artikel folgt einer interessanten und überdenkenswerten These, die in vielen Fällen sicherlich Auswirkungen zeigt. Wenn es sich nur nicht um Goop handeln würde. Zu dieser Firma und ihrer Gründerin habe Frauen wie Rebecca Watson und Amy Tuteur (in ihrem Fall auch zu dem Artikel) eine klare und auch feministe Meinung. Zur Serie kann ich nicht sagen, da ich sie nicht sah, aber Formulierungen in dem Artikel verrieten die esoterische Ader der Autorin. Geheimes Wissen, dass nur von einem Geschlecht erfühlt werden kann. Es ist eben nur blöd, wenn bspw. jemand an der empfohlenen Bienenstichakupunktur stirbt. Ich spreche nicht von Heiligsprechung der Schulmedizin, aber diese Lifestyle-Shopping-Platform finde ich nicht sehr vertrauenserweckend und den Namen des Buches, welches die Autorin schrieb und dem Artikel "bewirbt", auch nicht.

    1. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · Erstellt vor 6 Tagen ·

      Du hast total recht, was die Lifestyle-Shopping-Plattform angeht, da gibt es auch nichts dran zu verteidigen. Was ich an dem Artikel interessant finde, ist die Beschreibung dessen, dass hinter dem Hass auf manche der Inhalte mindestens teilweise eine bestimmte Art von patriarchalem Denken stecken könnte. Was nichts damit zu tun hat, dass nur ein Geschlecht bestimmte Dinge "erfühlen" kann, sondern dass bestimmte Eigenschaften, die traditionell eher Frauen zugeschrieben und auch zugeordnet werden, in unserer Kultur belächelt und lächerlich gemacht werden. Unabhängig davon, wer sie repräsentiert, Männer oder Frauen. Was die Bienenstichakupunktur betrifft: Gerade dazu äußert sie sich ja eigentlich differenziert:

      "We understand the concern that a person with cancer might choose to forgo chemo in favor of Ayurveda. But just as there are wannabe gurus selling snake oil, there are irresponsible, unethical physicians, as well as physicians with a shameful incapacity for nuance or empathy. Reiki is not proven to shrink tumors in any double-blind trials, but it, along with yoga and mindfulness and acupuncture, is being used in integrative cancer therapy at major institutions all over the world, because there is evidence that it has benefits, and no adverse side effects."

    2. Georg Wind
      Georg Wind · Erstellt vor 5 Tagen ·

      @Theresa Bäuerlein Dass Methoden, die hauptsächlich durch ihre Empathigeladenheit wirken, von hauptsächlich männlichen Autoritäten belächelt oder gar schlechtgemacht wurden und werden, kaufe ich sehr gerne. Aber ich denke, dass es viel zu weit geht, wenn man versucht, diesen Umstand per schwammiger Formulierung auf einfach alles auszuweiten, was irgendwie als Heilglaube weitergegeben wird und teilweise eben doch schädlich sein kann, im Fall der Reiki Methode übrigens von den Studien überhaupt nicht gut belegt ist (Quelle ist ja verlinkt) und, vor allem, eben doch mit kritischem Denken aufräumt. Kriterium guter Wissenschaft ist neben Falsifizierbarkeit (eine Sache, die die Autorin konsequent mit Verifizierbarkeit vertauscht) auch Kohärenz mit dem Gesamtwissen. Und da gibt es gute (bessere) Erklärungen für die Wirksamkeit vieler Methoden, als Magie. Kissing our children boo-boos is making them better because it distracts them, because it is a powerful placebo and because people are proven to find physical pain easening in body contact and emotional proximity. It's not "wellness"! There is more to good science than just randomized controlled trials, Das Argument ist ein Strawman bei gleichzeitig zu weit reichend konstruierten Flügeln eines patriarchalischen Angriffs als Grund für die mangelnde Akzeptanz vieler Methoden.

    3. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · Erstellt vor 5 Tagen · Bearbeitet vor 5 Tagen

      @Georg Wind Ich denke nicht, dass die Autorinnen schreiben, Magie wäre der Grund dafür, dass manche Methoden wirken. Sie schreiben lediglich, DASS sie wirken. Was die Reiki-Studien betrifft, möchte ich mich auf keinen Fall aus dem Fenster lehnen - ich habe sehr wenig Ahnung von Reiki und mich mit den entsprechenden Studien nicht beschäftigt. Aber du scheinst dich auszukennen, deshalb würde mich interessieren, wieso du die verlinkte Studie schlecht findest? Ich frage hier tatsächlich aus Interesse, ich habe sie mir nicht im Detail durchgelesen. Dass Methoden, die nur auf Glauben an Heilung basieren, schädlich sein können, daran besteht natürlich kein Zweifel. Aber das bestreitet der Artikel auch nicht – zumindest habe ich das nicht darin gelesen.

  3. Silke Jäger
    Silke Jäger · Erstellt vor 6 Tagen · Bearbeitet vor 5 Tagen

    Du hast bestimmt schon damit gerechnet, dass ich hier kommentiere ;) Ich schneide mal diesen Artikel gegen deine Empfehlung https://www.vox.com/sc...
    Bei vox wird die Serie ebenfalls nicht nur abgewatscht. Julia Belluz sieht durchaus positive Ansätze, wie zB "The Goop Lab takes an entirely different tact: empowering women with knowledge about their vaginas." Das ist ja durchaus verwandt mit dem Gedanken, dass es gut ist, wenn sich Frauen vom patriacharlen Blick befreien und sich nicht einer vermeintlich neuen Autorität – der evidenzbasierten Medizin – in vorauseilendem Gehorsam unterordnen.
    Aber vielleicht ist das "Gefühlige" daran gar nicht so ein radikaler Akt. "Goop isn’t afraid to show us lots of female genitalia. It feels revolutionary." Auch wenn die Serie oft darauf verzichtet, daraus ein direktes Kaufargument für Reinigungs- und Wohlfühlprodukte für Vulven und Vaginas abzuleiten, gibt es andere Themen, die man sehr kritisch betrachten kann. Und die nicht so gut zur Erzählung passen wollen, die die NYT zu erkennen glaubt. Vieles, was als revolutionärer Akt erscheinen könnte, wirkt uU nur deshalb so, weil es einige der zahlreichen Lücken der evidenzbasierten Medizin beackert.

    "The causes for many people’s pain simply aren’t understood, even by the best researchers in the world. This doesn’t mean, however, that we should lean on pseudoscience and gurus. Paltrow doesn’t seem to want to acknowledge that uncertainty; instead she wants us to believe there are fixes out there for everyone. And surely, many of them can be purchased on the Goop website."

    1. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · Erstellt vor 5 Tagen · Bearbeitet vor 5 Tagen

      Klar habe ich damit gerechnet ;) Gehofft sogar, weil der Artikel in der NYT definitiv nicht das ganze Bild ist. Aber die Goop-Verteidigung inkl Verkaufsimperium ist wirklich nicht der Punkt, den ich interessant finde, sondern dieses reflexartige Lächerlichmachen dem gegenüber, wie es in NYT steht, “that you cannot see, own, touch, quantity usw”. Das Abwerten, ja oft den Hass darauf zu sehen und gleichzeitig aber auch den Wert davon im Leben der Menschen anzuerkennen, ohne von dem Anspruch an Evidenz abzuweichen, ist für mich der essenzielle Gedanke.
      Und ohne in allzu platte Kapitalismuskritikphrasen verfallen zu wollen: Alles, was für Menschen wichtig ist, lässt sich in Produkte umwandeln, die man ihnen verkaufen kann, und in nervende Verkaufsmaschen. Das bedeutet nicht, dass der Gedanke, das Bedürfnis oder das Gefühl, das Menschen zum Kaufen bringt, zu negieren wäre.

    2. Silke Jäger
      Silke Jäger · Erstellt vor 5 Tagen ·

      @Theresa Bäuerlein Das ist interessant. Man müsste sich mal anschauen, warum Menschen dort nach medizinischer Hilfe suchen, wo gar nicht Medizin draufsteht, geschweige denn welche drin ist.

  4. Silke Jäger
    Silke Jäger · Erstellt vor 3 Tagen · Bearbeitet vor 3 Tagen

    Eine amerikanische Frauenärztin hat übrigens eine Antwort an die Verfasserinnen geschrieben: https://www.skepticalo...
    Darin sagt sie, was sich auf den 1. Punkt in deiner Liste bezieht: "its claim that pseudoscience is feminist is particularly offensive to women because it is an insult to the memory of famous women scientists who struggled against the misogynistic belief that science and math are “too hard” for women and they are reduced to relying on intuition."

    Interessant finde ich, dass Dinge, die in die Kategorie "intuitive measures and “other” ways of knowing — the sort handed down via oral tradition, which, for most women throughout history, was the only way of knowing" fallen, mit dem weiblich-intuitiven verknüpft werden, um Gegenarmunte als "classic patriarchal devaluation" framen zu können.

    Was aber, wenn wahres Empowerment gerade darin bestünde, inutives Wissen vom Attribut "weiblich" zu befreien, um sachlich diskutieren zu können, wie viel davon noch Bestand hat, wenn man es mit erkenntnistheoretischen Maßstäben bewertet?

    1. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · Erstellt vor 3 Tagen ·

      Guter Punkt! Mich stört das Klischee, das Intuition weiblich sein soll.

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