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Flucht und Einwanderung

Alexandra Rojkov
Journalistin

Alexandra Rojkov wurde in St. Petersburg geboren und kam als Kontingentflüchtling nach Deutschland. Als Journalistin hat sie mehrere Jahre im Nahen Osten gelebt und schreibt aktuell vor allem über Konflikte und Migration, u.a. für DIE ZEIT, das Magazin der Süddeutschen Zeitung und Geo.

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piqer: Alexandra Rojkov
Mittwoch, 11.07.2018

"Wenn es gut lief, war ich Belgier. Wenn es schlecht lief, Belgier mit kongolesischen Wurzeln."

Die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und İlkay Gündoğan stehen unter Beschuss. Sie sollen schuld daran sein, dass Deutschland bei der Fußball-Weltmeisterschaft früh ausschied. Oliver Bierhoff sagte in einem Welt-Interview, man hätte überlegen müssen, ob man auf Özil verzichtet. Auch Trainer-Legende Ottmar Hitzfeld erklärte öffentlich, man hätte die beiden Fußballer lieber nicht nominieren sollen. Der Druck nach dem Erdoğan-Foto sei zu groß gewesen und hätte sich auf die anderen Spieler ausgewirkt.

Fußballer werden für Siege gefeiert und für Niederlagen verstoßen. Bei Sportlern mit Migrationshintergrund schwingt oft eine Botschaft mit: Wenn ihr gewinnt, gehört ihr zu Deutschland - euer Sieg ist unser Sieg. Doch eure Niederlage tragt ihr alleine. Wenn ihr verliert, seid ihr kein Teil von uns.

Özil schweigt zu der Debatte. Doch die Äußerungen eines anderen Nationalspielers lassen erahnen, wie Özil sich fühlen könnte. Romelu Lukaku, Stürmer der belgischen Nationalmannschaft, beschreibt in einem Artikel für die Internet-Plattform "The Players‘ Tribune", wie es ist, für sein Heimatland zu spielen – und doch nie ganz dazuzugehören.

Wenn die Dinge gut liefen, las ich in den Zeitungsartikeln, dass sie mich Romelu Lukaku nannten, den belgischen Stürmer.

Wenn die Dinge nicht gut liefen, nannten sie mich Romelu Lukaku, den belgischen Stürmer kongolesischer Abstammung.

Es sei in Ordnung, schreibt der 25-Jährige, wenn jemand nicht möge, wie er spielt.

„Aber ich bin hier geboren. Ich bin in Antwerpen, Liège und Brüssel aufgewachsen. Ich bin Belgier.”

Man liest die Wut zwischen Lukakus Zeilen. Wut auf alle, die sich freuen, wenn er versagt. Wut auf die Armut, in der er aufgewachsen ist. Doch diese Wut war ihm auch Antrieb und Motivation. Sie hat ihn weit gebracht: bis in das Nationalteam seiner Heimat.

"Wenn es gut lief, war ich Belgier. Wenn es schlecht lief, Belgier mit kongolesischen Wurzeln."
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Kommentare 2
  1. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor 8 Tagen

    www.piqd.de/fundstuec...
    :)
    Die Suche funktioniert super übrigens...

  2. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor 8 Tagen

    aber tatsächlich hab ich bei dieser ganzen unseligen Özildebatte jetzt auch noch mehrfach an den Text gedacht...