Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kuratoren aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen
und kommentieren die besten Inhalte im Netz.

Du befindest dich im Kanal:

Flucht und Einwanderung

Fabian Köhler
freier Journalist, Politik- und Islamwissenschaftler (M.A.)
Zum piqer-Profil
piqer: Fabian Köhler
Donnerstag, 22.09.2016

Post-truth-politics. Oder wie man früher sagte: Bullshit.

Es gehört zum Wesen des Kapitalismus alte Ideen in immer wieder neuem Gewandt an den Mann bringen zu müssen: „Heimtrainer“ heißt „High Energetic Indoor Cycyling“. Die gute alte Schnitzeljagd erlebt unter dem Namen „Pokemon Go“ nie genannte Popularität. Und die „Glatzen“, die uns früher nach der Schule durch die Plattenbausiedlung jagten, tragen jetzt Anzug und vermarkten ihre „national befreiten Zonen“ unter dem Namen „Alternative für Deutschland“.

Seit einigen Monaten nun geistert ein Begriff durch die politischen Feuilletons, Flüchtlingsdebatten und politikwissenschaftlichen Proseminare, der tatsächlich einmal den Anspruch erhebt etwas Neues zu bieten„Post-truth-politics“. 

Das „postfaktische Zeitalter“ - so der gängige deutsche Brand – sei mit den Trumps, Farages und Petrys in die Welt kommen, liest man oft. Das vermeintliche Novum heutiger Klimawandel- oder Brexit-Debatten: Fakten (z.B. tatsächliche Anzahl von Euro pro Brite/  Überschwemmung pro Südseeinsel/ Flüchtlinge pro Damen-Sauna) spielen keine Rolle mehr. Die Debattenwährung unserer Zeit: Sorgen, Ängste, Hörensagen, Verschwörungstheorien.

Oder wie es der US-amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt schon 1986 in diesem sehr lesenswerten Essay nannte: Bullshit.  

Post-truth-politics. Oder wie man früher sagte: Bullshit.
8,9
7 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied!