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Flucht und Einwanderung

Obst & Gemüse: Voller Vitamine und Arbeitnehmer*innenmissachtung

Mohamed Amjahid
Buchautor und Journalist

Reporter, Kurator, Autor für deutsche und internationale Medien. Studium der Politikwissenschaft/Anthropologie. Themen: Weiße Mehrheitsgesellschaft, MENA, Autokratien, Kapitalismuskritik, Feminismus und kritische Theorie.

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Mohamed AmjahidMontag, 01.03.2021

Am Wochenende war ich im Gespräch mit Fridays for Future, mit der Klimaaktivistin Line Niedeggen habe ich auch diskutiert, wie nachhaltiges Wirtschaften funktionieren könnte; also mit Blick auf den Klimaschutz und auf die zu zentrierenden Menschenrechte und vor allem den Schutz von verletzbaren Minderheiten. Als spontanes Beispiel ist mir im Talk die europäische Landwirtschaft eingefallen. Danach habe ich diese aktuelle Recherche von Pascale Müller und Hélène Servel entdeckt. Die beiden Kolleg*innen arbeiten schon seit Jahren am Thema Arbeitnehmer*innenrechte auf europäischen Feldern. Ich will es mal so ausdrücken: Es sieht nicht gut aus.

Fünf verdreckte Toiletten für rund zweihundert Menschen. Überfüllte Bungalows, keine Dusche, mitten in der Pandemie. Unter diesen Bedingungen leben Männer und Frauen, die in Südfrankreich Aprikosen, Nektarinen und Pfirsiche ernten. Obst, das in den Einkaufswagen deutscher Verbraucher landet. Sie gehen davon aus, dass die Supermärkte, in denen sie einkaufen, angemessene Arbeitsbedingungen bei ihren Lieferanten garantieren.

In anderen Ländern, zum Beispiel Italien, Spanien und auch Deutschland, sieht die Situation nicht anders aus. Betroffen sind vor allem Geflüchtete, nicht dokumentierte Migrant*innen, allgemein People of Color und Arbeiter*innen aus Ost- und Südosteuropa. Diese Gruppen lassen sich besonders einfach ausbeuten, sie können und wollen sich nämlich nicht über die Arbeitsbedingungen beschweren. Jemand, der*die keine Aufenthaltspapiere hat, denken sich einige Erzeuger*innen, kann man behandeln, wie es gerade in die Kalkulation passt. Alles, damit wir im Supermarkt dann die Ware zu billigen Preisen angeboten bekommen. Der Druck des Einzelhandels (vor allem in Deutschland) endet für einige Menschen auf den Feldern Europas tödlich.

Natürlich ist es schwierig, weil ich mir die teuren Bio-Produkte leisten kann, an dieser Stelle über Billigware zu schimpfen. Es zeigt aber, dass es sich hier um ein systematisches Problem handelt: Armut, Klimagerechtigkeit, sexualisierte Gewalt und Rassismus hängen miteinander zusammen und müssen auch zusammen betrachtet werden.

Was kann jede Person dagegen tun?

Im Text von Pascale Müller und Hélène Servel wird anschaulich beschrieben, warum das Siegel-Prinzip (unter anderem auch für Arbeitnehmer*innenrechte) beim Obst und Gemüse nicht so funktioniert, wie es eigentlich funktionieren sollte.

An einem heißen Tag im Juli 2011 bricht der 32-jährige Elio Maldonado in einem Gewächshaus auf der Plantage SARL Les Sources zusammen. Viele Stunden soll der Ecuadorianer Melonen geerntet haben – ohne etwas trinken zu dürfen. Die Verantwortlichen sollen keinen Rettungswagen gerufen, sondern ihn erst nach eineinhalb Stunden ins Krankenhaus gefahren haben. Dort stirbt er. Todesursache: Dehydrierung.

Und das obwohl die Melonen zertifiziert sind und angeblich unter guten Arbeitsbedingungen produziert werden. Deswegen: sich selbst informieren und nach Möglichkeit den eigenen Konsum so zu gestalten, dass nur saubere Produkte in den Warenkorb kommen, könnte im Kleinen etwas ändern. Einen politischen Markt für nachhaltige landwirtschaftliche Produkte in Europa schaffen, wäre aber besser. Denn es braucht politische Lösungen.

Obst & Gemüse: Voller Vitamine und Arbeitnehmer*innenmissachtung

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Kommentare 2
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor einem Monat

    "gehen davon aus, dass die Supermärkte, in denen sie einkaufen, angemessene Arbeitsbedingungen bei ihren Lieferanten garantieren."
    DAS ist der Knackpunkt - wir die auch auf günstiges (gesundes) Gemüse angewiesen sind: dürfen doch erwarten dass deutsche/europäische Supermärkte Arbeitsbedingungen (und etwa auch die umwelt- und tierschutzbedingungen) gewährleisten, die unseren Gesetzen entsprechen! (Wobei etwa Arbeiter Trinken zu lassen doch allen Rechtsordnungen weltweit entsprechen.).
    ich muss doch davon ausgehen dürfen? oder?

  2. Lars Hauch
    Lars Hauch · vor einem Monat

    Hat sich mal jemand damit beschäftigt, ob und inwiefern es einen Unterschied bei der Popularität von Fairtrade/Bio-Kleidung und Fairtrade/Bio-Essen gibt? Meiner subjektiven Wahrnehmung nach ist besagte Kleidung auf dem aufsteigenden Ast und gilt immer mehr als hip. Fairtrade bei Essen haben gefühlt die Wenigsten überhaupt auf dem Schirm.

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