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Flucht und Einwanderung

Fabian Goldmann
mal Journalist, mal Islamwissenschaftler, je nachdem

...hab damals den Einschreibungstermin für Theoretische Physik verpasst. Das hab ich jetzt davon.

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piqer: Fabian Goldmann
Donnerstag, 24.03.2016

Ein Interview wie ein Vorschlaghammer

Wenn fast drei Monate nach der Kölner Silvesternacht der xte Intellektuelle seinen Senf zur Flüchtlings- und Integrationsdebatte abgibt, kann man in der Regel getrost weiterklicken. Wenn der zuständige Redakteure dem Ganzen auch noch eine so langweilige wie irreführende Überschrift wie „Das sind meine Erwartungen an Flüchtlinge“ gibt, erst recht. Im Fall des Interviews mit Rafik Shami, das vergangene Woche im Kölner Stadtanzeiger erschienen ist, würde man dann allerdings einiges verpassen.

Denn der syrisch-deutsche Schriftsteller holt dort zum Universal-Rant aus, wie man ihn in solcher Unabhängigkeit und Unzweideutigkeit von Intellektuellen seiner Klasse selten zu hören bekommt: gegen integrationsunwillige Migranten und deutsche Rassisten; gegen westlichen Blutdurst und arabische Bigotterie in Syrien; für Flüchtlinge, Humanität und die bürgerliche Gesellschaft.

Wer Rafik Shami, der in Damaskus geboren ist, aber seit Ewigkeiten in der Pfalz lebt, kennt, der weiß, dass es dieselben Themen sind, zu denen er seit Jahren versucht, Einfluss zu nehmen. In seiner Auseinandersetzung damit, ob und wie ihm und seiner Zunft dies gelungen ist, wird das Interview dann auch wirklich einzigartig: Er spricht über sein persönliches Gefühl des Scheiterns, als wichtigster deutschsprachiger syrischer Intellektueller im Syrien-Konflikt nicht mehr Einfluss auf die öffentliche Meinung ausgeübt zu haben. Und er rechnet ab mit seinen intellektuellen Kollegen (von denen er auch einige namentlich benennt), die dem immer weiter nach rechts driftenden Volk „in Panik hinterher hecheln“ würden, die Feindschaft gegenüber Muslimen als „salonfähigen Antisemitismus“ entdeckt hätten und nun selbst die Rolle der Angstmacher einnähmen. Man muss nicht alle Gedanken des Interviews mit Rafik Shami teilen. Dass es wahrscheinlich sogar kaum einen Leser geben wird, der dies tut, macht Shami so einzigartig und das Interview so lesenswert.

Ein Interview wie ein Vorschlaghammer
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Kommentare 2
  1. Meike Leopold
    Meike Leopold · vor mehr als 2 Jahren

    Danke, wirklich sehr lesenswert!

  2. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · vor mehr als 2 Jahren

    Sehr wohltuend. Danke!