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Europa

Ulrich Krökel
Osteuropa-Korrespondent
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piqer: Ulrich Krökel
Sonntag, 22.04.2018

Gesellschaft als staatliche Veranstaltung: Russlands andere Werte

Fragen vom Typ "Gehört der Islam zu Deutschland?" oder "Wie lässt sich eine deutsche Leitkultur definieren?" lösen geradezu reflexartig Debatten aus, deren Erkenntniswert oft gegen null tendiert, weil meist zu vieles im Ungefähren bleibt. Die Fragen sind zu abstrakt, die Antwort selten konkret.

Dekoder.org hat nun drei Expert*innen um Antworten auf die Frage gebeten: Gelten in Russland andere Werte als im Westen? Schon die ersten Repliken lassen befürchten, dass es sich mit diesem Panel #1 nicht viel anders verhält als mit den genannten Wertedebatten. Der Politikwissenschaftler Andrei Kortunow etwa sagt den Einstiegssatz:

Werte – das ist ein sehr breiter Begriff.

Und die Kulturwissenschaftlerin Jewgenija Sajko kommt zu der Einsicht:

Die größten Unterschiede gibt es vor allem auf der rhetorischen Ebene.

Das lässt viel heiße Luft befürchten, aber es kommt durchaus anders. Immer wieder sind sehr bedenkenswerte Überlegungen und auch konkrete Beispiele zu lesen, etwa wenn der Kulturhistoriker Gasan Gusejnow ausführt:

Im Wertesystem Russlands wird der Staat als Subjekt begriffen, das Priorität hat vor jedem einzelnen Bürger und vor der Zivilgesellschaft als ganzer. Das ist der kardinale Unterschied zwischen europäischen und russischen Werten. Ein Beispiel: In Russland wundert man sich ob des Aufhebens, das in Großbritannien um den Anschlag auf das Leben des Agenten Skripal und seine Tochter gemacht wird. "Was soll’s, da wird ein Verräter aus dem Weg geräumt!"

Gusejnow knüpft hier an die Idee von der russischen Gesellschaft als einer staatlichen Veranstaltung an, die der Osteuropa-Historiker Dietrich Geyer vor gut 50 Jahren in einer bahnbrechenden Fallstudie vorgetragen hat.

Kurz: Alles in allem lohnt das dekoder-Panel #1 auf jeden Fall ein Durchklicken und Reinlesen!

Gesellschaft als staatliche Veranstaltung: Russlands andere Werte
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