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Zeit und Geschichte

Unpiq: „Wie gut es doch ist, Russe unter Putin zu sein“

Achim Engelberg
Dr. phil.
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Achim EngelbergDonnerstag, 22.09.2022

Wieder einmal hielt der Gewaltherrscher im Kreml eine Rede, die indirekt ein Eingeständnis des bisherigen Scheiterns, aber auch einen Willen zur Eskalation beinhaltet. Die schon am 9. Mai, dem Tag des Sieges, erwartete Teilmobilisierung ist jetzt erfolgt.

Im Hauptteil gibt es die offizielle englische Fassung und hier findet man Auszüge auf Deutsch.

In Washington, London und Brüssel drängt man Kiew direkt dazu, militärische Operationen auf unser Gebiet zu verlegen. Man versteckt sich nicht länger und spricht davon, dass Russland mit allen Mitteln auf dem Schlachtfeld besiegt werden muss. Dem folgen soll die Aberkennung politischer, wirtschaftlicher, kultureller und überhaupt jeglicher Art von Souveränität und die vollständige Ausplünderung unseres Landes.

Ist diese Schuldumkehr noch Kalkül oder schon Wahn?

Zumindest versuchen etliche russische Staatsbürger, die es sich leisten können, das Land zu verlassen.

Der sarkastische Titel dieses Unpiq stammt von Olexij Arestowytsch, einem Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, und er sagt nicht ironisch die bittere Wahrheit über die Invasoren:

Es sind mehr als 100.000 an Getöteten und Verwundeten, eher knapp 150.000.

Selbst wenn die Zahlen leicht überhöht sind, alle Beobachter sehen eine hohe Zahl von Toten und Schwerverletzten.

Einer von ihnen ist Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München, der die Lage düster für die russische Armee einschätzt:

Wenn man sich anschaut, in was für einem schlechten Zustand die russische Armee in der Ukraine ist, was Ausrüstung anbetrifft, dann stellt sich natürlich die Frage, woher diese Reservisten eine angemessene Ausrüstung bekommen sollen, um in der Ukraine zu kämpfen.

Hier die gesamte blendende Video-Analyse von Carlo Masala.

Allerdings gibt es immer in solchen Situationen einen Unsicherheitsfaktor. Sicher ist nur, eine neue Phase des Krieges hat begonnen. Die Gefahr des Einsatzes von Atomwaffen besteht, aber auch, dass dem Gewaltherrscher die Macht entgleitet. In den großen Städten gab es Demonstrationen und Festnahmen. Was geschieht aber auf dem weiten Land? Es gibt mehr Fragen als Antworten.

Unpiq: „Wie gut es doch ist, Russe unter Putin zu sein“

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Kommentare 7
  1. Lutz Müller
    Lutz Müller · vor 5 Tagen · bearbeitet vor 5 Tagen

    Vielen Dank für den Hinweis auf Carlo Masala über Putins Aufruf zur Verteidigung des - ich nenne es „Heiligen Russischen Reiches“. Masala geht von einer mittleren Schätzung von bis zu 40.000 gefallenen und 70.000 schwerst verwundeten russischen Soldaten in der Ukraine bis heute aus.

    Gehen wir etwas in der Zeitgeschichte zurück. Vergleiche helfen oft ein wenig dabei, schreckliche Ereignisse - bei all ihrer Unvorstellbarkeit - besser einzuordnen. Die zwei Tschetschenienkriege unter Jelzin und Putin waren äußerst brutal. Nach den wenigen Berichten, die ich darüber las, wohl noch viel grausamer als der aktuelle Krieg. Es waren innerrussische Kriege - des Staates gegen Separatisten. Nach Kriegsende sollten eigentlich aus Respekt für die Opfer relativ belastbare Daten über deren Zahl vorliegen.

    Nach Angaben von Wikipedia zum ersten https://de.wikipedia.o... und zweiten Krieg https://de.wikipedia.o... verlor Russland zwischen 30.000 und 60.000 Soldaten und Kämpfer, die Zahl der getöteten Zivilisten wird auf 110.000 bis 180.000 geschätzt.

    Allein daran können wir sehen, welchen Wert das Leben der Bürger für die an der Macht befindliche Clique hat. Als der Einmarsch in die Ukraine begann, fragte ich mich: Hätte die Diplomatie vor 20 Jahren eine reale Chance für eine nachhaltige Sicherheitsarchitektur, wie Putin sie vorschlug, gehabt?
    Heute bezweifle ich das.

    1. Lutz Müller
      Lutz Müller · vor 5 Tagen

      Noch ein Gedanke in Bezug auf die neuerliche Eskalation:
      Der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch schrieb im Feuilleton der FAZ vom 08.04.2022 (bzw. kostenpflichtig www.faz.net/aktuell/fe... ) über die Entmenschlichung der Russen. Eine heftige Diskussion im Forum folgte auf die implizierte Kollektivschuld der Russen und Vorwürfe einer Mitschuld Deutschlands. Ein Leserbrief an die Redaktion erklärte, der Beitrag hätte niemals gedruckt werden dürfen.

      Wird irgendwann Menschlichkeit in die russische Politik einkehren? Das wäre die Grundvoraussetzung dafür, dass latenter Chauvinismus und Xenophobie eingedämmt und bekämpft werden können.

    2. Cornelia Gliem
      Cornelia Gliem · vor 5 Tagen

      @Lutz Müller Ich erlebe in meinem Umfeld und meiner Stadt keine (Fremd-)Entmenschlichung der Russen. Im Gegenteil wird immer betont dass es nicht "die" Russen sind etc.

      Ich sehe auch eher eine aktive Selbst-Entmenschlichung der russischen Soldaten vor Ort.

      War nicht auch das im FAZ Artikel gemeint (=habe ihn nicht gelesen)?

      aggressive und zt rassistische Herabsetzung der Russen an sich als Orks etc. Habe ich bisher nur im Internet gefunden.

      Auch von Beleidigungen oder gar Angriffen auf Russischstämmige gab es gottseidank bei uns hier nicht...

      Ach Kollektivschuld - ist die Bevölkerun eines Staates die zumindest früher freiwillig einen Diktator gewählt haben und dessen Krieg zumindest größtenteils unterstützen - nicht mitschuld?

      Wann beginnt die staatsbürgerliche bzw. die menschenrechtliche Pflicht zum Widerstand?

    3. Lutz Müller
      Lutz Müller · vor 4 Tagen

      @Cornelia Gliem Danke für die Antwort, Cornelia.
      1) Nach unserem Grundgesetzt hat jeder Deutsche das Recht zum Widerstand gegen jeden, der versucht, die grundgesetzliche Ordnung zu zerstören (Art. 20, Abs. 4).
      Kollektivschuld unserer Generation am 2. Weltkrieg / Holocaust wird verneint, aber wichtig, dass führende Politiker betonen: Eine kollektive Verantwortung haben wir.
      Diese Verantwortung beginnt natürlich schon bei Wahlen – in einer Diktatur ein schwieriges Thema. Insbesondere, wenn Wahlversprechen reine Propaganda sind und andere Meinungen nicht zugelassen werden.

    4. Lutz Müller
      Lutz Müller · vor 4 Tagen

      @Cornelia Gliem 2) Von Übergriffen hier auf Russen habe ich auch nichts gehört. Ich vermute, dass die Autocorsos in Berlin und Frankfurt/M. gegen angebliche Diskriminierung der Russen bzw. Russlands in Wirklichkeit organisierte Kriegspropaganda waren. Dennoch erfuhr ich selbst von Befürchtungen in der russischsprachigen Community. Die Ukrainerin Julia Zabudkin, Leiterin dt.-russ. Kindergärten Frankfurt/M., erklärt hier, wie gegen Anfeindungen angegangen werden kann: www.youtube.com/watch?... .

    5. Lutz Müller
      Lutz Müller · vor 4 Tagen

      @Cornelia Gliem 3) Andruchowytsch schildert die (Selbst-)Entmenschlichung der russischen Armee - Plünderungen, Vergewaltigungen, Bombardierungen und Erschießungen von Zivilisten. Er schreibt, dass „Butscha (und alle anderen Butschas) kein trauriger Zufall ist…, kein Fall von Hysterie ‚einfacher russischer Jungs‘, die ihr Krieg in eine ausweglose Lage gebracht hat. Sondern die geplante und methodische Ausführung eines russischen staatlichen Programms, dessen Inhalt teilweise die Versklavung und größtenteils die Vernichtung der Ukrainer ist… Von den ersten Kriegstagen an kämpfte Russlands Armee – wie in all ihren anderen Kriegen – besonders siegreich gegen die Zivilbevölkerung… Die russische Armee ist eine weitverzweigte gesamtstaatliche Terrororganisation mit Hunderttausenden Mitgliedern, die mit extremer Grausamkeit und einem außergewöhnlichen Sadismus ausgerüstet sind. Russland ist ein terroristischer Staat… Wie würde ich mir wünschen, dass sie n u r Marodeure wären. Das würde bedeuten, dass sie, trotz alledem, Menschen geblieben sind… Aber alles, was wir sehen, zeugt von Entmenschlichung. Russlands Bevölkerung hat sich erfolgreich selbst entmenschlicht. Das ist eine Antiwelt. Das ist ein Teil der Menschheit, der freiwillig zum Antimenschentum übergegangen ist…“

    6. Lutz Müller
      Lutz Müller · vor 4 Tagen

      @Lutz Müller 4) Andruchowytschs extrem hartes Urteil mag man mit schriftstellerischer Freiheit rechtfertigen können. Asia Bazdyrieva schreibt über die historische und gegenwärtige Schuld der Westeuropäer an der doppelten Kolonisierung der Ukraine: www.piqd.de/europa-eu/... - auch zu dieser Verallgemeinerung gab es einen Kommentar von Thomas Wahl, auf den ich geantwortet habe.

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