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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Freitag, 10.11.2017

Sprachenwirrwarr in der kaiserlichen Armee – wie Österreichs Truppe auf den Vielvölkerstaat reagiert

Das Reich der Habsburger war zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein Vielvölkerstaat. Ne­ben Ös­ter­reich herrschte der Kaiser in Wien über wei­te Tei­le Ost­eu­ro­pas: Ge­bie­te des heu­ti­gen Tsche­chi­en und der Slo­wa­kei, Un­garn, Slo­we­ni­en, Bos­ni­ens, Ser­bi­ens und Po­lens. In der "K.u.K."-Monarchie gab es eine große kulturelle und sprachliche Vielfalt, der auch die Armee gerecht werden wollte.

Zwar legte die Generalität sich auf Deutsch als Kom­man­do-​ und Dienst­spra­che fest, in­ner­halb der Re­gi­men­ter aber wurde die Lan­des­spra­che der meisten darin dienenden Soldaten ge­spro­chen. "Elf Spra­chen sind es, die in Ver­wen­dung sind", sagt Ta­ma­ra Scheer von der Uni­ver­si­tät Wien gegenüber dem Geschichtsmagazin Damals. Und ei­ne Zwölf­te kam spä­ter da­zu.  

"Was da­mit be­zweckt wur­de, war, dass man den Sol­da­ten die Mög­lich­keit ge­ben woll­te, sich in ih­rer Spra­che aus­zu­drü­cken und wäh­rend ih­rer drei­jäh­ri­gen Dienst­zeit kei­ne an­de­re auf­ge­drückt zu be­kom­men", sagt Scheer. 

Außerdem hofften Regierende und Generäle, dass ihr Ent­ge­gen­kom­men bei den Sprachen zu einer stärker ausgeprägten Loya­li­tät bei den Sol­da­ten führen würde, etwa dass na­tio­nal eingestellte Tsche­chen den­noch kai­ser­treu auftreten würden. Und in Frie­dens­zei­ten funk­tio­nier­te diese Idee tatsächlich ganz gut.

Doch als 1914 der Ers­te Welt­krieg begann, kollabierte die­ses Sys­tem: Im Gefecht entstand ein Spra­chen­ge­wirr. Auf den Schlacht­fel­dern Ga­li­zi­ens, Ser­bi­ens, Ita­li­ens und an­de­ren Kriegs­schau­plät­zen vermisch­ten sich die Re­gi­men­ter. Sol­da­ten ver­schie­de­ner Sprach­grup­pen kämpften nun nebeneinander und mussten sich verständigen. Sie ver­such­ten dem Chaos mit einer eigenen Sprache entgegen zu wirken, dem "Ar­mee-​Sla­wisch". Dieses Kauderwelsch beherrschten auch vie­le Deut­sche, Un­garn, Ita­lie­ner und Ru­mä­nen. Das reich­te aber nicht aus, um Miss­trau­en und Miss­ver­ständ­nis­se zu ver­hin­dern.

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Kommentare 1
  1. Bernd Oswald
    Bernd Oswald · vor 13 Tagen

    Der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn war ein sehr heterogenes Gebilde. Im Alltag zu Friedenszeiten mag das noch einigermaßen funktioniert haben, da eben jede Region ihre Sprache sprechen konnte. Aber im Krieg war das Sprachengewirr dann um so problematischer, wie der Text ja auch schildert. Über das "Armee-Slawisch" hätte ich gerne noch mehr erfahren und wenn es nur ein, zwei Beispielsätze gewesen wären. Auch die 12. Sprache, die noch dazukam, bleibt ein bisschen nebulös. Eine schlichte Aufzählung wäre schön. Am interessantesten an dem Text finde ich die Aussage, dass die Sprache zum entscheidenden Loyalitätskriterium gemacht wurde. Sicher auch ein Faktor, der zum Untergang der k.u.k-Monarchie beigetragen hat.