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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Montag, 23.10.2017

Realer Schrecken am Freitagabend

Hier stehen Verbrecher im Fokus: Bankräuber, Triebtäter und Mörder. Seit 50 Jahren will "Aktenzeichen XY ... ungelöst" der Polizei bei der Arbeit helfen und gleichzeitig gute Einschaltquoten erzielen. Diese Serie zeigt die dunkle Seite der Bonner und der Berliner Republik. Für ZEIT Online blickt Christoph Schröder in einer Hommage zum 50. Geburtstag auf die Geschichte der Freitagabend-Grusel-Sendung zurück.

Wofür steht "Aktenzeichen XY ... ungelöst"? Für die Lust an der Brutalität oder für das Schüren von Paranoia? Was wurde der Sendung nicht schon alles vorgeworfen (und manches davon zu Recht). Homosexuelle und junge Frauen mit eigenen Lebensentwürfen kamen in den ersten Jahrzehnten nicht gut weg. Sie erschienen wie zwangsläufige Opfer eines Verbrechens. Und Anhalter, die in fremde Autos steigen? Schon fast selber Schuld, wenn sie beraubt oder getötet werden. Auch, dass viele Täter so gar nicht nach bundesdeutschem Durchschnitt aussahen, kritisierten Kriminologen und Medienwissenschaftler zurecht. 

Doch die seit 2002 von Rudi Cerne moderierte Sendung kann Zahlen für sich sprechen lassen. Was für eine Aufklärungsquote! 1853 der 4586 präsentierten Fälle wurden mit Hilfe der Hinweise von Zuschauern gelöst. Bei den Tötungsdelikten waren es sogar 623 von 1502. 

"Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen – das, meine Damen und Herren, ist der Sinn unserer neuen Sendereihe", sagte Eduard Zimmermann vor einem halben Jahrhundert in der ersten von bislang 523 Ausgaben. Es dürften noch einige Sendungen von "Aktenzeichen XY ... ungelöst" dazu kommen. Was bleibt ist nicht nur Kulturgeschichte, sondern ein kleines Sittengemälde der Bundesrepublik Deutschland.

Realer Schrecken am Freitagabend
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