Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kuratoren aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen
und kommentieren die besten Inhalte im Netz.

Du befindest dich im Kanal:

Zeit und Geschichte

Dirk Liesemer
Autor und Reporter
Zum piqer-Profil
piqer: Dirk Liesemer
Samstag, 17.09.2016

Neonazis in der DDR: Sie verfolgten, ermordeten und lynchten Gastarbeiter

Offiziell war die DDR ein antifaschistischer Staat. Tatsächlich fanden aber deutlich mehr Übergriffe auf Ausländer statt als bisher bekannt. Dies wirft auch ein neues Licht auf rechte Gewalt im Osten Deutschlands. Der Berliner Historiker Harry Waibel wertete insgesamt 725 rassistisch motivierte Vorfälle aus, die in Stasi-Akten dokumentiert sind: Die Gewalttaten forderten tausende Verletzte und mindestens zehn Tote, einige Menschen wurden regelrecht gelyncht. Ursprünglich waren Ausländer von der DDR-Spitze angeworben worden, weil Facharbeiter in den Westen geflohen waren und nun fehlten. Die ersten sogenannten Vertragsarbeiter kamen in den 1960er-Jahren. Sie lebten in abgeschotteten Wohnheimen, durften meist keine Familienangehörigen mitbringen und hatten nach Ende der Vertragszeit das Land zu verlassen. Als die Mauer fiel, lebten 94.000 Vertragsarbeiter in Ostdeutschland. Lange Zeit hieß es, dass erst mit dem Ende der DDR die ersten Neonazis aus dem Westen eingewandert seien.

Neonazis in der DDR: Sie verfolgten, ermordeten und lynchten Gastarbeiter
8,3
4 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied!

Kommentare 6
  1. Peter Stimpel
    Peter Stimpel · vor etwa einem Jahr

    Ich bin gegen die Formulierung "neues Licht". Als DDR-Bürger wusste man um Probleme mit Neonazis und Ausländerfeinden, und diese Idioten waren auch irgendwie allgegenwärtig in meiner Jugend. Es gab ganze Stadtbezirke, die wir "Rotzer" damals gemieden haben, weil da "Glatzen" ihr Territorium hatten. Ich fühlte mich damals dem linken bis linksextremen Spektrum zugehörig, mit entsprechendem Äußeren. Natürlich bin ich nur in der Gruppe in entsprechende Gegenden gegangen, nur zu "passenden" Uhrzeiten. Richtig ist, dass diese Jagden und die Folgen daraus in den Medien nicht transportiert wurden. Auch richtig ist, dass der gemeine Bürger selbst kaum Versuche unternommen hat, mit den Vertragsarbeitern privat in Kontakt zu kommen. Es war ja nicht erwünscht, geschah daher nur zufällig. Und ja, natürlich ist auch das Ursache für die Angst for Fremden. Aber "neues Licht"? Bei Pegida vielleicht, wenn man sich den Altersdurchschnitt da anschaut, kann das passen. Aber z.B. in Bautzen waren das Jugendliche zu großen Teilen. Der Erklärungsversuch ist daher zu oberflächlich.

    1. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor etwa einem Jahr

      Okay, verstehe ich, mir waren diese Kontinuitäten allerdings nicht so bewusst. Ich denke, da muss noch einiges aufgearbeitet werden.

    2. Peter Stimpel
      Peter Stimpel · vor etwa einem Jahr

      @Dirk Liesemer Ganz sicher, Dirk.

  2. Christoph Weigel
    Christoph Weigel · vor etwa einem Jahr

    @dirk, wo, bitte, hieß es lange zeit "...dass erst mit dem Ende der DDR die ersten Neonazis aus dem Westen eingewandert seien"? mir war - in meiner ganz subjektiven erinnerung - so gegen frühsommer '80 bewußt, daß das eigengewächs war.

    1. Christoph Weigel
      Christoph Weigel · vor etwa einem Jahr

      zu blöd, daß ich meinen post nicht editieren kann. ich meinte natürlich frühsonmer '90, nicht '80. sorry.

    2. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor etwa einem Jahr

      Das ist meine Bewertung: Ich kann mich an Diskussionen bei einer kleinen, linken Wochenzeitung erinnern, wo in Konferenzrunden behauptet wurde, dass die Neonazis erst nach dem Fall der Mauer nach Ostdeutschland eingesickert seien. Kritische Berichte über Ausländerfeindlichkeit in der DDR wurden damals in der Konferenz abgelehnt. Meiner Erinnerung nach gab es sogar ein Textangebot von Harry Waibel, das gar nicht erst erwogen wurde.