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Zeit und Geschichte

Hauke Friederichs
Journalist
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piqer: Hauke Friederichs
Montag, 03.10.2016

Mit 15 auf der Republikflucht

„Was haben Sie denn im Kofferraum?". Die Stimme hört Norbert Calmez im April 1978 nur dumpf durch das Metall über sich. Er liegt im Kofferraum eines VW 1600 TL. An einem Grenzübergang zwischen DDR und BRD muss der Wagen anhalten. Norbert ist 15 Jahre alt. In wenigen Minuten entscheidet sich, ob er künftig in Freiheit leben kann – oder für Jahre ins Gefängnis muss.

Sechs Mal hat er bereits versucht, die Arbeiter- und Bauern-Republik zu verlassen und zu seiner Mutter in den Westen zu kommen. Jedes Mal funktionierte der Plan nicht: Fluchthelfer erschienen nicht, mal verpasste er den Treffpunkt. Mehr als 23.000 Deutsche Mark hat seine Mutter insgesamt für seine illegale Ausreise ausgegeben. Sie musste dafür einen Kredit aufnehmen.

Zwei Jahre zuvor hatte die Frau ihren Sohn verlassen und war mit Hilfe eines Diplomaten nach West-Berlin gereist. Mit Briefen und über Kuriere hält sie Kontakt zu Norbert. Ein Jugoslawe soll ihn schließlich auf der Transitstrecke in Richtung Hamburg aus der DDR hinausschmuggeln. Einestages von Spiegel Online rekonstruiert den Fall. 

„Noch ein halbes Jahr danach ist sein Körper mit den Auswirkungen der Flucht beschäftigt. Der Jugendliche bekommt Haarausfall", schreibt Barbara Halstenberg. „Mit 15 Jahren bilden sich Geheimratsecken. Die sind auch heute, mit Anfang 50, noch zu sehen."

Mit 15 auf der Republikflucht
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