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Zeit und Geschichte

Achim Engelberg
Dr. phil.
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piqer: Achim Engelberg
Montag, 19.12.2016

„Als Hitler sich erschoss, übten sie Verhöre"

Die letzten Zeugen sprechen. Warum erst jetzt?

Jahrzehntelang lag ihre Geschichte verborgen in staubigen Kisten im amerikanischen Nationalarchiv. 100.000 Seiten Akten, ... auf jeder einzelnen der Stempel Secret. Geheim. Erst vor ein paar Jahren gab die Armee die Dokumente frei, zunächst unbemerkt von der Weltöffentlichkeit.

All das, was damals geschah, sagt Mayer in Princeton, hat sich in ihre Köpfe eingebrannt. Aber wie die Army es ihnen aufgetragen hatte, schwiegen sie, auch gegenüber ihren Frauen und Kindern. Sie schwiegen sogar noch lange, als sie es gar nicht mehr mussten.

Die Aufgabe dieser Shoa-Überlebenden war es, die Verbrechen der Nazis zu vergessen und Inhaftierte zu umschmeicheln und sie einzulullen. Zu den Gefangenen gehörten Reinhard Gehlen, Generalmajor der Wehrmacht, Chef von Hitlers Ost-Spionage.

Surreale Szenen spielen sich ab: 

Einmal belauschte ich zwei Gefangene. Einer hatte in der deutschen Botschaft in Madrid gearbeitet. Der andere war kurzzeitig ebenfalls in Madrid gewesen und erzählte stolz davon, wie er dort eine Frau abgeschleppt hatte. Womit er nicht gerechnet hatte: Er sprach gerade mit dem Ehemann dieser Frau. Wir mussten Leute reinschicken, sonst hätten die sich umgebracht.

Einmal bricht Verdrängtes hervor:

Als Streicher nackt vor mir lag, öffnete ich meine Hose. ... Ich habe ihn vollgepisst. ... Von oben bis unten. ... Er neigte den Kopf, und ich sagte: „Beweg dich nicht! Sonst schieß ich dir in den Arsch." Ich war so wütend. Er sagte: „Handtuch!" Ich sagte: „Hör auf zu sprechen! Dieser deutsche Jude wird dir ein Gefühl dafür geben, was ihr Nazis uns Juden angetan habt."

Dann die bittere Erkenntnis:

Wir holten diese Leute nicht nach Amerika, um sie zu bestrafen, sondern weil sie Informationen über die Russen hatten.

Etlichen Häftlingen gelingt eine zweite Karriere, mitunter unterschied sich das Personal der Bundesrepublik Deutschland nicht von dem der Nazizeit; Reinhard Gehlen wird Gründungspräsident des Bundesnachrichtendienstes.

„Als Hitler sich erschoss, übten sie Verhöre"
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