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Volk und Wirtschaft

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
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piqer: Thomas Wahl
Sonntag, 01.11.2020

Viel Elite, viel Unruhe oder wie Zyklen in die Geschichte kommen?

Peter Turchin ist Professor an der "University of Connecticut in the Departments of Ecology and Evolutionary Biology, Anthropology, and Mathematics". Und er beschäftigt sich mit "Cliodynamics", einem neuen interdisziplinären Forschungsgebiet:

Cliodynamics (from Clio, the muse of history, and dynamics, the study of why things change with time) is the new transdisciplinary area of research at the intersection of historical macrosociology, economic history/cliometrics, mathematical modeling of long-term social processes, and the construction and analysis of historical databases. Mathematical approaches – modeling historical processes with differential equations or agent-based simulations; sophisticated statistical approaches to data analysis – are a key ingredient in the cliodynamic research program

Die letzte Ausgabe des "Economist" gibt ein Beispiel für Ergebnisse aus mathematischen Analysen, die sich lt. Turchin ergeben können, wenn man Gesellschaften und ihre Geschichte/Evolution als große, komplexe Systeme betrachtet, die bestimmten Mustern folgen. Turchin hatte bereits vor zehn Jahren richtig prophezeit, dass in den USA und Westeuropa wahrscheinlich eine Zeit wachsender Instabilität anbrechen werde. Er begründete das mit einer "Überproduktion junger Absolventen mit höheren Abschlüssen". 

As far back as ancient Rome and imperial China, Mr Turchin shows, societies have veered from periods of political stability to instability, often at intervals of about 50 years. Consider America. Every pundit knows that Congress has become gridlocked, with Democrats and Republicans unwilling to compromise with each other. Fewer know that it was also highly polarised around 1900, before becoming more co-operative in the mid-20th century.

Und aus statistischen Daten (demographischen Strukturdaten) und Modellen ergibt sich dann die sogenannte "double spiral of well being and elite overproduction". 

Solche Prognosemodelle enthalten sicher viele Faktoren. Aber ähnlich wie Karl Marx postulierte, scheint zu gelten, "Die Geschichte aller bisher existierenden Gesellschaften ist die Geschichte der Klassenkämpfe" - nur im Gegensatz zu Marx eher als ein Kampf der Eliten.

But a struggle is most likely when economic inequality is high. The rewards for being at the top are then especially lucrative, both in terms of earning power and political influence, and those who miss out feel their loss more keenly. The feeling of resentment is particularly strong among people brought up to believe that they ought to be in the elite. Worse still, societies tend to produce ever more would-be elites, in part because access to education tends to improve over time. Mr Turchin sees all this as a recipe for political chaos. Articulate, educated people rebel, producing a scramble for political and economic power. Elites stop co-operating, counter-elites emerge, and order breaks down.

Elite-Überproduktion kann auch dazu beitragen, die "Cancel Culture" zu erklären, die die westliche Welt gerade erfasst. Ist es für junge Leute nicht zunehmend schwer, Elite-Status zu erreichen, selbst mit Uni-Abschluss? Hoch bezahlte und angesehene Jobs in großen Unternehmen scheinen knapp zu werden. Die Immobilienpreise steigen. Turchin schätzt, dass Amerika jedes Jahr rund 25.000 "überschüssige" Anwälte ausbildet. Über 30% der britischen Absolventen seien für ihre Arbeit überqualifiziert. Und wer hat nicht schon mal überlegt, das wir einfach zu viele unzufriedene, alles besser wissende Intellektuelle mit zu vielen krausen Ideen haben - sich selbst vielleicht eingeschlossen? Aber sicher besteht auch Hoffnung:

Yet enlightened elites can prevent the emergence of political instability in more effective ways. In the early 20th century American reformers raised inheritance taxes to prevent the emergence of a hereditary aristocracy, and engaged in massive trust-busting. Modernising urban-planning systems could lower housing costs, and deregulating labour markets would help create good jobs for “excess” elites. Mr Turchin’s analysis of the structural forces governing societies is an intriguing explanation of political unrest. But cliodynamics need not be destiny.

Also erkennen wir die Welt, ihre Entwicklungsmuster und reagieren wir entsprechend. Mathematik, Datenanalyse und Modelle könnten auch helfen, Sozialwissenschaften und ihre Hypothesen besser zu beweisen - sprich, wissenschaftlicher zu werden.

Viel Elite, viel Unruhe oder wie Zyklen in die Geschichte kommen?

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Kommentare 4
  1. Gabriel Koraus
    Gabriel Koraus · vor 21 Tagen

    Sicherlich EIN Faktor....

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 21 Tagen

      Ja, natürlich. Hier werden noch mehr genannt :
      http://peterturchin.co...

  2. Felix TheC
    Felix TheC · vor 22 Tagen

    Spannender Beitrag. Der auch viel Sinn ergibt. Aber ich verstehe noch nicht, wie es dann zu Parteien wie der AfD kommt. Die gehören augenscheinlich nicht zum Establishment. Sind aber mit ihren Forderungen eher so aufgestellt, dass es bisherige Machtstrukturen verfestigen würde. Oder sehe ich das falsch?

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 22 Tagen

      Elite und Establishment sind nicht das Gleiche. Eher ist das Establishment der machthabende Teil derselben. Und die anderen Teile wollen mit ihren Ideen an die Futterkrippe. So entsteht ein etwas chaotischer Zustand unterschiedlicher Strömungen, die, wenn sie nicht teilweise "harmonisch" Kommunizieren können/wollen, das ganze System destabilisieren und/oder unproduktiv/wenig innovativ machen. So verstehe ich das .....

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