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Volk und Wirtschaft

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
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piqer: Thomas Wahl
Donnerstag, 18.06.2020

Max Weber und die Möglichkeiten einer freiheitlichen Lebensführung

Der 100. Todestag eines "Titan der modernen Sozialwissenschaft" wie Max Weber ist sicher mehr als einen Beitrag bei Piqd wert. Seine Begriffe wie "protestantische Ethik", "Rationalität und Rationalisierung", "Charisma" oder "Herrschaft" werden oft verwendet und mißverstanden. Wer liest heut noch Max Weber? Dabei, so die These des Autors dieses Artikels, liegt der Ursprung Webers Überlegungen darin, die Möglichkeiten für eine autonome, selbstgewählte, eigenständige Lebensführung in der modernen Welt aufzuklären.

Mit der Frage nach der Möglichkeit von Freiheit schliesst Weber zum einen an Marx, zum anderen an Nietzsche an. Wie seine kongenialen Vorgänger teilte er die Überzeugung, dass der freien Lebensführung rein theoretisch nichts im Wege stehe – allein: Kapitalistische Grossbetriebe, bürokratische Herrschaftsformen und Ideologien mit Alleinvertretungsanspruch setzten eine «Prämie auf die Anpassungsfähigkeit» aus.

Dabei entdeckt er, wer sich den Maximen der Chefs, "den Regeln des Bürokraten und den Lehren der herrschenden Glaubenslehre" anpasst, der wird mit Einkommen, Status und/oder einem reinen Gewissen entlohnt. Weswegen die große Masse der Menschheit gern ihnen eigentlich fremden Zielen und Regeln folgt. So hat z.B. die „protestantische Leistungsethik“, Weber zufolge, wesentlich  zur Herausbildung und Festigung des Kapitalismus beigetragen. 

So stellt sich für Weber die Frage nach dem Zusammenhang zwischen modernem Wirtschaftsethos (= „Geist des modernen Kapitalismus“) und religiöser Ethik. Ausgehend von der Behauptung, dass Kapitalbesitz und höhere technische Arbeiter und Angestellte mehrheitlich protestantisch sind, konzentriert er sich auf die „rationale Ethik des asketischen Protestantismus“. Hier beschreibt er dann die bemerkenswerten Parallelen insbesondere des Berufsbegriffs und der Pflicht zur Genügsamkeit des asketischen Protestantismus, wie er u. a. bei Calvin zu finden ist, mit den konstitutiven Bestandteilen des „modernen kapitalistischen Geistes“ Beruf und Erwerb als Selbstzweck. (Wikipedia, Link oben)

Also „Nicht Arbeit an sich, sondern rationale Berufsarbeit ist eben das von Gott verlangte“ womit der Puritanismus „das Ethos des rationalen bürgerlichen Betriebs und der rationalen Organisation der Arbeit“ sei. Diese Thesen sind immer wieder angezweifelt und diskutiert worden. Wobei die Ursachen für die Entstehung der vielen kapitalistischen Ordnungen immer noch nicht befriedigend und endgültig geklärt sind. Aber die Möglichkeiten eines in weiten Teilen selbstbestimmten Lebens für die meisten Menschen waren noch nie so groß wie in diesen modernen kapitalistischen Gesellschaften.

Und dann ist da noch die Gefahr der Ideologien. Etwa durch die einfache These: aus Gutem kann nur Gutes, aus Bösem nur Böses folgen. Also wer Gutes will, ist nicht nur moralisch immer auf der richtigen Seite. Wie Weber in "Politik als Beruf" so schön schreibt:

Nicht nur der ganze Verlauf der Weltgeschichte, sondern jede rückhaltlose Prüfung der Alltagserfahrung sagt ja das Gegenteil. Die Entwicklung aller Religionen der Erde beruht ja darauf, daß das Gegenteil wahr ist. Das uralte Problem der Theodizee ist ja die Frage: Wie kommt es, daß eine Macht, die als zugleich allmächtig und gütig hingestellt wird, eine derartig irrationale Welt des unverdienten Leidens, des ungestraften Unrechts und der unverbesserlichen Dummheit hat erschaffen können? .... Auch die alten Christen wußten sehr genau, daß die Welt von Dämonen regiert sei, und daß, wer mit der Politik, das heißt: mit Macht und Gewaltsamkeit als Mitteln, sich einläßt, mit diabolischen Mächten einen Pakt schließt, und daß für sein Handeln es nicht wahr ist: daß aus Gutem nur Gutes, aus Bösem nur Böses kommen könne, sondern oft das Gegenteil. Wer das nicht sieht, ist in der Tat politisch ein Kind.

Es kommt eben nicht nur auf das Wollen an, das Ergebnis zählt. Wenn ich unsere aktuellen, moralisierenden Diskurse so verfolge, die wechselseitig die Welt in Gute und Böse einteilen (wobei der andere immer der Böse ist), kann ich nur sagen - Max Weber lesen .....

Max Weber und die Möglichkeiten einer freiheitlichen Lebensführung
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Kommentare 1
  1. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor 16 Tagen

    toller piq!

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