Kanäle
Jetzt personalisiertes
Audiomagazin abonnieren
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Volk und Wirtschaft

Thomas Wahl
Dr. Phil, Dipl. Ing.
Zum piqer-Profil
piqer: Thomas Wahl
Montag, 22.06.2020

Wie Pandemien Wirtschaft und Gesellschaft erschüttern können – das Beispiel der Pest (1347 bis 1351)

Es ist immer gut, einschneidende aktuelle Ereignisse, wie etwa Corona, an der Geschichte zu spiegeln. Zwei Historiker von der "University of Virginia", Daniel W. Gingerich und Jan P. Vogler, haben nun in einer Studie die langfristigen Wirkungen der großen Pest nachgezeichnet.
Die durch die Seuche ausgelösten Verwerfungen waren so radikal, dass sie das Ende des Mittelalters und seines ökonomischen Systems einleiteten. ... In Gegenden, die massiv von der Pest betroffen waren, kollabierte schlicht das ganze System.
Oft wird die Renaissance als eine Folge der Pest gesehen. Und die Studie meint nachzuweisen, dass sich langfristige Folgen noch im deutschen Kaiserreich des 19. Jahrhunderts nachweisen lassen.
Das Heilige Römische Reich deutscher Nation war eine lose Konföderation aus Hunderten einzelner Fürstentümer, Herzogtümer, Stadtstaaten. Als langfristige Konsequenz lässt sich zeigen, dass noch das Wahlverhalten im neunzehnten Jahrhundert von der Varianz beeinflusst wurde: Parteien, die die Interessen der Eliten vertraten, waren in Gebieten mit historisch starken Pestausbrüchen schwach. Im Gegensatz dazu waren in Gebieten, die weitgehend verschont blieben, die konservativen Parteien des Kaiserreichs extrem stark. Dort hat keine Transformation stattgefunden und die Eliten konnten an ihrer Macht festhalten.
Es entstanden also Gebiete mit unterschiedlichen politischen Zuständen, mit verschieden starken und schwachen aristokratischen Eliten – in der Soziologie als Äquilibriums-Zustände bezeichnet. "Solche „Äquilibria“ reproduzieren sich oft selbst und bestehen für lange Zeit."Im Interview mit einem der Autoren werden auch die Parallelen zu heute diskutiert. Sicher kann man eine so monumentale Seuche wie die Pest, die in Europa geschätzt 30 – 60 % der Bevölkerung ausrottete, nicht direkt mit der Moderne vergleichen. Gerade die wohlhabenderen Nationen haben ja gezeigt, wie man mit relativ geringen Opferzahlen durch die Herausforderungen einer globalen Pandemie kommen kann. Aber gewisse Wirkmechanismen sind wahrscheinlich ähnlich.
Die Pest hatte auf die Gesellschaft nicht überall den gleichen Effekt. Vielmehr variierte sie geographisch stark und hat den Westen Europas samt der westlichen Teile des heutigen Deutschlands viel stärker getroffen als etwa den Osten. Dies hat zu unterschiedlichen Folgereaktionen geführt. In den Gegenden, in denen die Pest wütete, kam es zu einem massiven Rückgang an Arbeitskraft. Es ist ja bekannt, dass an den besonders schlimm betroffenen Orten fast die gesamte Bevölkerung ausgelöscht wurde. Hatte es vor der Pest einen Überfluss an Arbeitskraft gegeben, so führte der plötzliche Arbeitskräftemangel dazu, dass sich die ökonomischen Strukturen der mittelalterlichen Gesellschaft nicht länger aufrecht erhalten ließen. Feudalismus und Leibeigenschaft waren die prägenden wirtschaftlichen Institutionen der damaligen Zeit, durch die Folgen der Pest kam es zu ihrer Erosion.
Auch könnten opportunistische Akteure versuchen, Vorteile aus den Krisenprozessen zu ziehen. Wie etwa in der damaligen Pest, wo ganze Bevölkerungsschichten die Krise nutzten, um ihre Schulden bei der jüdischen Bevölkerung los zu werden. Die Juden wurden einfach für die Pest verantwortlich gemacht, verjagt oder gleich getötet. Das ist nicht wirklich direkt mit heutigen Zuständen gleichzusetzen. Allerdings, Klagen über die Schwächung demokratischer Institutionen und Prozesse hören wir schon.Das Resumee am Ende der unbedingt empfehlenswerten Studie lautet jedenfalls:
.... the present combination of high population density and unprecedented global interconnectedness will surely make the next great pandemic all the more destructive when (not if) it does emerge. What the Black Death offers us, at the end, is an important reminder: When the next wave of destruction emerges, the particular set of labor repressive institutions of our contemporary era may be washed away in its wake.
Wie Pandemien Wirtschaft und Gesellschaft erschüttern können – das Beispiel der Pest (1347 bis 1351)

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!

Bleib immer informiert! Hier gibt's den Kanal Volk und Wirtschaft als Newsletter.

Abonnieren

Deine Hörempfehlungen
direkt aufs Handy!

Einfach die Hörempfehlungen unserer KuratorInnen als Feed in deinem Podcatcher abonnieren. Fertig ist das Ohrenglück!

Öffne deinen Podcast Feed in AntennaPod:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Downcast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Instacast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Podgrasp:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Bitte kopiere die URL und füge sie in deine
Podcast- oder RSS-APP ein.

Wenn du fertig bist,
kannst du das Fenster schließen.

Link wurde in die Zwischenablage kopiert.

Öffne deinen Podcast Feed in gpodder.net:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Pocket Casts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.