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Volk und Wirtschaft

Georg Wallwitz
Autor und Verwalter, selbständig
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piqer: Georg Wallwitz
Sonntag, 15.01.2017

Etwas Regulierung gefällig?

Den traditionellen Medien geht es so ähnlich wie der Finanzindustrie. Auf der einen Seite wird ihr Geschäftsmodell vom Internet und seinen Begleiterscheinungen untergraben. Und auf der anderen Seite verlieren sie bei den verbleibenden Kunden zunehmend an Glaubwürdigkeit. Das ist keine schöne Konstellation, wie jeder, der in der Finanzindustrie arbeitet, bezeugen kann.

Ray Dalio, ein erfolgreicher, realitätsbezogener und intelligenter Hedge-Fonds-Manager, hat sich aus gegebenem Anlass Gedanken zu dem Thema gemacht. Er fand seine Firma und sich kürzlich vom Wall-Street-Journal in - wie er fand - sensationsheischender und verzerrender Weise dargestellt. Ist das Fake News? Wo ist die Grenze zur Sensationslust? Haben die Medien nicht schon immer die Realität so lange geschüttelt, bis sie ihren Lesern passte?

Im Rahmen eines Interviews, in welchem er gewisse Dinge richtigzustellen versuchte, schlug er unter anderem vor, das Problem der Medien durch Regulierung zu lösen. Alle anderen Industrien werden reguliert und die Medien rufen häufig am lautesten danach, den anderen auf die Finger zu schauen. Sich selbst wollen sie aber ausgenommen sehen von dieser unangenehmen Mitsprache der Allgemeinheit.

Vielleicht ist also ein weniger zahnloser Presserat, der echte Standards setzt und auch durchsetzt, die Lösung des Problems - auch wenn es zunächst weh tut:

"The news media is unique in being the only industry that operates without quality controls or checks on its power. It has so much unchecked power that even the most powerful people and companies are afraid to speak out against it for fear of recrimination. ... Nonetheless I am compelled to say what many people express privately, which is that 1) the quality of news media is declining in general, 2) those in the news media have an enormous amount of power, 3) the news industry is unique in not having its standards of behavior specified and overseen, and 4) this confluence of realities is dangerous."

Etwas Regulierung gefällig?
8,6
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Kommentare 3
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · vor 11 Monaten

    Zumindest bezogen auf Deutschland stimmt das so nicht ganz. Es gibt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk durchaus Aufsichts- und Kontrollgremien. Für die Verlage sind Presserat (übrigens nach Vorbild des britischen "Press Council") und Kartellamt zuständig. Wie effektiv diese Institutionen ihrer Aufgabe nachgehen, ist ein anderes Thema. Auch dass Medien grundsätzlich schlechter werden ist eine Behauptung, die ich gefühlt unterschreiben würde, die man aber auch getrost bezweifeln darf. Die vielen Fälle miserabler Berichterstattung aus vordigitaler Zeit wurden häufig einfach nie entdeckt und besprochen. Ich habe jedenfalls noch keine Studie gelesen oder Daten gesehen, die dieses "Gefühl" seriös belegen. Ich kann den Mann in seiner Empörung trotzdem gut verstehen. Wie zahlreiche Medien mit Protagonisten / Interviewpartnern umgehen, ist in der Tat skandalös.

    1. Georg Wallwitz
      Georg Wallwitz · vor 11 Monaten

      Das stimmt alles ... . Vielleicht ist mein Punkt etwas untergegangen (weil er mit dem Text auch wenig zu tun hat): Wenn eine Vertrauenskrise aufkommt, behebt sie der Staat (oft) mit entsprechender Regulierung. Z.B. setzt er Standards und kontrolliert diese so lange in Bäckereien, bis der Verbraucher sich einigermaßen sicher sein kann, dass in der Bäckerei um die Ecke auch saubere Brezeln verkauft werden. Denn nur wenn Vertrauen herrscht, sind Märkte effizient. Lässt sich das auch auf die Presse anwenden?

    2. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor 11 Monaten

      @Georg Wallwitz Ich glaube viele Probleme, die wir heute in der Öffentlichkeit (im Habermasschen Sinne) erleben, gehen darauf zurück, dass Journalismus wie Brezeln behandelt wird. Journalismus ist aber kein Produkt, dass sich am Markt behaupten kann ohne im Kern einen Schaden davonzutragen und damit automatisch auch Schaden zu verursachen (z.B. Interviewpartner, LeserInnen, Öffentlichkeit). Kern des Journalismus ist die Suche nach der bestmöglichen Wahrheit. Der Versuch, Wahrheit zu regulieren, klingt für mich gefährlich. Kurzum: Ich glaube Regulierung kann wenig dafür tun, das Vertrauen in die Presse wiederherzustellen. Regulierung könnte aber immerhin dafür sorgen, dass Plattformen nicht länger für die Verbreitung strafrechtlich relevanter Äußerungen missbraucht werden dürfen. Das klingt nicht nach viel, aber ist Grundvoraussetzung für eine funktionierende kritische Öffentlichkeit und diese, weniger der Staat, ist das Korrektiv für journalistische Fehlgänge.