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Volk und Wirtschaft

Georg Wallwitz
Autor und Verwalter, selbständig
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piqer: Georg Wallwitz
Dienstag, 17.04.2018

Das leere Versprechen der Blockchain

Das am meisten überbewertete Thema in den Seiten der Wirtschaftspresse ist wohl die Blockchain (dicht gefolgt vom unbedingten Grundeinkommen). Hier findet sich im frei zugänglichen Teil der FT ein hübscher Artikel, warum das so ist.

Dass Bitcoin als Währung nicht funktioniert, hat mittlerweile fast jeder verstanden, der in den letzten Monaten versucht hat, seine Ersparnisse in einer Kryptowährung aufzubewahren. Ein Spekulationsobjekt taugt einfach nicht zur Wertaufbewahrung.

Aber, so kommt dann meist der Einwand, die Blockchain-Technologie wird bleiben, unabhängig davon, welche Kryptowährung sich am Ende durchsetzt. Auch daran sind aber erhebliche Zweifel angebracht.

Erstens hat die Blockchain keine Fehlertoleranz. Das kann sehr mühsam sein, wenn man etwa Verträge mit Hilfe der Blockchain-Technologie fixiert. Wenn sich in einen Vertrag ein kleiner Fehler einschleicht (z.B. die Ortsangabe "Baierbronn" statt "Baierbrunn"), so wird dieser auf Blockchain verewigt und veröffentlicht, mit allen Konsequenzen. Ohne Blockchain, nun ja, korrigiert man das ganze stillschweigend und es passt. Blockchain taugt am besten in einer fehlerlosen Welt. Aber wo findet sich diese?

Zweitens soll durch Blockchain die Vertrauensinstanz (z. B. der Notar oder die Zentralbank) überflüssig werden. Warum auch das aber eine Illusion ist, zeigt der gepiqte Artikel: Letztlich werde ich das Vertrauens-Thema nicht los, denn im Blockchain-Zeitalter muss ich mich irgendwie auf die Richtigkeit der eingegebenen Information verlassen können - entweder, indem ich sie selbst verifiziere (was mühsam wäre), oder indem ich blind vertraue (was naiv wäre), oder indem ich einer Vertrauensinstanz glaube (womit ich keinen Schritt weiter wäre als ich es heute bin).

Und drittens wird die Eigenschaft der Blockchain, nichts zu vergessen und alles zu veröffentlichen, früher oder später mit dem europäischen Datenschutz kollidieren. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Das leere Versprechen der Blockchain
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Kommentare 1
  1. Fabian Goldmann
    Fabian Goldmann · Erstellt vor mehr als einem Jahr ·

    Schöner Text. An der Stelle mit den Mango-Pflückern hat er mich gekriegt. Die ganzen Blockchain-Heilsversprechen erinnern mich an diese Home Shopping-Verkäufer, die einen glauben machen, die Welt habe bis zur Erfindung des FruitMax3000 kein Obstsalat machen können. Für manche Anwendung mag die Blockchain Sinn ergeben. Aber ich glaube sie spielt eher in einer Liga mit Bluetooth und Segway als mit Internet und Dampfmaschine.

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