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Kopf und Körper

Wenn das Mutterglück ausbleibt – Tabu Postpartale Depression

Susanne Franzmeyer
Piqer für Radio Features
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Susanne FranzmeyerMittwoch, 30.06.2021

Eine absolute Feature-Empfehlung ist die Deutschlandfunk-Produktion "Das vergiftete Glück. Depressionen nach der Geburt" von Rosvita Krausz, da ich hier einen besonderen Aufklärungsbedarf sehe.

In diesem Feature kommen starke Frauen zu Wort. Mütter, die zum ersten Mal, oder zum zweiten Mal ein Kind bekommen haben. Mitten im Leben und im Beruf stehend oder im Studium. Powerfrauen mit und ohne vorherigen Kinderwunsch, die sich aber alle auf ihre Kinder gefreut haben, und die sich nach der Geburt mit einem Mal mit einem erschreckenden Phänomen konfrontiert sahen: Sie konnten keine emotionale Verbindung zu ihrem Kind aufbauen, wurden von übermächtigen Ängsten zerfressen oder entwickelten nicht kontrollierbare Zwangsgedanken.

„Das ist mit das, worunter man am meisten leidet bei der Erkrankung, dass eine eigentliche Selbstverständlichkeit, nämlich das Gefühl zum Kind, völlig ausbleibt und da eine absolute Leere ist. Und dann noch nicht nur die emotionale Leere, sondern totale Verzweiflung und Überforderung.“

Dass es sich hier um ein Krankheitsphänomen handelt, das viel mehr Aufmerksamkeit verlangt, und das das Umfeld betroffener Mütter sensibilisieren sollte, dass diese Mütter Hilfe brauchen – und sie oft in ihrer Not nicht oder zu spät ernst genommen werden, wird in dieser Produktion mehr als deutlich. Die ehrlichen und erschütternden O-Töne gewähren auf beeindruckende Weise Einblick in das bedrückende Seelenleben der Stigmatisierten, schildern ihre Qualen, ihren Selbsthass, der bis zu Selbstmordphantasien führt. Dass es die Sache verschlimmert, diese Frauen als Rabenmütter, als verrückt, unnormal oder anderweitig abschätzend zu verurteilen, wundert nicht. Im Feature wird deutlich, dass es jede treffen kann, und dass man diese Frauen so früh wie möglich auffangen und unterstützen muss, anstatt sie zu verurteilen.

„Doch. Es gab einen schlimmsten Tag. Das war der Tag, an dem ich gerade angenommen hab, die Antidepressivas zu nehmen. Also ich hab die Tabletten gerade mal seit vier Tagen genommen, die Symptome verschlimmern sich ja. Und dann stand ich in der Küche und hab geweint. Hab Steaks gebraten. Mein Mann kam von der Arbeit, saß schon völlig schlecht gelaunt von der Arbeit und hat mich mit einem richtigen Hassblick angeguckt. Die Kleine hat nur geschrien an dem Tag, die Große wollte extrem meine Aufmerksamkeit. Und ich war einfach überfordert, hab einen Selbsthass gehabt, dass man es sich nicht vorstellen kann. Ich hab einfach gedacht: Du bist die schlimmste Mutter der Welt. Du bist Dreck. Verrecken müsstest du. Also solche Gedanken hab ich über mich gehabt. Und dann hab ich den Steak zu stark durchbraten, also es hat dann wie Gummi geschmeckt, weil ich halt einfach so in meinem Kopf wirr war, vertieft war. Und dann hab ich meinem Mann den Steak gebracht, er hat angefangen, es zu essen, guckt mich an und sagt: Das ist doch ungenießbar. Was bist du für eine Frau, du bist doch keine richtige Frau, du bist keine Frau, du bist ein verdammtes Kind.“

Gerade die Corona-Krise hat wieder einmal gezeigt, dass es die Mütter sind, auf denen ein Hauptteil der Care-Arbeit lastet, und vor allem denen das glückliche Mutter-Dasein einfach so unterstellt wird. Während Väter sich ohne größeren gesellschaftlichen Aufschrei aus dem Staub machen können, wenn sie sich der Situation nicht gewachsen fühlen, würde ein derartiger Ausbruch überforderter Mütter deutlich höhere Wellen schlagen.

Dass das Krankheitsphänomen behandelbar ist, ist ein Trost. Denn oft sind es nur die belastenden Umstände, tiefsitzende Versagensängste oder die generelle Überforderung mit der Situation, die dazu führt, dass die Mütter eine emotionale Leere in sich verspüren.

„Ich habe mein Kind die ganze Zeit geliebt. Obwohl mir das natürlich die ersten 20 Monate gar nicht klar war. Aber die Krankheit hat das verhindert, dass ich das sehe. Und die Schuldgefühle sind heute insofern immer noch da, dass, wenn ich noch mal zurückblicke und meinen Sohn jetzt anschaue, dass ich mir denke, hm, vielleicht hätte er ne andere Persönlichkeit bekommen oder vielleicht wäre er einfach glücklicher groß geworden in der ersten Zeit in der frühen Kindheit, wenn ich nicht so krank gewesen wäre.“

Laut dem Feature betreffe das Phänomen der Postpartalen Depression Schätzungen zufolge etwa 100000 Mütter jährlich. Dieses Feature könnte Betroffenen und Angehörigen dazu verhelfen, die Krankheit schneller zu erkennen, die Mütter stärker zu unterstützen und Hilfe zu holen.

Wenn das Mutterglück ausbleibt – Tabu Postpartale Depression

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