Kanäle
Jetzt personalisiertes
Audiomagazin abonnieren
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kluge Köpfe filtern für dich relevante Beiträge aus dem Netz.
Entdecke handverlesene Artikel, Videos und Audios zu deinen Themen.

Du befindest dich im Kanal:

Medien und Gesellschaft

"On background": Wie Tech-Konzerne mit Medien sprechen

Simon Hurtz
Journalist, Dozent, SZ, Social Media Watchblog

Mag es, gute Geschichten zu erzählen.
Mag es, gute Geschichten zu lesen.
Mag es, gute Geschichten zu teilen. Das tut er hier.
Mag es gar nicht, in der dritten Person über sich zu schreiben.

Zum piqer-Profil
Simon HurtzDienstag, 16.11.2021

Ich berichte seit zehn Jahren über Social Media und Plattformökonomie. Die meisten dieser Konzerne sitzen im Silicon Valley und haben ein grundlegend anderes Verständnis von Medienarbeit und Öffentlichkeit als deutsche Journalistïnnen. Ein Ausdruck, den ich Hunderte Male gehört habe, lautet "on background".

Das bedeutet: Ein Unternehmen schickt Informationen oder Antworten auf spezifische Fragen, will damit aber nicht direkt zitiert werden. Mal muss man die Aussagen paraphrasieren, manchmal sind sie auch explizit nur "für Ihren Hintergrund" gedacht und sollen gar nicht öffentlich erwähnt werden.

Es gibt Situationen, in denen das Sinn ergibt. Viele Presseabteilungen können bestimmte Informationen nur so an Reporterïnnen weitergeben, und teils bin ich dankbar, dass ich diese zusätzlichen Erklärungen überhaupt bekomme. Manchmal frage ich mich aber auch, warum ich ein banales Zitat "on the record" und 15 bis 20 Absätze "on background" erhalte – obwohl exakt gar nichts daran kontrovers oder auch nur neu ist (oft sind es wortwörtliche Zitate aus alten Blogeinträgen).

Offenbar hat die Redaktion von The Verge ähnliche Erfahrungen gemacht. In diesem Text erklärt Chefredakteur Nilay Patel, warum sein Medium grundlegend anders mit Informationen umgehen will, die "on background" gegeben wurden:

But the trend with big tech companies now is to increasingly treat background as a default or even a condition of reporting. That means reporters are now routinely asked to report things without being able to attribute them appropriately, and readers aren’t being presented with clear sources of information. This all certainly feeds into the overall distrust of the media, which has dire consequences in our current information landscape, but in practice, it is also hilariously stupid.

Wenn Presseabteilungen und andere PR-Profis mit The Verge sprechen, sollen die Aussagen künftig standardmäßig als "on the record" behandelt werden. Nur in Ausnahmefällen, und wenn sich beide Seiten darauf einigen, gilt die Regelung "on background".

Das hat drei einschneidende Konsequenzen:

1. You cannot email Verge reporters statements prefaced with "on background" and assume we will treat the material as if it is on background.
2. You cannot tell us how a statement is to be attributed without asking.
3. You cannot say things like "background not for attribution", and we will not agree to that terminology. This is just off the record. Say what you mean.

Ich glaube, dass sich deutsche Medien ein Beispiel daran nehmen sollten. Wie exzessiv und absurd einige Unternehmen mit Informationen "on background" umgehen, zeigen diese Beispiele:

  • A big tech company PR person emailed us a link to the company’s own website "on background."
  • A food delivery company insisted on discussing the popularity of chicken wings on background.
  • A big tech company insisted on describing the upgrade requirements for its new operating system on background. Details which it then repeatedly changed … on background.
  • A major delivery company spokesperson, asked when the company would be profitable, insisted that the following statement only be paraphrased on background: "We’re investing in the enormous opportunity to enable omnichannel commerce for local businesses."

"On background": Wie Tech-Konzerne mit Medien sprechen

Möchtest du kommentieren? Dann werde jetzt Mitglied!

Kommentare 2
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor 11 Tagen

    interessant. Und tatsächlich absurd : - ).
    Die genannten abschließenden Beispiele hätte man allerdings auch mal schnell auf deutsch bringen können - nicht alle beherrschen das Englische so beiläufig (wie ich, ähem).. .

    was ist wohl der Grund für dieses "Bitte nicht direkt zitieren"?
    Die Angst davor wegen irgendwas einen shitstorm zu ernten, egal wie banal?

  2. Alexander Matzkeit
    Alexander Matzkeit · vor 12 Tagen

    Total interessant. Vielen Dank, Simon!

Bleib immer informiert! Hier gibt's den Kanal Medien und Gesellschaft als Newsletter.

Abonnieren

Deine Hörempfehlungen
direkt aufs Handy!

Einfach die Hörempfehlungen unserer KuratorInnen als Feed in deinem Podcatcher abonnieren. Fertig ist das Ohrenglück!

Öffne deinen Podcast Feed in AntennaPod:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Downcast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Instacast:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Apple Podcasts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Podgrasp:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Bitte kopiere die URL und füge sie in deine
Podcast- oder RSS-APP ein.

Wenn du fertig bist,
kannst du das Fenster schließen.

Link wurde in die Zwischenablage kopiert.

Öffne deinen Podcast Feed in gpodder.net:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.

Öffne deinen Podcast Feed in Pocket Casts:

Wenn alles geklappt hat,
kannst du das Fenster schließen.