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Feminismen

Schönheitsideale: Einfach nicht dran halten und fertig?

Margarete Stokowski
Autorin
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Margarete StokowskiSamstag, 07.08.2021

In diesem Text von Altaf Merzah geht es um Schönheitsideale und wie sie uns verfolgen können. Merzah ist im Jemen aufgewachsen und schreibt über die Anforderungen, die dort an Mädchen und Frauen gestellt werden, und die oft von den Müttern an die Töchter weitergegeben werden:

Die Bürde, mädchenhaft auszusehen und sich zu verhalten, wird den Mädchen im Jemen vom Moment ihrer Geburt an auferlegt. Es ist eine Bedingung, um den Leuten zu gefallen, um der Familie keine abschätzigen Urteile einzubringen und um gute Heiratsanträge zu bekommen. Mütter konditionieren ihre Töchter dazu, sich ständig mit ihrem Äußeren zu beschäftigen, da der Wert einer Frau durch ihr Äußeres bestimmt ist. Das Äußere beeinflusst ihr Leben auf allen Ebenen, von den Heiratschancen bis hin zum Selbstwertgefühl. (...) Meine Mutter lehrte mich, meinen Selbstwert an etwas Größeres zu binden als an mein Aussehen oder die Anzahl der Heiratsanträge.

Doch auch ihre Mutter wollte dann, als Merzah sich verlobte, dass sie ihre Locken glättet, um im Zoom-Call mit ihrer Schwiegermutter gut auszusehen.

Dabei sind die Schönheitsideale, die Merzah beschreibt, natürlich kein Sonderproblem von Menschen im Jemen.

Eigentlich ist im Nahen Osten und speziell im Jemen die Vielfalt in Bezug auf Schönheit unglaublich groß. Im Jemen gibt es Regionen, in denen die Menschen dunkle Haut, lockiges Haar und große schwarze Augen haben, und andere mit Menschen mit helleren Hauttypen, die weicheres Haar und farbige Augen haben. Eigentlich sollte diese Vielfalt zu einer breiteren Akzeptanz führen, zu einer breiteren Perspektive darauf, was schön ist. Leider überdeckt und beherrscht aber der weiße, blonde, große Typ mit weichem Haar alle anderen Typen. Die Hauptursache dafür ist die weit verbreitete Bewunderung für westliche Schönheit, die von den Marketingkampagnen der Kosmetikindustrie auch im Jemen angefeuert wird.

Natürlich könnte man sagen: Ja, mach halt nicht mit. Aber so einfach ist es nicht. Warum sollte man aus dem System "genormte Schönheit" aussteigen, wenn es so aussieht, als könnte man damit so viel leichter Geld verdienen als mit anderen Jobs?

Am schlimmsten ist die Bindung der Schönheitsmerkmale an die Selbstverwirklichung und den beruflichen Erfolg durch soziale und materielle Belohnungen. Wir können zum Beispiel sehen, wie Instagram-Model-Accounts boomen und wie die Gesellschaft die Models nicht nur als schön, sondern auch als produktiv schätzt. Diese Frauen verdienen am Tag mehr Geld als eine Reinigungskraft in einem ganzen Monat oder sogar mehr als ein Ingenieur, eine Ärztin, eine Anwältin. Warum verbringe ich Jahre an der Universität auf der Suche nach einem seriösen Berufsweg, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, wenn ich am Ende dafür nicht gewürdigt werde? Wie kann das Privileg, hübsch zu sein, die echten, hart erarbeiteten Leistungen anderer Frauen ausstechen? Und all das geschieht sogar im Namen der Emanzipation und Freiheit der Frauen.

Das Problem, schreibt Merzah, liegt in einem Mangel an Werten, an die man sich stattdessen halten könnte. Klar könnte man sagen: Da gibt es doch genug. Ein stabiler Freundeskreis, glückliche Momente ..., man könnte anderen Menschen helfen, Kunst schaffen, berufliche Erfolge haben, whatever. Aber das Ding ist: Diese Werte muss man selbst finden. Es bleibt die Frage: Wofür soll man sich selbst anerkennen und respektieren, wenn der dominierende Vorschlag lautet, dass ein perfektes Äußeres das restliche Glück schon nach sich ziehen wird?

Es ist einfach, zu sagen, lasst uns doch aufhören, uns zu schminken, lasst uns frei sein von all diesen Zwängen. Aber das löst das Problem nicht. Das Problem ist die Leere, in der Frauen zurückgelassen werden, hilflos auf der Suche nach einem perfekten Bild von sich selbst, das nicht existiert. Das Problem ist der Mangel an Selbstwert und an Respekt, der die Frauen diesen Normen und Zwängen ausliefert.

Schönheitsideale: Einfach nicht dran halten und fertig?

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Kommentare 1
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor einem Monat

    seltsam so etwas aus einem .... arabischen Kulturkreis zu hören. Die eigene Wahrnehmungs-Brille.

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