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Literatenfunk

Dantes Ambivalenz: Der Dichter als Philosoph

Dantes Ambivalenz: Der Dichter als Philosoph

Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus), Die Rückkehr der Tiere (Verlagshaus Berlin)

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Jan KuhlbrodtDienstag, 14.09.2021

Heute ist Dantes Todestag. Er starb am 14.09.1321 im Exil in Ravenna, nachdem er 1302 aus seiner Heimat Florenz verbannt wurde. 

Die politische Zerrissenheit der Stadt und die Intrigen, die zur Verbannung führten, sind einem merkwürdigen politischen Ränkespiel und einem kaum zu durchschauenden Wirrwarr geschuldet, dem Dante letztlich in seinen Texten eine literarisch geordnete Welt entgegensetzte. Aber diese Ordnung war, wiewohl sie sich der Volkssprache bediente, eine des herrschenden kirchlichen Dogmas.

Auch jene, die als Geistesgrößen betrachtet werden, stolpern zuweilen durch den Diskurs, weil die Intelligenz dem Vorurteil unterliegt. Dieses Stolpern zu betrachten, ist zuweilen sehr erheiternd, aber vor allem ist es erhellend.

So formuliert Dante zum Beispiel:

„Doch obschon es die Frau ist, die gemäß der Schrift als erste gesprochen hat, ist es dennoch vernünftiger anzunehmen, der Mann habe als erster gesprochen; es ist unangemessen zu meinen, ein solch herausragender Akt des menschlichen Geschlechts wäre nicht zuerst vom Mann, sondern von der Frau vollzogen worden. Vernünftigerweise glauben wir also, dass es Adam zuerst gegeben wurde, zu sprechen.“

Dies ist eine im Fortgang des Textes „Von der Beredsamkeit in der Volkssprache“ vollkommen widersinnige Einlassung. Zumal Dante im Abschnitt zuvor auf eine sehr schöne Art auf dem Zusammenhang von Klang und Vernunft im Wort verweist. Dort heißt es:

„Das Menschengeschlecht braucht also, um sich Gedanken mitzuteilen, ein Zeichen, das sowohl vernünftig, als auch sinnlich ist. Es sollte ja etwas von der einen Vernunft aufnehmen und auf die andere übertragen; deswegen musste es vernünftig sein. Sinnlich musste es sein, da nur durch ein sinnliches Mittel etwas von der einen Vernunft auf die andere Übertragen werden kann. Wäre das Zeichen nämlich nur vernünftig, so könnte es nichts übertragen; wäre es nur sinnlich, hätte es weder von der Vernunft aufnehmen noch in der Vernunft ablegen können.
Das Zeichen ist jener edle Gegenstand, von dem wir sprechen. Es ist ein sinnliches etwas, insofern es ein Laut ist; es ist vernünftig, insofern es etwas nach Übereinkunft bezeichnet.“

Unter den Philosophischen Schriften Dantes findet sich auch eine, die „Das Gastmahl“ überschrieben ist. Diese empfiehlt sich besonders als Parallellektüre zur Göttlichen Komödie, weil sie in Bezug auf und auch in Absetzung von antiken Quellen so etwas wie eine philosophische Zusammenschau von Dantes Welt- und Menschenbild liefert.

Im dritten Buch heißt es:

"Wegen der großen Übereinstimmung, die zwischen den vielen Organen herrschen muss, damit sie einander richtig entsprechen, gibt es, trotz der großen Menge, nur wenige vollkommene Menschen."

Hier geht es um den Körper. Im selben Werk findet sich aber eine Abhandlung über die Sphären-Struktur des Universums, also seine, nach Dantes Vorstellung, in sich verschachtelte oder besser verschalte Struktur. Die Welt als Zwiebel gewissermaßen, im Kern die komplizierte und deshalb störanfällige Maschine Mensch.

Aber darin wohnt die Seele, die sich auf ihren Balkonen zeigt, den Augen und dem Mund.

Schelling schreibt in einem Aufsatz, der 1803 im von ihm und Hegel betriebenen Kritischen Journal der Philosophie erschien, über Dante: 

„Im Allerheiligsten/ Wo Philosophie und Poesie verbündet,/ steht Dante als Hohepriester und weiht die ganze Moderne Kunst für ihre Bestimmung ein. Nicht ein einzelnes Gedicht, sondern die ganze Gattung der neueren Poesie repräsentierend und selbst eine Gattung für sich steht die Göttliche Komödie so ganz abgeschlossen, so dass die von einzelnen Formen abstrahierte Theorie für sie ganz unzureichend ist und sie als ihre eigene Welt auch ihre eigene Theorie fordert.“ 

Dass Schelling hier in einem philosophischen Aufsatz unvermittelt mit einem Zeilenbruch arbeitet, scheint der Danteschen Strahlkraft geschuldet.

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Kommentare 1
  1. Jan Kuhlbrodt

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