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Literatenfunk

Es lebe die Miniatur!
Lechners und Prempers „Gelati! Gelati!“

Es lebe die Miniatur! Lechners und Prempers „Gelati! Gelati!“

Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus), Die Rückkehr der Tiere (Verlagshaus Berlin)

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Jan KuhlbrodtFreitag, 03.09.2021

Es ist schwierig, über ein Buch zu schreiben, das man so richtig klasse findet, im Grunde müsste der Ausruf Super! genügen kombiniert mit dem Befehl: Lesen! Minimalistisch gewissermaßen.

Auf dieser Seite habe ich schone einige Bücher mit Miniaturen vorgestellt, von Charms oder Lew Rubinstein zum Beispiel, die russischen Meister dieser kleinen Form. Außerdem muss ich bei jeder solchen Lektüre an den Guatemalteken Monterrosso denken der sie in seiner seiner Erzählung „Der Dinosaurier“ in einem Satz konservierte. (Für jene, die Monterosso noch nicht gelesen haben: der Satz der zugleich Novelle ist und alle Novellen in sich birgt, lautet: „Als ich erwachte, war der Dinosaurier immer noch da.“) Einige Erzählungen in der Qualität dieser von Monterosso finden sich auch hier in diesem Buch von Martin Lechner und Tobias Premper.

„Gelati! Gelati!“ ist dreigeteilt. Es birgt je dreiunddreißig Texte von jedem der beiden Autoren und noch einmal dreiunddreißig Geschichten, die beide gemeinsam geschrieben haben. Er hebt an mit Lechners Texten, die die Abgründigkeit des Alltags, die uns sonst auch in Lechners Prosa begegnet gewissermaßen punktieren. Die Perforation der Welt, das transzendentale, das sich in eine leeren Unendlichkeit zeigt. Am Ende der Erzählung „Das Loch“ heißt es:

„Am Ende des Seils, als meine Füße schwer ins Dunkel hingen und das Einstiegsloch nur noch als Stern über mir zu zittern schien, löste ich die Hände und rief: „Ich werde mich nicht ergeben.“

Das Paradoxe dieses Momentes und auch seine Dramatik grundieren den Humor dieser Erzählungen, den Witz den sie produzieren, denn sie sind im besten Sinn urkomisch.

Mit einer anderen Komik operiert Tobias Premper in seinen Geschichten. Er generiert zum Teil Erwartungshaltungen, zum Beispiel im Text „Der Killer“ die sich aus zuweilen tradierten popkulturellen Settings ergeben, und die im letzten Abschnitt dann unterlaufen werden. Dadurch auch wird eine Art entlastender Witz provoziert.

„Draußen vor der Tür fand er noch ein angebrochenes Softpack Zigaretten in der Jackentasche.“

Oder an anderer Stelle, wenn Premper die Form selbst zum Gegenstand seiner Erzählung macht:

„Wenn Sie diesen Text rückwärts lesen, finden Sie keine versteckte Botschaft.“

Das eigentliche Wunder aber des Buches sind die Geschichten des letzten Drittels, die die beiden Autoren gemeinsam geschrieben haben. Dass das funktioniert hat, zwei grundunterschiedliche Temperamente zu amalgamieren!

Premper sagt in einem im Buch abgedruckten Gespräch unter den beiden Autoren dazu:

„Ja, das liegt an der Einstellung, sich darauf einzulassen. Und natürlich am Vertrauen, das wir uns erarbeitet haben. Ich bin immer wieder überrascht, mit welchen Einfällen du in einer neuen Version des Textes kommst.“

Natürlich sind auch diese Geschichten von einer gewissen Weltuntergangsstimmung durchzogen, aber in einer, sie heißt „Flucht“ kommt angesichts des schwerfälligen Flugs eines geflüchteten Papageis so etwas wie Hoffnung zum Ausdruck.

Georg Klein liefert zum Buch ein analysierendes aber auch bewunderndes Nachwort.

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