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Ideen und Lösungen

Daniela Becker
Umweltwissenschaftlerin und Journalistin
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piqer: Daniela Becker
Montag, 15.06.2020

Anders wirtschaften: Wohlbefinden statt Wohlstand

Amsterdam ist eine der ersten Städte, die das Konzept der Donut-Ökonomie zum Leitbild der wirtschaftlichen Entwicklung erkoren hat. Der Begriff stammt von Kate Raworth, einer Ökonomin aus Oxford.

Ihr Modell fokussiert alles wirtschaftliche Handeln und Planen auf menschliches Wohl und planetare Grenzen. Wenn die Ökonomie allen Menschen ihre Grundbedürfnisse erfülle und gleichzeitig die Grenzen der Natur wahre, dann sei ein „gerechter und sicherer Raum“ erreicht.

Oberste Prämisse ist dabei „Wohlbefinden statt Wohlstand“.

Nicht Wohlstand als primäres Ziel zu definieren, sondern Wohlergehen ist ein deutlicher Bruch mit den vorherrschenden Wirtschaftsmodellen, die auf Wachstum angewiesen sind – egal, ob es allen Menschen darin gut geht oder nicht. Der existierende Kapitalismus kümmert sich um die Schäden an der Natur und die Basis für Menschenleben in Würde höchstens indirekt. Genügend Wachstum werde beides schon irgendwie und irgendwann richten, ist die Ansicht vieler in der Politik und an den Hochschulen. Doch nicht erst die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass diese Vorstellung nicht stimmt.

Raworth schwebt hingegen eine Ökonomie vor, in der Ressourcen und Produkte, die sie als biologische und technische Nährstoffe bezeichnet, im Wesentlichen in Kreislaufprozessen bleiben und immer wieder verwandt werden. Auch das Menschenbild der etablierten Wirtschaftswissenschaften sei überholt.

„Im Herzen der Wirtschaftswissenschaften sollte ein neues Bild der Menschheit stehen“, erklärt Raworth in einem der kurzen Youtube-Clips über ihre Theorie. „Es muss anerkennen, dass unsere Gehirne für Empathie, Kooperation und gegenseitige Hilfe verschaltet sind, dass unsere Wünsche nicht starr sind, sondern sich ändern, wenn es unsere Werte tun, und dass wir keinesfalls die Natur beherrschen, sondern im höchsten Maße von ihr abhängig sind.“

Es gibt durchaus Beispiele, die bereits ein Umdenken in diese Richtung erkennen lassen: Neuseelands Regierung unter Jacinda Ardern hat im Mai 2019 zum ersten Mal einen Haushalt für Wohlbefinden vorgestellt: Der Schwerpunkt lag dort auf mentaler Gesundheit und dem Kampf gegen Kinderarmut; im Entwurf für 2020 geht es neben dem Weg aus der Covid-19-Wirtschaftskrise unter anderem um frühkindliche Bildung.

Bei vielen Fragen zur konkreten Umsetzung dieser Form des Wirtschaftens bleibt Raworth noch vage. Aber gerade in dieser Zeit, in der auch die deutsche Regierung die neuen Wunden durch die Corona-Krise überwiegend mit alten Mitteln versucht zu heilen, ist es wichtig sich auch mit neuen, alternativen Konzepten auseinanderzusetzen. Zum Einstieg in das Konzept der britischen Wissenschaftlerin eignet sich dieser Longread von Christopher Schrader.

Offenlegung: Ich bin Team von KlimaSocial, dem Magazin in dem dieser Text erschienen ist.

Anders wirtschaften: Wohlbefinden statt Wohlstand

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Kommentare 3
  1. Dominique Lenné
    Dominique Lenné · vor 3 Monaten

    Schließe mich vollinhaltlich meinem Vor-Kommentator an. Bei Adam Smith geht es nur um eines: wie die menschliche Arbeit möglichst effizient zur Produktion von Gütern (Dienstleistungen spielten noch eine geringe Rolle) eingesetzt werden könne. Das ist auch verständlich, insofern die damaligen Gesellschaften 1776 gerade dabei waren, sich aus allgemeiner bitterer Armut herauszuarbeiten und auch damit, das Denken in Traditionen kirchlicher oder ständischer Art durch klaren Verstand zu ersetzen. Smiths "Vom Wohlstand der Nationen" ist ein Musterbeispiel für klares Denken. Was gibt es klareres und greifbareres als produzierte Güter - bzw. deren Mangel? Dahinter wollen wir nicht zurückfallen, das ist klar. Für das Fressen (und weiteres Materielles) muss gesorgt sein. Aber der Mensch lebt nicht allein davon, und es ist von Bedeutung, unter welchen Umständen für "das Fressen" gesorgt wird, wie die Gesellschaft mit den "Schwächeren" umgeht und mehr.

  2. Michael Bauer-Leeb
    Michael Bauer-Leeb · vor 3 Monaten

    Danke für diesen Piq. Die notwendige Ausseinandersetzung mit alternativen Modellen ist mehr als dringend geboten, um die alten und längst nicht mehr funktionierenden Strukturen zu erneuern. Dabei wird, wie auch hier, mal explizit, mal implizit kritisiert, dass die Vorstellungen, Ideen, Konzepte vage blieben. Ja natürlich! Schließlich begeben wir uns hier auf völlig neue und zum Großteil noch unbekannte Pfade. Diese werden klarer, je länger wir darauf schreiten. Das ist bei sozialen Innovationen ein Teil des Deals. Und in einem globalisierten, voneinander abhängigen und äußerst komplexen System, wo der sprichwörtliche Flügelschlag des Schmetterlings ungeahnte Dynamiken entwickeln kann, umso mehr. Es liegt an uns allen, kooperativ das Neue durch ausprobieren zu konkretisieren.

    1. Daniela Becker
      Daniela Becker · vor 3 Monaten

      Das "vage" war gar nicht so kritisch gemeint, aber meiner Erfahrung nach gibt es viele Menschen, die Schwierigkeiten damit haben, wenn etwas (noch) nicht komplett ausformuliert ist. Heute wurde übrigens der zweite Teil dieses Themenkomplexes veröffentlicht. https://www.riffreport...

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