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Reportagen und Interviews

Trost mit der Geige – "Heart for Ukraine"

Charly Kowalczyk
journalist

Ich bin in Singen am Hohentwiel geboren und lebe in Potsdam. Schreibe Radiofeature für den Deutschlandfunk und für die Sender der ARD. Bin Mitgründer des Bremer Hörkinos. Seit nun fast 19 Jahren stellen wir in Bremen ein Radiofeature der Öffentlichkeit vor.
www.bremer-hoerkino.de

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Charly KowalczykMittwoch, 09.03.2022

Marina Bondas kam als 12-Jährige mit ihren Eltern aus Kiew nach Deutschland. Ihre Eltern lehren Geige und sie spielte das Instrument schon als kleines Kind. Im Alltag ist sie Geigerin in einem Berliner Orchester, aber seit dem 24. Februar 2022, dem "großen Krieg", wie sie sagt, gibt es für sie keinen Alltag mehr. Im Interview oder im Gespräch mit der Moderatorin von Deutschlandfunk Kultur erzählt sie von der Situation in der Ukraine. Was ihre Freundinnen von dort berichten. Sie erzählt von heute, aber auch von der Annexion der Krim und von dem "kleinen Krieg", so nennt sie den Krieg, der vor rund acht Jahren in der Ostukraine begann. Marina Bondas hat in der Ostukraine auch schon im Luftschutzkeller gesessen. Dabei erinnert sie sich, wie wichtig für sie Musik auch in den schlimmsten Augenblicken ist:

Stellen Sie sich vor, Sie müssen die ganze Nacht im Luftschutzkeller ausharren. Es macht nicht nur Angst, es ist auch langweilig, wenn Sie die ganze Nacht ohne Licht sitzen. Und da ist die Musik auch größer als Trost, das ist ein Schluck Leben, das ist frische Luft, das ist ein Zeitvertreib, wo die Zeit ein bisschen schneller geht. Ich hab selbst einige Beschüsse mit Geige durchlebt, ja das ist eigentlich ein großer Trost.

Nach der Annexion der Krim hat sie 2015 die Initiative "Heart of Ukraine" gegründet. Damals hätte der Westen genau die Sanktionen beschließen müssen, die jetzt erst beschlossen worden sind. Dann, sagt sie, wäre es vermutlich nicht zum großen Krieg von heute gekommen. Noch im vergangenen November verbrachte sie zwei Wochen lang in der Ostukraine, im Kriegsgebiet, die russischen Truppen hielten schon ihre "Manöver" vor der ukrainischen Grenze ab.

Die Sache ist, dieser große Krieg liegt für uns schon seit 2014 in der Luft. Wir haben davor gewarnt. Wir haben versucht, Europa und die ganze Welt drauf aufmerksam zu machen, dass das wirklich passieren kann. Und ich finde es traurig, dass niemand auf uns gehört hat. Im November, als ich da war, war es ziemlich ruhig. Für mich ein bisschen ungewöhnlich ruhig. Ich hab kaum Schüsse gehört. Damals hatte ich manchmal das Gefühl gehabt, irgendwas stimmt nicht. Kann es sein, dass es die Ruhe vor dem Sturm ist? Aber man freut sich natürlich, wenn man da in dem Moment ist, dass man keine Schüsse hört, dass die Städte nicht beschossen werden, dass die Kinder, die ich betreue, nicht in Gefahr sind, dass sie wenigstens ab und zu ein wenig Normalität haben.

Marina Bondas erzählt, dass viele Kinder in der ostukrainischen Kriegsregion sich schon daran gewöhnt haben, dass Krieg ist. Sie wachsen seit 2014 damit auf. Und erst, wenn sie mal in anderen, friedlichen Regionen verbringen, bemerke man, wie irritiert und auch traumatisiert sie sind. Im Augenblick sammeln sie von der Initiative "Heart for Ukraine", die als Reaktion auf die russische Annexion der Krim gegründet wurde, vor allem Medikamente für die Bevölkerung in der Ukraine.

Es ist ein leises, ein unaufgeregtes Gespräch, mit vielen interessanten Zwischentönen. Die Moderatorin war ein paar Tage verreist, sagt sie im Gespräch, und als sie dann sie in Berlin am Hauptbahnhof angekommen ist, war sie erstaunt, wie still, wie leise es da war, obwohl sich dort tausende Flüchtlinge aus der Ukraine aufgehalten haben. Vor allem Frauen mit Kindern. Sie sei beeindruckt, aber auch geschockt gewesen über diese Stille. Marina Bondas erklärt es so:

"Ich muss auch ganz ehrlich sagen, allein dieses Wort "Flüchtling" in diesem Zusammenhang, das schneidet mir das Ohr, das tut mir weh. Ich wurde bereits eine Woche, bevor der große Krieg angefangen hat, in einem Interview wegen den Flüchtlingen angesprochen, bei diesem Wort ging ein Schock durch den ganzen Körper. Das Einzige, was ich hoffe, dass diese Menschen bald wieder nach Hause kommen und nicht GEFLÜCHTETE werden müssen. Warum es so ruhig ist? Das kann ich mir gut vorstellen. Die Leute haben das nicht begriffen. Man findet keine Worte. Das ist so, wenn man den Krieg zum ersten Mal erlebt. Ich hab das zum ersten Mal durchgemacht 2015, als ich in der Kriegszone war und ich bin danach zurückgekommen, und die Leute haben gefragt: "Marina, wie war es?" Alle waren natürlich neugierig, wie so ein Krieg aussieht. Ich hab ein halbes Jahr oder ein Jahr gebraucht, bis ich halbwegs ein bisschen erklären konnte. In dem Moment, wo der Krieg passiert, findet man keine Worte."

 

Trost mit der Geige  – "Heart for Ukraine"

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