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Literatur

Die Zukunft des Tennisromans weltweit

Andreas Merkel

Sachbuchautor über Romane in Berlin. Letzte Veröffentlichung: "Mein Leben als Tennisroman" (Blumenbar). Kolumne "Bad Reading" im Freitag (das meinungsmedium).

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Andreas MerkelMittwoch, 26.01.2022

Der Tennisroman handelt auch heute wieder vom Älterwerden und dem Wunsch, gleichzeitig ein Top-Player des Lebens (oder wenigstens Lesens) zu bleiben.

Seit zwei Wochen zurück aus Amerika bekämpfe ich den Jetlag, indem ich nachts Australian Open gucke und Oldies wie Alizé Cornet und Rafa Nadal anfeuere, die das Turnier noch mal kräftig aufmischen.

Und denke dabei an den französischen Tennisfilm 5ème Set von Quentin Reynaud, über den ich auf dem Hinflug nach Portland zufällig im Bordprogramm der Air France stolperte: Ein 37jähriges Ex-Talent schafft es dort noch mal über die Quali ins Hauptfeld der French Open. Ana Girardot und Kristin Scott Thomas spielen auch mit und der Film ist für eine Tennis-Schmonzette gar nicht so schlecht, anfangs sogar fast schon realistisch-dokumentarisch (Hauptdarsteller Alex Lutz kann immerhin richtig Tennis spielen). Bevor dann doch alles auf einen kitschigen Showdown hinauslaufen muss wie immer im Kino.

Aber für bessere Enden haben wir ja die Literatur: Als ich vor ein paar Wochen noch in Portland abends an den wunderbar beleuchteten, aber gottverlassenen Tenniscourts am Laurelhurst Park vorbeilief, kam mir tatsächlich die Idee, noch mal (also überhaupt zum ersten Mal) in Wimbledon anzutreten. Und zwar in meiner Altersklasse, Ü50, im Mixed an der Seite von Scarlett Thomas. Was natürlich deren Schuld war.

Aber Scarlett ... who? Von der britischen Autorin hatte ich noch nie was gehört, bis ich Ende Dezember in der frühmorgendlich gekauften Print-Ausgabe der New York Times auf der letzten Seite der Arts-Section auf das fantastische Interview stieß, das sie dort anlässlich des Erscheinens ihrer Autofiktion 41-love. On Addictions, Tennis and Refusing to Grow up (Counterpoint) gegeben hat:

When did you first get the idea to write this book?

I sort of had the idea just after I’d won my first and only tennis tournament, and the idea of writing was basically the excuse to continue playing tennis. How can I spend a lot of time and money on this hobby? I’ll do that thing that people do; they do something for a year and write a book about it. They always start off like they’re not sure they can do it, and then they try it and it goes badly, and then they end up a winner. I wanted that narrative for myself.

Super! - Im Buch geht es schonungslos offen und mit feinem britischen Nihilismus ("I'm not Nadal, I'm rubbish") darum, wie es ist, mit 41 noch mal so richtig ins Training einzusteigen. Um es dann sogar bis ins Senioren-Turnier von Wimbledon zu schaffen - und einen Weltranglistenplatz in ihrer Altersklasse zu ergattern (150 oder so).

Angefixt durch 41-love ergab eine kurze Internet-Recherche, dass Scarlett Thomas überhaupt eine großartige, hierzulande leider völlig unbekannte Autorin ist. Ihren Roman Troposphere (Kindler), in dem es bolañoesk um das Geheimnis eines verfluchten Buches und dessen verschwundenen Autors geht, hab ich mir gleich auch noch bestellt.

Außerdem schreibt sie im Guardian regelmäßig Essays über Themen wie ihre Vorliebe für Dirty Fiction, ihre fatale Fitness-Sucht oder eben ihre Wimbledon-Erfahrung, wo sie sich vor den Matches immer zu Musik von The The warmmachte (allein schon dafür muss man sie lieben).

Leider endet 41-love nicht gut, sondern mit einem psychischen Burnout: Thomas überteibt es mit dem Training und bekommt auf dem Platz Panikattacken, hört mit dem Tennis ganz auf. Das ist deswegen schade, weil es jetzt doch nichts mehr wird mit dem Senioren-Mixed-Traum von Wimbledon. Auch weil mein Tennisroman  interational noch auf den Durchbruch wartet und bisher erst ins Dänische übersetzt wurde: Mit Liv som Tennisroman.

Aber wie heisst es so schön in der buddhistischen Trainingslehre: wenn du mit etwas aufhören kannst, hättest du es besser gar nicht erst angefangen. Ich mag es nie besonders, wenn am Ende Sachen aufgegeben werden (Trinken, Rauchen, Bücher, Tennis, Freundschaften...). Besser man überführt sie sanft in etwas Anderes, Kleineres, das man auch mit 75 in China noch machen kann: Der Tennisspieler spielt jetzt Tischtennis.

Die Zukunft des Tennisromans weltweit

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Kommentare 1
  1. Dominik Lenné
    Dominik Lenné · vor 7 Monaten

    Schön geschriebener Piq!

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