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Zeit und Geschichte

Achim Engelberg
Dr. phil.
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piqer: Achim Engelberg
Dienstag, 30.07.2019

Gestern & Heute: Moby Dick – Die Autobiographie eines Jahrhunderts

In 2019 gibt es mehrere Jahrestage von Autoren, die in ihren Ländern Nationalschriftsteller sind. Theodor Fontane war der Erzähler nach der ersten deutschen Einheit; Gottfried Keller war der Schriftsteller am Beginn der modernen Schweiz; Herman Melville gehört in diese Reihe. Ihnen wird anlässlich ihrer 200. Geburtstage gedacht.

Erstklassige Bücher sind wiederzuentdecken, dennoch ragt Moby Dick heraus, das zu den großen Werken nicht nur der USA, sondern der Menschheit gehört. Es gibt von ihm Jugendbuchfassungen, weil die Abenteuergeschichte nicht nur Erwachsene anspricht, aber das ganze Werk regt(e) auch Wissenschaftler an und viele Autoren. William Faulkner nannte Moby Dick das Buch, das er gern selbst geschrieben hätte.

Verfilmt, dramatisiert, vertont wurde das Werk; aus ihm erwächst ein multimediales Universum.

Eine alte Hörspielfassung aus dem Jahre 2002 ist wieder online.

Der Literaturwissenschaftler Rudolf Sühnel (1907–2007) charakterisierte Moby Dick als

Meisterwerk zur Autobiographie eines Jahrhunderts, zur Autobiographie einer Nation, zur barocken Summe menschlicher Erfahrung von Jahrtausenden.

Einen Überblick der Deutungen bringt Christoph Egger in der NZZ:

Ebenso wirkmächtig ist aber die Inthronisation des Nichtweissen geworden, die der Roman, seiner Zeit weit voraus, am Beispiel der farbigen Crew unternimmt; D. H. Lawrence sah 1923 darin gar den Untergang des weissen Amerika eingeläutet.

...

Wie alle wahrhaft erhabenen Bauwerke erhalte sie den Schlussstein erst von der Nachwelt eingesetzt. Das Kapitel schliesst mit der bestürzenden Volte: «Da sei Gott vor, dass ich je etwas vollende. Dieses ganze Buch ist nur ein Entwurf, was sage ich, bloss der Entwurf eines Entwurfs. Ach, Zeit, Kraft, Geld und Geduld!»

Erhellend sind diese von Andreas Hagelücken zusammengestellten sechs historisch spekulativen Lesarten: Wissenschaftler erläutern, wie sie das alte Buch heute lesen und interpretieren.

Moby Dick kann man nicht auslesen, immer wieder zeigt es neue Facetten.

Gestern & Heute: Moby Dick – Die Autobiographie eines Jahrhunderts
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