Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kuratoren aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen
und kommentieren die besten Inhalte im Netz.

Du befindest dich im Kanal:

Technologie und Gesellschaft

Rainer Sigl
Journalist Print/Online/Radio, Blogger; Textarbeiter
Zum piqer-Profil
piqer: Rainer Sigl
Mittwoch, 27.09.2017

In der Vergewaltigungstaverne von "World of Warcraft"

Online-Rollenspiele wie "World of Warcraft" sind mehr als nur Zeitvertreib - schon immer waren sie auch virtuelle, aber dennoch reale soziale Räume, in denen echte Menschen miteinander kommunizieren, agieren - und auch Sex haben. Klar, "nur" Cyber-Sex, der meist über Dirty Talk im Chat und das Auslösen schlüpfriger Animationen nicht hinausgeht - die Fantasien, die auch in eigentlich jugendfreien Spielen wie "WoW" ausgelebt werden, können allerdings die Grenze zum Expliziten - und auch zum Akzeptablen - überschreiten.

Dom Schott hat sich für Motherboard eine berüchtigte "Cyberswinger"-Location in "World of Warcraft" angesehen, mit regelmäßigen oder auch nur einmaligen Besuchern gesprochen und eine nicht nur "erwachsene", sondern aggressiv-sexistische Subkultur an einem Ort gefunden, der von Besuchern augenzwinkernd als "rape tavern" bezeichnet wird. Der Grund: Beiderseitige Freiwilligkeit ist beim "erotischen" Rollenspiel nicht unbedingt Voraussetzung.

Sobald die Situation und der Chatverlauf zu unübersichtlich werden, verlassen wir die Taverne, allerdings nicht ohne, dass uns ein paar Spieler folgen. Später erfahre ich im Gespräch mit einigen der Täter, dass eine Flucht der Opfer "richtig geil" sei, weil das genau so wie bei einer echten Vergewaltigung sei. Die Verfolgungsjagd wird zum Teil ihres Rape-Rollenspiels, das sie noch mehr dazu anstachelte, unsere Spielfigur einzuholen. Nach drei solcher Begegnungen ändern wir schließlich unsere Strategie und sprechen den Angreifer direkt auf das an, was er da gerade versucht. "Vergewaltigung ist auch eine Art erotisches Rollenspiel", erklärt uns die Nachtelfe, die eben noch angekündigt hatte, mich direkt in der Taverne "bewusstlos zu ficken".

Problematisch? Absolut. Doch nicht nur Blizzard, der Entwickler von "WoW", sondern auch große Teile der Spielercommunity wollen davon wenig wissen. Allein deshalb ist Schotts Text relevant - und erfährt inzwischen auch international Beachtung.

In der Vergewaltigungstaverne von "World of Warcraft"
8,8
6 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied für unter 4€ pro Monat!