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Technologie und Gesellschaft

Fake-Verbrechen: Wie Undercover-Agenten Terrorverdächtige zu Straftaten drängen

Sonja Peteranderl
Reporter

Senior Editor @Wired_Germany. Co-Founder @BuzzingCities Lab. Berichtet auch für andere Medien wie Spiegel Online über internationale Politik, Tech, Cyber & Crime, OC, oft aus Lateinamerika/Mexiko.

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Sonja PeteranderlMontag, 09.10.2017

Er hatte keine Ahnung von Verschlüsselung, dachte, dass Bin Laden der Gründer von Daesh/IS sei und kannte sich nicht mit islamistischer Ideologie aus: Erst postete Harlem Suarez Terrorpropaganda auf Facebook, durch den Einfluss eines Undercoveragenten des FBI wurde er später zum (Fake-)Bombenattentäter. Die von „The Intercept“ rekonstruierte, absurde Terroristenkarriere von Harlem Suarez ist auch die Geschichte eines kubanischen Einwandererkindes, das im System verloren gegangen ist, und so leicht zum Opfer von Rebellen-Ideologie und eines vermeintlichen Terror-Kumpels wurde: "He struggled in the public education system and dropped out of high school. He then took odd jobs in Key West — stocking store shelves, cleaning up restaurants, working in kitchens. Even after more than a decade in the United States, he spoke English without confidence."

Ein Problem an der Argumentation des Artikels, der nahe legt, das Suarez nur ein "Big Talker", ziemlich naiv gewesen sei: Naivität ist kein Freispruch – und nur weil jemand Dilettant ist, kann er dennoch zum Terroristen werden. Dennoch deuten viele Indizien in diesem Fall darauf hin, dass Suarez maßgeblich von dem Undercover-Agenten zu einem Bombenattentat gedrängt wurde – vielleicht hätte der Tatversuch sonst nie stattgefunden. Immer wieder tauchte der vermeintliche Terrorverdächtige ab, war unerreichbar für den Agenten, der immer wieder Druck auf Suarez ausübte.

Suarez ist kein Einzelfall. Mehr als 800 Terrorverdächtige hat die US-Regierung seit 9/11 vor Gericht gebracht. Bei etwa 300 von ihnen hatten die Sicherheitsbehörden The Intercept zufolge bei der Radikalisierung und Vorbereitung von Attentaten die Hände im Spiel: Undercover-Agenten drängten Verdächtige zu Terroraktivitäten, lieferten Ausrüstung oder andere Unterstützung – um die Verdächtigen dann rechtzeitig festzunehmen. Die Methode ist höchst fragwürdig, weil sie auch Fake-Terroristen produziert – im Namen der Prävention wird das FBI zum Brandbeschleuniger.

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